Alptraum statt Aufklärung

Orwell lässt grüßen!

Orwell lässt grüßen!

Erinnern Sie sich an die drei Slogans aus George Orwells Roman „1984“? Sie lauteten:

KRIEG IST FRIEDEN („war is peace“)

FREIHEIT IST SKLAVEREI („freedom is slavery“)

UNWISSEN IST STÄRKE (ignorance is strength)

Ich lese gerade ein außerordentlich spannendes neues Buch des Amerikaners Dave Eggers namens „The Circle“, und auch dort finden sich drei Slogans, die mir ähnliche Schauer den Rücken runterjagen wie die aus „1984“, nämlich:

SHARING IS CARING

SECRETS ARE LIES

PRIVACY IS THEFT

Es geht in dem Technothriller um eine riesige Internetfirma, eine Art Fusion von Facebook, Twitter und Google, die sich „The Circle“ nennt und die inzwischen von jedem als Tor zum Internet verwendet wird. The Circle weiß alles über uns: Wer wir sind, wo wir sind und was wir wollen. Die Firma hat überall auf der Welt winzige versteckte Kameras installiert und kann uns deshalb innerhalb von wenigen Minuten finden, egal wo wir uns versteckt halten. Sie rechtfertigt das damit, dass sich so die Kriminalitätsraten senken lassen. Babys bekommen nach der Geburt einen RFID-Chip implantiert um Kindesentführungen zu verhindern. Und Politiker werden von The Circle aufgefordert, jederzeit eine Webcam bei sich zu tragen; wer sich weigert, der wird automatisch verdächtigt, krumme Touren zu drehen. Weiterlesen

Datensammler will Teil der Lösung sein

Ist das dr Anfang oder das Ende von Big Data?

Ist das dr Anfang oder das Ende von Big Data?

Wem gehören eigentlich meine Daten? Ganz sicher nicht dem NSA. Aber wie ist es mit den vielen Firmen, die sich anschicken, im Zeitalter von „Big Data“ möglichst viele Informationen über mich und meine Kaufgewohnheiten zu sammeln, um sie meistbietend an die werbetreibende Wirtschaft zu verhökern?

Ich wurde neulich in einem Interview gefragt, was ich von der grassierenden Sammelwut der Datenindustrie halte und ob es mich nicht beunruhige. Nein, habe ich gesagt, so lange eine Firma Informationen über mich sammelt und vorhält, finde ich das prinzipiell in Ordnung. Die Dame, die die Frage gestellt hatte, schaute mich ungläubig an, als ob sie gedacht hätte, bei mir sei eine Schraube locker. Ich habe meine Antwort daraufhin präzisiert: Firmen wollen ja nur mein bestes – und davon so viel wie möglich. Sie sammeln Informationen über mich, um mich besser bedienen zu können. Sie haben nur ein Ziel: Mich möglichst mit Dingen zu erfreuen, die ich haben will oder die mich interessieren. Gleichzeitig wollen sie mich von Dingen verschonen, die ich nicht haben will oder die ich nicht mag. Für mich bedeutet das weniger Belästigung und ab und zu sogar eine richtig tolle Entdeckung. Wenn die Firmen das gut machen, dann „erwischen“ sie mich immer genau in dem Moment, wo  bei mir ohnehin gerade ein Bedürfnis entstanden ist. Wenn sie mir eine Woche vor dem Geburtstag meiner Frau eine Mail schicken, in der drin steht, dass das Lieblingsparfüm meiner Herzdame gerade um 20 Prozent herabgesetzt worden ist, finde ich das gut, genauso wenn sie mir mittags eine gute Pizzeria um die Ecke empfehlen, wo ich sowieso gerade Hunger habe. Weiterlesen

Die spinnen ja doch nicht, die Amerikaner!

Ich muss mich bei meinen Landsleuten entschuldigen. Auf meiner Festplatte befindet sich ein halbfertiger Text, den ich geschrieben habe und in dem ich die tiefe Kluft zwischen Amerikanern und Europäern in Sachen staatlicher Beschnüffelung beklage. Europäer, so wollte ich argumentieren, halten Edward J. Snowden, der den NSA-Skandal ins Rollen brachte, für einen Volkshelden, die Amerikaner halten ihn für einen Landesverräter. Und wenn man, wie ich, seine Informationen über die Reaktion in den USA auf PRISMgate weitgehend aus amerikanischen Tageszeitungsberichten bezieht, könnte man diesen Eindruck auch gewinnen. Sogar so ein Vorzeige-Liberaler wie Thomas Friedmann outete sich in einer Kolumne für die New York Times als Fan der NSA, weil er lieber seine Privatsphäre opfern als Opfer eines zweiten elften September werden wolle. Konservative Kommentatoren treibt der Gedanke an Staatsverrat dagegen regelrecht den Schaum an die Lippen. Der Politanalyst Ralph Peters forderte im stramm rechten Sender Fox News die Todesstrafe für Snowden und für Bradly Manning, der hochgeheime Diplomatenpost an WikiLeaks verriet.

Man könnte sich also aus der Sicht eines aufgeklärten Europäers (zu denen ich mich hier ausnahmsweise dazu zählen möchte) den Kopf kratzen und zum Schluss kommen: „Die spinnen, die Amis“. Wenn nicht die Meinungsforscher von Quinnipiac in Connecticut gerade eine Studie herausgegeben hätten, die feststellt, dass 55 Prozent der Amerikaner  Snowden für einen Helden halten. Konkret wurde gefragt, ob er ein Landesverräter oder ein „Whistle-blower“ sei. Weiterlesen

Totale Transparenz, oder: Alles ist öffentlich

Not just Big Brother - everybody's watching you!

Not just Big Brother – everybody’s watching you!

Die Causa Snowdon und Prism-Leak sind ein weiterer Beweis dafür, dass unsere Vorstellung von Privatheit im Digitalzeitalter hoffungslos veraltet ist. Na und?

Wie viele Dinge, die jetzt dank digitaler Beschleunigung ins Wanken geraten, ist Privatheit im Prinzip ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft des 18ten und 19ten Jahrhunderts. Der vielzitierte „Rückzug ins Private“ ist ja im Grunde genommen auch erst seit dieser Zeit möglich, denn ein prägendes Merkmal des Bürgertums ist seine Fähigkeit, sich abzuschotten gegen Einflüsse von außen und in einem eigenen, oft realitätsfremden Biotop zu existieren: Glücklich ist, wer vergißt!

Mit der Ausnahme dieses relativ kurzen Zeitabschnitts hat der Mensch stets in dörflichen oder Stammesgemeinschaften gelebt, also in relativ kleinen, überschaubaren und starren Systemen. Im Dorf gibt es kein Privatleben. Im Dorf weiß jeder alles über jeden –aber man tut so, als wüsste man es nicht.

Privatheit ist nicht nur eine relativ neue Erfindung, sie ist auch eine ausgesprochen westliche Idee. Weiterlesen

Was uns der Computer sagen will

Können Computer reden? Wenn ja: Was haben sie uns zu sagen? Und ist das, was sie sagen, vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt? Diese scheinbar skurrile Frage bewegt im Moment die Gemüter in Amerika, nachdem Prof. Tim Wu von der Columbia-Universität sie in einem Meinungs(!)beitrag für die New York Times gestellt hat, die er mit den Worten überschrieb: „Free speech for computers?“

Nun wird ja in Amerika die Meinungsfreiheit eine ganze Nummer höher aufgehängt als in Deutschland, wo man im Zweifelsfall lieber seine Ruhe hat und jeden, der sich mit einer womöglich abweichenden Meinung zu Wort meldet, am liebsten den Staatsorganen übergibt. Dafür sind sie ja da, nämlich um den Staat zu organisieren. Meine Vorfahren sind vor 500 Jahren aus „Old Europe“ ausgewandert, weil ihnen das Recht der freien Rede wichtiger war als Gut und Geld. Wir haben der Meinungsfreiheit deshalb auch in unserer Verfassung als „First Amendment“ gleich an erste Stelle gesetzt, vor solchen Dingen wie dem Recht, Waffen zu tragen, sich friedlich zu versammeln oder dem Verbot der Sklaverei. Weiterlesen

Schufa Dieba Du – Nicht die Nutzung meiner Facebook-Daten ist ein Problem, sondern die mangelhafte Transparenz im Kreditgewerbe

Ich verstehe das allgemeine Protestgeheule – zuletzt auch noch des BITKOM – um das Social-Media-Monitoring-Projekt der SCHUFA nicht: es ist die Aufgabe der SCHUFA die Kredibilität von Unternehmen und Personen zu analysieren. Und natürlich nutzt man hierfür so viele öffentlich zugängliche Informationen über das jeweilige Unternehmen oder die Person, wie eben möglich. Es ist kein Skandal, dass die SCHUFA derzeit in einem Forschungsprojekt überprüft, welche Informationen aus sozialen Netzen sich für eine Analyse der Kreditwürdigkeit von Bürgern und Unternehmen eignen.

Niemand sollte sich vormachen, dass sich die Nutzung unserer öffentlichen Daten in Facebook & Co durch eine „Selbstbeschränkung“ von Auskunfteien, Personalberatern oder werbetreibenden Unternehmen begrenzen ließe.

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Die ahnunglose Ilsa

Die Schufa lässt erforschen, wie sie Informationen von Facebook und Co. nutzen kann, um die Kreditwürdigkeit von Kunden und Geschäftsleuten zu überprüfen. Und schon schreit die Politik: „Unfair! Wo bleibt der Datenschutz?“

So ein Unsinn! Schufa & Co. leben davon, uns zu sagen, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht. Sie klopfen uns dazu nach allen Seiten ab und analysieren, welches Risiko jemand eingeht, der mit uns Geschäfte macht.

Die Online-Persona ist ein Teil von uns. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass ich bei eBay in den letzten zwölf Monaten 100% positive Bewertungen von meinen Geschäftspartnern – Käufer wie Verkäufer – erhalten habe. Ich wäre froh, wenn meine Bank diesen Wert bei meiner Bonitätsprüfung berücksichtigen würde, denn sie lässt zumindest darauf schließen, dass ich vielleicht ein anständiger Mensch bin. Stinkstiefel bekommen in der Regel schlechte Noten bei eBay.

Wer jetzt wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert, dass die Online-Persönlichkeit bei Schufa & Co. ausgeklammert werden soll, zählt zur gleichen Riege von Ahnungslosen wie Kurt Beck und Jürgen Rüttgers, die vor ein paar Jahren Sperrstunden im Internet verlangt haben: Schweinekram soll es nur noch nach 22 Uhr geben. Dass es irgendwo auf der Welt immer 22 Uhr ist, haben die nicht kapiert.

Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich)

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt. Weiterlesen

Lobbygruppe der Softwarehersteller sollte Datenschutz als Chance begreifen

Die Business Software Association (BSA) hat ein Ranking vorgelegt, in dem 24 Staaten nach ihrer Eignung als Standort für Cloud Computing bewertet werden. Die gute Nachricht zuerst: Deutschland schneidet sehr gut ab und gelangt noch vor den USA auf Platz drei. Nur Japan und Australien sind laut BSA besser. Die Lobby-Organisation der großen Software-Anbieter (Microsoft, SAP, Adobe, Symantec u. a.) bewertet die Cloud Readiness der Länder auf Basis von Gesetzen und Regularien in sieben verschiedenen Bereichen: Datenschutz, Cybersecurity, Cybercrime, Schutz des geistigen Eigentums, Technologie-Interoperabilität, Gesetzesharmonisierung (mit anderen Staaten), freier Handel und IT-Infrastruktur. In fast allen diesen Sektoren schneidet Deutschland gut ab.

Die schlechte Nachricht: Weiterlesen

Anpöbeln per Internet

Dümmer geht’s nümmer…

Die Angst geht um im Internet, die Angst davor, als „gläserner Verbraucher“ ausspioniert zu werden. Und da ist was dran. Natürlich weiß ich, dass ich eine digitale Spur hinterlasse, jedes Mal wenn ich einen Webshop besuche oder auf eine Online-Anzeige klicke. Ich erzähle auch oft und gerne die Geschichte von Amazon, die mich mittlerweile so gut kennen, dass ich meine eigene Homepage bei denen habe, in dem es nur um mich geht und das, was ich mag oder was Amazon denkt, das mir gefallen könnte – und sie haben fast immer Recht damit!

Ich fühle mich von Amazon nicht belästigt, sondern gut bedient. Service nennt man so was – leider in Deutschland häufig immer noch ein Fremdwort, auch 15 Jahre nachdem Minoru Tominaga mit einem Bestseller den Begriff „Servicewüste“ geprägt hat. Und in all den Jahren, in denen ich bei Amazon einkaufe, habe ich nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, dass die irgendwelchen Schindluder mit meinen persönlichen Daten betreiben. Sie zum Beispiel an andere Unternehmen verkaufen, damit die versuchen können, mir etwas zu verkaufen, das ich gar nicht will. „Kluge Unternehmen sind die besten Datenschützer“, sage ich manchmal in meinen Vorträgen, und meine Zuschauer nicken dazu.

Es gibt aber nicht nur kluge Unternehmen. Es gibt zum Beispiel die Firma booking.com in Amsterdam, die ausweislich ihres deutschen Impressums von einem Geschäftsführer namens Darren R. Huston geleitet wird – und der hat überhaupt nichts kapiert!

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