Alle Beiträge von Lutz Prauser

So ’ne Sch…

Toiletten sind – so titelte gestern die FAZ – ein kulturelles Problem. “ Für Flüchtlinge in Deutschland können Toiletten ein kulturelles Problem sein – etwa, weil sie Wasser statt Papier gewohnt sind.“ Nun ja… nicht schon wieder die Flüchtlingskrise.
Passend zum heutigen Welttoilettentag kann man allerdings trefflich darüber diskutieren, wie tragisch es ist, dass viele Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberen Toiletten haben. Das betrifft nicht nur etwa 2,5 Milliarden Menschen, denen es laut Vereinten Nationen an elementarer Grundversorgung mangelt. Das betrifft auch – so viel Kalauer sei erlaubt – die Besucher nahezu aller Fußballstadien der Bundesliga spätestens in der Halbzeitpause, Reisende an Hauptbahnhöfen, Besucher auf Volksfesten und Kirmesveranstaltungen… wo immer sich Heerscharen von Menschen ihrer Notdurft entledigen wollen, sinkt das sanitäre Qualitätsniveau dramatisch schnell bis unter die Grenze des Erträglichen.

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Angst essen Freiheit auf

„Ein Teil meiner Antwort würde die Bevölkerung verunsichern!“ – Ein denkbar unglücklicher Satz, den Thomas de Maiziere gestern abend auf der Pressekonferenz anlässlich des abgesagten Fußballländerspiels vor laufenden Kameras gesagt hat. Hätte er – was er auch gemacht hat – auf die Frage, wie akut denn die Terrorbedrohung in Deutschland sei – lediglich geantwortet, dass er dazu aus ermittlungstechnischen Gründen nichts weiter sagen könne: Es hätte gereicht, und jeder hätte es verstanden.
Stattdessen hat er eben genau das getan, was er besser nicht hätte tun sollen: Mit dieser Formulierung den diffusen Ängsten in der Bevölkerung Nahrung gegeben, Journalisten zu Spekulationen aufgefordert und den rechten Flügel im Land befeuert, dass man hierzulande bedroht sei.
Denn er – so klingt es – weiß etwas, was er nicht sagen will: Und das ist ganz sicher nichts Gutes. Und gleichzeitig stellt er die Bevölkerung selbst als unmündig und unfähig dar, offene und klare Antworten zu verstehen. Einem kleinen Kind darf man eben keine Angst machen…
Wer die Pressekonferenz gesehen hat, der weiß, dass deMaiziere in dem Moment wohl selbst gemerkt hat, dass er etwas gesagt hat, was er so besser nicht geäußert hätte. Es ist eben was anderes, mit vorbereiteten Texten vor die Presse zu treten, als sich frei äußern zu müssen.

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Weg mit den Katzen – Ab in die Tonne

Gestern postete ich auf Facebook den kurzen Text: Ich hatte heute das dringende Bedürfnis, ein Buch von Akif Pirinçci in die Tonne zu werfen. Wir hatten nur eines. Jetzt haben wir gar keines mehr.
Und ich finde das gut so. Von so einem Mistkäfer will ich nichts im Haus haben.12115604_10203945152623973_2007141306776004781_n

Einen Moment ging mir ein Gedanke durch den Kopf… nein es waren zwei. Der erste war dieser verheerende Satz aus der Bücherverbrennung während der Nazi-Zeit: Ich übergebe der Flamme die Schriften von Akif Pirinçci. Und ich fühle mich ganz kurz unwohl.
Nun hat Bücherverbrennung nichts mit dem Wegwerfen von Büchern zu tun, ganz egal, ob der Müll thermisch entsorgt (also verbrannt) wird oder nicht.
Und auch den zweiten Gedanken, dass man Bücher nicht in den Müll schmeißt, wische ich einfach weg.
Dazu sind im vergangenen Sommer viel zu viele Bücher aus unseren Regalen in der Tonne gelandet, als dass ich mir dazu noch weitere Sorgen machen müsste. Dem Umbau unseres Hauses ging eine ordentliche Entrümplung der Regale voran. Was weder über Momox abesetzbar war noch unsere hieisige Bibliothek als Spende haben wollte (nicht mal für den Bücherflohmarkt), das landete eben im Müll.
Ehrfurcht vor Büchern hat für mich nichts damit zu tun, dass man sich einem Teil selbiger einfach mal entledigen darf: Nämlich der Bücher, die man nie gelesen hat und nie lesen will (sofern man ’nie‘ überhaupt sagen darf) sowie der Bücher, die man nie wieder lesen will, weil man sie schon beim ersten Mal Mist fand, und vor allem davon diejenigen Bücher, die nicht mal zum intellektuellen Posing im Haus geeignet sind. Niemand steht vor Dan Browns oder Donna Leons Schinken und sagt „Wow… das hast Du gelesen?“
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Mir doch Wurst…

Viele Dinge sind mir Wurst – über diese gesunde Grundeinstellung habe ich gerade erst Anfang der Woche auf meinem Zwetschgenmann-Blog, etwas veröffentlicht, da holt mich heute die Nachricht, es sei Weltvegetariertag aus der Lethargie zurück an die digitale Front.
Das Thema könnte ich kurz abhandeln – diesen Tag gibt es seit 1977. Er soll mich auf die Vorteile der fleichfreien Ernährung hinweisen, das aber hat bisher nicht funktioniert – und wird es auch nicht.
Also ist mir der Weltvegetariertag… – richtig, Sie ahnen es: Er ist mir Wurst.
Wurst

Esst, was ihr wollt – ich esse auch, was ich will. Ich rede Euch nicht rein – so lange ihr mir nicht rein redet, ist alles gut.
Und damit könnte der Fall erledigt sein. Ist er aber nicht. Weiterlesen

„Das wird man doch wohl noch sagen dürfen…“

Jetzt schreien sie wieder, die emsigen Verfechter der Meinungsfreiheit, seit Justizminister Heiko Maas sich mit Vertretern von Facebook getroffen hat. Ziel des Gesprächs sollte ein effektives Eindämmen der Hassbotschaften in dem sozialen Netzwerk sein. sagen dürfenEine Taskforce wird nun gegründet, was das bringt und ob das überhaupt hilft, wird die Zukunft zeigen.
Für die Verteidiger der unbedingten Meinungsfreiheit ist dieser Plan ein rotes Tuch. Sie fordern, was sie immer tun: Ihr uneingeschränktes Recht, ihre Meinung kund zu tun. Und dieses Recht bitteschön für alle – selbst wenn es der besorgte Bürger ist. Oder der Hassbotschafter. Sie wittern Zensur und Einflussnahme und machen sich so ungewollt zum Fürsprecher einer Entwicklung, bei der freie Meinungsfreiheit fehlgedeutet wird als Freibrief für strafrechtlich relevantes Handeln. Denn im Digitalen wiederholt sich nur, was in der Medienlandschaft wie auch in allen anderen öffentlichen Diskussionen schon immer Usus war: Das Recht auf freie Meinungsäußerung war und ist schon immer eingeschränkt gewesen durch Bürgerliches Recht und Strafrecht.
Welch eine Überraschung, wenn plötzlich im Netz umgesetzt werden muss, was Common Sense im realen Leben ist. Weiterlesen

Frauen haben ihre Tage und Männer sollten nicht heiraten

Was Männer brauchen und Frauen wollen – Google weiß es.
Dank der wunderbaren Funktion der Autovervollständigung bestätigt mein Computer mir, dass nicht nur ich voller Vorurteile stecke sondern auch mein Rechner. Denn Google ist nicht besser. Weil ich nämlich einen Google-Account habe, mich dort anmelde und die Suchmaschine nutze, vervollständigt Google natürlich das, was es meint, was ich wissen will – auf Basis all dessen, was ich sonst so wissen wollte.
Also mache ich mir den Spaß, Männer und Frauen mit verschiedenen Verben in die Suchmaschine einzugeben. So erfahre ich, was das Elektronenhirn meint, was ich suche bzw. was ich wissen will.
Was das über Google aussagt und über mein Männer- und Frauenbild überasse ich Ihnen, liebe Czyslansky-Freunde:

1. Suchbegriff  „Männer brauchen“ / „Frauen brauchen“frauenbrauchenmannerbrauchen

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Spaß ohne Grenzen…

Ein dreijähriges Kind liegt in der Türkei am Strand. Rotes Shirt, blaue Hose.
Es könnte ein Urlaubsbild sein. Läge dieses Kind im Sand, vielleicht auf einem Handtuch, eine Badetasche neben sich.
Aber es liegt nicht dort. Es liegt bäuchlings direkt am Wasser. Das Meer hat es angespült, ein ertrunkenes Flüchtlingskind aus Syrien.
Seit Tagen wird dieses Bild in den sozialen Netzwerken herumgereicht, nachdem es in zahlreichen großen Tageszeitungen europaweit abgedruckt worden war. Die einen bedienen sich dieses Bildes zum Aufrütteln, als eindringlicher und schonungsloser Appell an den Verlust der Menschlichkeit oder als Kritik am Versagen der Flüchtlingspolitik… was auch immer. Til Schweiger gehört dabei zu den bekanntesten Multiplikatoren.
Es hagelt Kommentare zu diesem Bild. Sie reichen von uneingeschränkter Zustimmung bis zur deutlichen Ablehnung… meist aus Respekt gegenüber den Toten.
Längst ist es eine viel beachteten Ikone geworden, und es würde mich nicht wundern, wenn es in einer weiter entfernten Zukunft in einer Reihe steht mit den Kinderbildern aus Vietnam, dem sich aufbäumenden Soldaten, der soeben von einer Kugel getroffen wurde… die Symbolkraft ist einmalig. Weiterlesen

Offener Brief an Josef Bryla

Sehr geehrter Herr Bryla,

ich kenne Sie nicht, Sie kennen micht nicht. Offengestanden bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Sie auch nicht kennenlernen möchte. Trotzdem schreibe ich Ihnen diesen offenen Brief. Denn mir sind Ihre Kommentare aufgefallen, die Sie unter die Focus-Meldung „„Antifa-Zigeunerhure“: ARD-Moderatorin wird nach Flüchtlingskommentar massiv beleidigt bei Facebook abgesondert haben. Diese Kommentare finde ich in gewisser Weise herausragend – nämlich nach unten. Und da nicht jeder Facebook nutzt, erlaube ich mir, Ihre Hasspostings hier zu zitieren. Denn es ist ja eine öffentliche und mitnichten eine rein private Äußerung.

Sie kommentierten und antworteten also so:

bryla bryla2

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe Ihr Profil besucht.
Offensichtlich stammen Sie, das spekuliere ich aus dem was ich dort lese, aus Polen. Das würde dann auch das überaus bescheidene Deutsch erklären, in dem Sie schreiben.

Sind Sie vor der „Wende“ nach Deutschland gekommen? Sind sie vielleicht sogar ein Anhänger der damals verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen?
Vielleicht sind sie ein politisch Verfolgter des Regimes von Woiciech Jaruzelski, der das Land verlassen musste, als dieser im Dezember 1981 das Kriegsrecht ausgerufen hatte?

Dann wären Sie ja ein politischer Flüchtling… Gut, dass Sie es geschafft haben, dem langen Arm des diktatorischen Regimes unbeschadet zu entkommen.

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Manchmal ist es nur erbärmlich…

Eine Frage:erbaermlich

Finden Sie das witzig?
Falls Sie darüber lachen können, dann sind Sie in der Facebook-Gruppe Mein Niveau ist tiefer als der Marianengraben 8.0. richtig. Hier aber vielleicht nicht.

Falls Sie das auch nicht witzig finden, vielleicht sogar nicht nur niveau-, sondern auch geschmacklos,  dann treten Sie dieser Gruppe besser nicht bei. Denn in dieser Gruppe erwartet Sie nur solch „Humor“… und rechtes Gedankengut.
Falls Sie darüber hinaus der Meinung sind, das verstößt gegen die guten Sitten und Gebräuche, sei vielleicht sogar rassistisch, fremdenfeindlich, menschenverachtend… dann sind sie in bester Gsellschaft.
Viele sehen das so, nur einer nicht: Weiterlesen

… und raus bist Du!

Ob das Rote Kreuz, der Arbeitersamariterbund oder Porsche in Wels/Österreich: Die Fälle mehren sich, in denen Unternehmen ihre Mitarbeiter vor die Tür setzen, wenn diese in der Öffentlichkeit Hassbotschaften verbreiten.
Der Mechanismus ist dabei meist der Selbe. Zunächst postet ein Mensch unverhohlen seine meist gegen Flüchtlinge und Asylsuchende seine Hassbotschaften.
Bei Facebook gepostet…und raus bist du

Der Arbeitgeber war not amused:
hass2 Im Fall des Lehrlings von Porsche in Österreich war es ein Kommentar unter einem Bericht über die Feldkirchener Feuerwehr. Als diese nämlich angesichts der großen Hitze mit einem Löschfahrzeug für eine gehörige Abkühlung sorgte, war die Freude der Kinder groß.
Besagter Lehrling aber empfahl, so war es in der Presse zu lesen, statt Wasserdusche den Flammenwerfer zu nehmen. Weiterlesen