Dr. h.c. Czyslansky

Die Miami Life Development Church bietet nicht nur Theologie-Studienabrechern wie mir und ehemaligen Verteidigungsministern, DIE Chance für 150 Euro einen Doktortitel (Dr. h.c.) zu erwerben, den man dann sogar im Namen führen darf und das ganz ohne Copy & Paste.

Und das beste daran, jetzt kann man den Doktortitel schon für 39,00 Euro bei Groupon bekommen, wenn das kein Schnäppchen ist. Wenn man dem Zähler bei Groupon glauben darf, haben wir schon bald über 2000 neue Doktoren hier in Deutschland.

Ich finde wir sollten als Gesellschaft der Freunde Czyslanskys auch akademische Titel verleihen dürfen, diese wäre allerdings bestimmt sehr viel exklusiver und deutlich teurer, als die aus Miami.

Ich wäre sehr gerne: Professor am Czyslansky Institut für digitales Leben und den ganzen Rest, lässt sich das irgendwie machen?

Wenn der Spieler drei mal postet…

Zwei Dinge ist Mittelfeldspieler Anatolij Tymoschtschuk gewiss nicht: Einer der führenden Stars im Teamaufgebot des FC Bayern und ganz gewiss ist er auch kein Maulwurf. Seine via Twitter herausposaunten „Nachrichten“ zur Gefühlslage erscheinen unter seinem Namen. Man weiß, mit wem man es zu tun hat.

Als er vor einigen Wochen ein Foto der in der Kabine schön ordentlich aufgereihten Trikots bei Twitter hochlud und mit den Worten kommentierte „Wir sind bereit!“ platzten dem ohnehin rotschädeligem Bayern-Präsident Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Rummenigge fast der Kragen.
Tymoschtschuk, Neuer, Breno – die Spieler des FC Bayern kommunizierten munter via Twitter und Facebook, kommentieren ihre Leistungen und lassen auch sonst allerhand über sich wissen. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, viele Stars aus Sport und Entertainment nutzen die Bühne des Social Media, um sich selbst gegenüber ihren Fans und Freunde zu präsentieren – so wie eben Millionen und Abermillionen „normaler“ Menschen das auch tun.

Ärger in der Arena. Spieler sollen spielen und nicht twittern. Foto: Paul Huebgen, Wikipedia

Und sie sind genauso gedankenlos und ungeübt im Hochladen von Kommentaren und Bildern wie viele andere im Alter von Anfang Zwanzig. Nur gibt es da einen Haken: Die Posts von Erika Mustermann interessieren nicht wirklich jemanden, die von Anatolij Tymoschtschuk hingegen schon…
Der Verein reagierte prompt und verbot  seinen Spielern vor und nach dem Spiel solche öffentlichen Äußerungen und die Verbreitung von Bildern aus dem Allerheiligsten. Tymoschtschuk hatte – vielleicht unwissend – eine der in Stein gemeißelten Regeln gebrochen: Nichts aus der Kabine dringt in die Öffentlichkeit . Die Umkleide des FC Bayern ist fast so heilig wie die Kaaba in Mekka oder einst der Tempel Salomos in Jerusalem: Sanktuarien, deren An- und vor allem Inneneinsichten dem schnöden Volke verborgen zu halten sind.
Die Fans reagierten empört. Zum einen habe Tymoschtschuk nichts wirklich Schlimmes oder Pikantes gezeigt, es seien nicht mal Personen auf dem Bild. Zum anderen schätzen sie diese Illusion einer unmittelbaren Nähe zu ihren Spieler-Idolen. Ein wenig Vertrautheit, ein wenig Menschlichkeit, ein Star zum anfassen – wenigstens virtuell. Irgendwie…

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Wenn das Navi denkt und den Menschen lenkt…

Kein Vertrauen in den Fahrer? Gut, wenn man ein Navi im Handy hat.

Über hirnloses Benutzen von Navigationssystemen ist nahezu täglich in der Presse zu lesen.  Das blinde Vertrauen und das Abschalten des Verstandes erklärt die vielen verirrten Lkw auf Feldwegen, in verwinkelten Altstadtgassen und engen Passstraßen. Das Navi führte sie direkt in die Manövrierungsunfähigkeit.
Pkw-Fahrer, die ihr Auto in den Main setzen, weil das Navi eine Flussüberquerung mit einer Fähre als Brücke anzeigte und die Fahrerin irgendwie nicht erkennen wollte, dass gerade kein Boot zur Stelle war, sind da auch nicht besser. Weiterlesen

Klangkunst kann mich mal…

Tür auf für die Kunst...

Kunst im öffentlichen Raum regt zu Diskussionen an. Schnell arten Selbige zu handfesten Streitereien aus – zumeist findet sich eine Klientel, die dem ausgestellten Artefakt jeglichen künstlerischen Wert abspricht. Soweit nichts Neues.
Manchmal aber wird Kunst im öffentlichen Raum gar nicht als solche erkannt. Das geht mir  hin und wieder so, denn ich bin ein Ignorant und Schnösel gleichermaßen. Ein Beispiel:
Vor einiger Zeit führte mich eine Geschäftsreise ins Schwäbische. Ein paar Tage verbrachte ich in einem Hotel der gehobenen Kategorie, also in einem Haus, das sich intensiv um das allzeitige Wohlbefinden der Gäste kümmert. Die einen mögen diesen Schnickschnack sehr, die anderen bezeichnen es als esoterischen und sonstigen Unfug. Das hat mit Kunst nichts zu tun.
Noch weniger hat es mit Kunst zu tun, dass eiligst herbei gerufene Handwerker es nicht schaffen, innerhalb dreier Tage, die unser Aufenthalt im Spätzleland dauert, den zweiten Fahrstuhl wieder in Gang zu bringen – im Gegenteil. Aber das ist eine andere Geschichte.
Hier geht es schließlich um Kunst im öffentlichen Raum, bzw. im Hotel.
Wie das nun mal so ist, nutzen alle Gäste den verbliebenen Fahrstuhl. Bei nur fünf Stockwerken ist das kein großes Thema, zu Gedränge oder längeren Wartezeiten kommt es nie.

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Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling …

… aber hilft den Winter überstehen.
Heute möchte ich Sie, geneigter Leser, mit einem Testbericht langweilen beglücken, welchen ich mir, in einem schon Monate dauernden, heroischen Selbstversuch erarbeitet habe.

Ich fahre diesen Winter mit Spikes, um genauer zu sein, den Schwalbe Marathon Winter, einen Fahrradreifen mit Spikes. Was den motorisierten Kollegen untersagt ist, ist uns Radlern erlaubt und reine Freude. Da sieht man sie rutschen und hupen und im Staustehen, Scheibenkratzen, Diesel-fremdstarten und ich rase mit meinen Spikes den verschneiten Amperweg entlang ins Atelier.

Schwalbe Marathon Winter Spikes

Schwalbe Marathon Winter Spikes

Für diejenigen, die sich das Prinzip nicht ganz vorstellen können: In den Fahrradreifen sind Metallstifte von unten hineingeschraubt. Auf der Lauffläche sind Wenige, in Richtung Rand werden es mehr, denn bei schneefreier Fahrbahn sollen sie ja keine Reibung verursachen und sich auch nicht so schnell abnutzen. Legt man sich jedoch in die Kurve, oder  fährt in Schnee und Eis greifen die Metallstifte. Es ist mit diesen Reifen tatsächlich kaum ein Unterschied zum Fahren auf trockener Strasse zu bemerken. Den ziemlich stattliche Preis von 100 Euro (den will ich in diesem Test nicht verheimlichen) sind sie wert und er ist definitiv gerechtfertigt, spätestens wenn man weiss, dass die Spikes in Handarbeit eingeschraubt werden. Weiterlesen

The Queen, you get what you pay for …

Zum heutigen 60. Thronjubiläum der Queen schliesst die TAZ ihren sehr lesenswerten Artikel mit folgendem Satz:

… Wenn die Briten über den Kanal blicken, sehen sie Nicolas Sarkozy und Christian Wulff – und schätzen sich glücklich.

Quelle: Wikipedia - Foto: NASA

Die Briten erleben seit 60 Jahren ein Staatsoberhaupt, das beständig und pflichtbewusst, überparteilich und diskret ihren Dienst tut. Eine Ikone der Verlässlichkeit und Stils – und was haben wir? Christian Wulff, ein profilloses Milchgesicht mit Kredit-, Immobilien-, Auto-, Flugupgrade und sogar Bobbycar-Affären.

Die Queen lässt sich in ihrem Rolls-Royce Phantom VI, der zu Ihrem 25 Thronjubiläum, extra für Sie entwickelt wurde, herumchauffieren.
Das zeigt mal wieder, dass wenn man sich ein vernünftiges Autos schenken lässt, man auch mindestens 35 Jahre Freude daran hat.

Phantom

Quelle: Wikipedia

Ich wage zu bezweifeln, dass irgend ein Q3-5 oder 7 aus Ingolstadt da mithalten kann. Ich weiss auch nicht, ob der PriStaatsoberhauptnce of Wales ein Bobbycar hatte, vermutlich war es eher ein Schaukelpferd auf dem er seine spärliche kindliche Freizeit verbrachte, eines auf dem schon sein Urgroßvater saß und irgendwann seine Urenkel reiten werden.

Fakt ist, dass jeder genau das Staatsoberhaupt hat, dass er verdient. Unsere Schnäppchen – Geiz ist geil – Mentalität beschert uns eben unseren Billig-Präsidenten – eine ordentliche Monarchie kostet ja SO VIEL GELD!!!! Schon allein die Hochzeiten …

You get what you pay for, GOD SAVE THE QUEEN!

 

Facebook auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Der neue Look von Facebook

Rechtzeitig zum Börsenstart hat Facebook eines der größten Veränderungen der letzten Jahre vorgenommen. Sie heisst „Timeline“ – und es hat schon mächtig Ärger deswegen gegeben. Das behauptet jedenfalls die MacWelt, der zufolge sich die Gemeinde in zwei feindliche Lager gespaltet hat.

Die einen finden es toll, dass Facebook alles, was ich je gepostet habe, chronologisch ordnet und als etwas wirres Potpourrie von Bilder, Texten und Querverweisen anordnet, und die anderen – na ja, eben nicht. Sie fühlen sich nämlich ausspioniert. Wobei sich mir die Frage auf drängt: Warum sind sie dann überhaupt auf Facebook, wenn nicht, um sich permanent  zu outen? Weiterlesen

Der Dürer Skandal

Wenn man mit einer Fränkin, genauer noch mit einer Nürnbergerin verheiratet ist, erlebt man hin und wieder überraschende Ausbrüche von Nationalstolz. So schlenderten wir vor ein paar Wochen durch Wien und beschlossen doch auch mal in die Albertina reinzuschauen. Kaum betreten wir das Gebäude, da reisst mich ihr Aufschrei aus den Gedanken:
Der Hase gehört doch uns!“ ruft meine Gattin plötzlich fassungslos und bleibt wie angewurzelt vor dem Plakat des Kunst-Merchandising-Laden stehen. Dann fällt sie sogar – für sie untypisch – in ihren Heimatdialekt. Das klang dann in etwa so: „Was machd denn unser Dürer-Haaas in der Alberdina?“

Der neueste Schock den die Franken und damit auch meine geliebte „Beutebayerin“ verkraften müssen ist, dass das berühmte Selbstbildnis des grossen Nürnbergers, wohl in der Münchner Pinakothek bleiben wird, wenn die Nürnberger dieses Jahr ihren größten Sohn der Stadt mit einer umfassenden Ausstellung ehren wollen. Angeblich ist das Bild zu fragil und kostbar, um quer durch den Freistaat transportiert zu werden. Weiterlesen

Mein Kindle

Eines ist jetzt schon klar. Ich gebe ihn nicht wieder her. Auf Reisen ist er absolut Gold wert, nur leichter als das Edelmetall und viel leichter als die vielen Paperbacks, die ich sonst immer mitschleppen muss.
Als ich allerdings das auch E-Reader genannte Gerätchen zum ersten Mal in Händen hielt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es ein ganzes Buch geschweige denn bis zu 1400 (Herstellerangabe) ersetzen könnte. So unscheinbar, ohne Touchscreen (ich habe einen Kindle 4) nur dunkelgrau/hellgrau anzeigend, wirkte er. Und auch der Bildschirm mit seinen in den Seitenpanelen eingelassenen Tasten zum Vor- und Zurückblättern beeindruckt eher durch seine Mickrigkeit. Dafür passt er, wie ich später feststellte, in die Innentasche jedes Sakkos.
Aber wild entschlossen, nicht weiter am althergebrachten Papier zu kleben – Print-Sozialisierung hin oder her – habe ich den Kindle ins WLAN eingeklinkt und das erste Buch heruntergeladen. Dabei machte ich mit einer weiteren Besonderheit Bekanntschaft. Weiterlesen

Pinkeln und Posten: Social Media für Doofe

Ich muss mal!

Ich hätte heute Morgen fast in die Hose gemacht vor Lachen als ich auf Facebook über das Bild stolperte, das Andreas Maurer, der Pressesprecher von 1&1, dort gepostet hat, offenbar aufgenommen auf einem der unzähligen Social Media-Konferenzen, die heutzutage weltweit laufen und auf denen mehr oder weniger ahnungslose Manager nach einer Erklärung grapschen dafür, dass sie sich jetzt neben ihrer eigentlichen Tagesarbeit auch noch die Nächte mit Twitter, Facebook & Co. herumschlagen müssen.

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