Alle Beiträge von Sebastian v. Bomhard

Sebastian von Bomhard bloggt auch auf seinem SvB-Blog

Frau Merkel: Wirre Schelte

Eltern, die sich über die unaufgeräumten Zimmer ihrer Kinder ärgern, haben verschiedene Möglichkeiten. Belohnungsversprechen, das berühmte „ernste Wort“, Sanktionen. Oder aber, besonders gemein, sie gehen auf Facebook, achten durch geeignete Tags drauf, dass alle Klassenkameraden der Kinder zuhören, und lesen ihnen dann die Leviten. Öffentlich, mitten in ihrer Peergroup.

Würden Sie nie machen? Richtig, ich auch nicht. So etwas macht nur Angela Merkel, die in Davos die versammelte deutsche Wirtschaftselite düpierte, zumindest laut eines Kommentars im Managermagazin: „Die digitalen Dämmerer“. Wir verlören den Anschluß an die digitale Entwicklung, die deutsche Industrie falle gefährlich zurück, da sie sich nicht ausreichend um „Industrie 4.0“ kümmere.

Muss man das ernstnehmen? Weiterlesen

Der Terror von Paris

Je_suis_Charlie.svgAm 7.1.2015 wurden in Paris zwölf Menschen von schwerbewaffneten Attentätern erschossen. Die Karikaturisten von Charlie Hebdo, aber auch zum Beispiel Polizisten, von denen diese beschützt wurden. Das war ein schlimmer Terroranschlag, und die meisten waren traurig und entsetzt darüber. Weltweit riefen Menschen „Je suis Charlie“ oder änderten ihre Profilbilder in den sozialen Netzwerken. Oder sie zündeten einfach Kerzen an. Nach dem ersten Schock kam das Nachdenken und Meinungen waren zu hören. Viel Empathie war zu finden, viel ehrlich empfundenes Mitgefühl. In der Rhein-Zeitung stand  für mich einer der bemerkenswerten Kommentare zum Thema:

Das Grausamste am Grauen von Paris ist: Dieser Anschlag ist ein Fiasko für alle auf beiden Seiten, die guten Willens sind. Den Extremisten unter den Muslimen vermittelt es ein fatales Beispiel scheinbarer Stärke, den islamfeindlichen Strömungen in ganz Europa wird es Zulauf bescheren. Und alle in der Mitte, die sich menschlichen Werten statt fanatisch überinterpretierten Koranzeilen verpflichtet fühlen, geraten von beiden Seiten unter Druck.

Ich verstehe, was der Autor sagen will und ich teile seine Verzweiflung. Nirgendwo konnte ich allerdings lesen, dass es sich vor allem um einen terroristischen Anschlag gehandelt hat. Wer hier unbedingt den Islam ins Spiel bringt, vermischt Ursache und Wirkung. Terror und politischer Mord lassen sich nicht rechtfertigen, und selbst die Ursachenforschung stößt oft an ihre Grenzen. Das ist klar, denn eine Ursache, und sei sie noch so abwegig, wäre zumindest der Ansatz einer Rechtfertigung.

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Philipp Mauch zu Gast bei Czyslansky: Gedanken anlässlich der Diskussion um einen CSU-Leitantrag

mauchIch kenne Philipp Mauch als konservativen intelligenten Nonkonformisten. Daher lese ich gerne, was er so zu Zeitthemen beisteuert. Auf Facebook führt er Diskussionen in einem Stil, wie man es selten findet. Soll heißen, ich kenne wenige Menschen, die es schaffen, mit Menschen anderer Meinung zu sprechen und gleichzeitig mit so wenig Verbalinjurien auszukommen.

Er ist Philosoph und liebt außer seiner Familie vor allem den TSV 1860 München. Seine Doktorarbeit hat er über Nietzsche geschrieben. Beruflich vertritt er Unternehmensinteressen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. In seinem Blog http://variationenderalternativlosigkeit.wordpress.com grübelt er über Deutschlands politische Kultur.

Seine Erkenntnisse anlässlich der Reaktionen nach einem CSU-Leitantragsentwurf sind so lesenswert, daß ich ihn um diesen Beitrag für Czyslansky bat. Und hiermit übergebe ich das Wort meinem Freund Philipp Mauch:

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Ungarn und die Steuern

Wappen von Ungarn

Kein Aprilscherz, schließlich ist jetzt Oktober: Ungarn plant die Einführung einer Internetsteuer. 150 Forint pro Gigabyte, das sind 47 ct. Marketingtechnisch eine Ungeschicklichkeit, ich hätte vermutlich eine Steuer von 0,50 ct. pro MB genommen. Oder warum nicht gleich 0,000000005 Euro pro Byte? Der internationale #Aufschrei wäre leiser. So aber hört man allerorten, die Ungarn seien auf dem Weg in die Steinzeit und das sei eine unsinnige Steuer und überhaupt sei das das Ende des Internet und ähnliche sachliche Beiträge.

Bevor man zu einer pauschalen Kritik Ungarns kommt, sollte man sich vielleicht zunächst das ungarische Steuersystem anschauen. Die Ungarn haben nämlich einen saftigen Mehrwertsteuersatz, den höchsten in Europa: 27 Prozent! Also noch rund 50% mehr als wir. Dafür haben sie aber absolut attraktive Einkommenssteuern, derzeit beinahe flat 16% und demnächst 10%. Die umstrittene Internetsteuer soll etwa 20 Milliarden Forint bringen, das sind also 60 Mio. Euro. Viel ist das nicht, aber immerhin pro (ungarischer) Nase 6 Euro. Pro Jahr.

Dennoch geht der Shitstorm los,  Weiterlesen

Superhypochonder

Bildschirmfoto 2014-04-21 um 11.48.12 Haben Sie eigentlich die Sch’tis gesehen? War ein sehr netter Film. Und obwohl man die ganze Zeit fühlt, daß der Film auf Französisch noch viel besser wäre, funktioniert er auch auf Deutsch. Wer die Leute in jenem Film mochte, kann sich freuen: Es gibt wieder einen Film. Der Superhypochonder.

Wahnwitzige Geschichte. Ein Arzt hat einen Patienten, eine ziemliche Nervensäge. Besser gesagt, ein hysterischer Hypochonder, der ständig auf der Flucht vor Keimen ist und fürchtet, jede Krankheit, von der er erfährt, zu haben. Was natürlich ständig Sondereinsätze des Doktors erfordert. Der Doktor wiederum ist ein netter Mann. Ihm ist klar, daß er frühestens Ruhe haben wird, wenn der Hypochonder eine Frau gefunden hat. Kommt einem im Film logischer vor als es ist, was wieder sehr für den Film spricht.

Der Doktor stammt in dritter Generation aus Charkistan, einem Land, das man irgendwie kennt, wenngleich nicht unter diesem Namen. Dort wiederum ist Revolution und der Revolutionsführer, der aussieht wie der leibhaftige Bruder des Hypochonders, kommt nach Paris.

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Heult doch – Springer manipuliert mich nicht

Mathias DoepfnerMathias Döpfner hat einen so langen wie überflüssigen Text abgesondert. Etwas überrascht durch den großen Widerhall, den dieser offene Brief hervorgerufen hat, habe ich ihn gelesen, obwohl ich schon den Verdacht hatte, daß hier im BILD-Zeitungstil einfach nur Manipulation betrieben werden sollte. Ich sollte recht behalten. Textauszug gefällig?

Einerseits ist Axel Springer Teil einer europäischen Kartellklage gegen Google und streitet mit dem Konzern über die Durchsetzung des deutschen Leistungsschutzrechts, das den Inhalte-Diebstahl verbietet, andererseits profitiert Axel Springer nicht nur von dem durch Google entstehenden Traffic, sondern auch bei der Vermarktung von Restplätzen seiner Online-Werbung von Googles Algorithmus. Das stimmt. Man kann das schizophren nennen. Oder liberal. Oder, und das ist die Wahrheit, um es mit einem Lieblingswort unserer Bundeskanzlerin zu sagen: alternativlos.

Beim Wort „Inhaltediebstahl“ war es schon klar, um was es im folgenden Text gehen würde.  Weiterlesen

Ablenkungsmanöver (2)

putti_animWas ist eigentlich aus Sebastian Edathy geworden? Zur Erinnerung, übereinstimmend waren annähernd alle Menschen der Meinung, er gehöre zu der Sorte Menschen, mit denen ein anständiger Mensch nichts zu tun hat. Ebenso war gesichert, daß ihm bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte, etwas gemacht zu haben, was verboten ist. Oder, hier wird nun fein unterschieden, nichts strafrechtlich relevantes. Jedenfalls schlugen über ihm die Wogen der Empörung zusammen, schließlich war es ja irgendwas mit Kindern, das er angestellt hatte, und ganz feinsinnig hatte das BKA ja noch bemerkt, daß angeblich bislang noch jeder, der solche erlaubten Bilder besessen habe, auch illegale hatte. Wenn man lange genug suchte. Nicht, dass man bei ihm etwas gefunden hätte, aber, wie gesagt, das heißt so vie wie „noch nicht“, weswegen seine Partei schon mal höchst vorsorglich ein Parteiausschlußverfahren in Erwägung zieht.

Dem jetzigen Justizminister Heiko Maas dauert das zu lange. Kein Wunder, gehört er doch derselben Partei an und will auf jeden Fall verhindern, daß man am Ende ihn für irgendwas gar verantwortlich machen könnte. Daher muß nun dafür gesorgt werden, dass das, was Edathy nachweislich getan hat, auch schon verboten wird. Das trifft dann zwar rückwirkend auf Edathy nicht mehr zu, ist aber wunderbar geeignet zu erklären, wieso hier die Unschuldsvermutung gar so sehr außer Acht gelassen werden durfte.

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Florenz für Esoteriker

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Florenz ist wunderschön. Selbst als Münchener muss man es gesehen haben, auch wenn es dort genauso aussieht wie bei uns.  Die Gemeinsamkeiten sind schon auffällig. Sogar eine Feldherrenhalle gibt es dort, nur heißt der Platz Signoria und nicht Odeonsplatz wie bei uns. Unterschiede gibt es natürlich schon: Auch die gefühlte „ewige“ Regentschaft der SPD in München ist nichts im Vergleich zu den Rekorden, die in Florenz die Medici aufgestellt haben. Und, nun ja, man muss es zugegeben, die Architektur in Florenz ist echt und geht nicht zurück auf königliche Schwärmerei wie bei uns. Und auch die angestaubte Plüschigkeit des Tambosi in München ist nichts gegen die würdevolle Eleganz im Gilli. Bei den Preisen steigt die Gemeinsamkeit dann wieder …

Aber wer geht nur der Kaffeehäuser wegen nach Florenz – dort ist eines der sehenswertesten Museen der Welt in einem wundervollen Gebäude: Die Uffizien. Im Sommer kommt man nicht rein, wenn man nicht drei Tage vorher oder noch länger Tickets reserviert hat. Selbst im März sind die Schlangen beeindruckend vor dem Gebäude. Der Trick: Man bucht einfach einen Führer. So hat man zwei Fliegen mit einer Klappe, kunstsinnige Nachhilfe und kaum Anstehen.

Aber von diesem Museum sollen andere Leute berichten, ich erzähle lieber von einer interessanten Begegnung mit der Renaissance auf der Seite der Uffizien. Dort stand ein Strassenhändler. Sein Gesicht kam mir bekannt vor …

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Oh wie GEMAin

gema
Vor knapp zwei Jahren hatte ich einmal angefangen, mit Mythen im Internet aufzuräumen. Einer der Blogartikel ist mir noch recht präsent, er trug den Titel „Mythos 6: Ohne Verwertungsrechte sähe die Musik heute ärmer aus„. An diesen musste ich denken, als ich kürzlich an mehreren Stellen las, die Gema hätte einen Sieg gegen Youtube errungen. Einen Sieg? Ich weiß nicht. Was ist passiert?

„Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar“. Dazu ein betrübtes Emoticon. Jeder kennt es, keiner schaut genau hin, wir wissen, was das bedeutet: Man arbeitet auf einem Rechner, auf dem keine hilfreiche Software wie beispielsweise proxymate installiert sind. Ein lösbares Problem also, aber natürlich auch immer ein bisschen lästig. Natürlich stimmt etwas mit dem Text nicht. Das Video ist in Deutschland vielleicht schon verführbar, nur nicht bei YouTube, und YouTube sagt selbst, das Video enthalte möglicherweise Musik, für die eben eventuell an die GEMA gezahlt werden müsste.

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Täuschungsmanöver (1)

paragraphWendet man unser Recht konsequent an, kommen lustige Dinge raus. Oder besser gesagt, Schlussfolgerungen, die so aberwitzig sind, daß man die Wahl hat, blutdrucksteigernden Dampf aufzubauen, oder einfach zu lachen. Ich versuche es meist mit letzterem, aber das kann schwierig werden.

Mit Urteil vom 12.09.2013, I ZR 208/12, hat der Bundesgerichtshof sich zur Zusendung sogenannter Empfehlungs-EMails geäußert, und zwar in dem Sinne, daß es sich dabei stets um unverlangt zugesandte Werbung handelt. Richtig gelesen. Da betreibt eine Firma eine Webseite, auf der man eine Emailadresse eingeben kann, an die eine Mail verschickt werden soll. So eine Art „gefällt mir“-Button, aber nicht für die ganze Welt, sondern nur für einen Menschen, dem man mitteilen will, wie wahnsinnig begeistert man von einem Zeitungsartikel, einem Dampfdrucktopf oder einem Hühneraugenpflaster ist. Und nun begab es sich, daß der Mensch, der der Empfänger dieser Mail war, nicht etwa auf seinen Bekannten sauer war, der ihm diese Mail hatte zukommen lassen, sondern auf den formalen Absender der Mail, also die Firma, deren Webserver das Formular angeboten hatte.

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