Geschrieben von Tim Cole am 04 Sep 2010

So sehen Bestseller aus!

Wie sich die Bücher gleichen…

“Deutschland schafft an, müste der Titel von Thilo Sarrazins neuem Buch eigentlich lauten. Das Ding geht jedenfalls schneller weg als warme Semmeln. Wie eine dpa-Umfrage ergab, war das Buch bereits am Freitag bei vielen Buchhändlern vergriffen. DVA erklärte, das bereits 70.000 Bücher ausgeliefert wurden und am Montag bereits die vierte Auflage mit weiteren 80.000 Exemplaren folgen soll. Auch die fünfte und sechste Tranche sei schon in Auftrag gegeben, so eine Sprecherin der Deutschen Verlags-Anstalt in München. Die Gesamtauflage werde bei 250 000 Exemplaren liegen, denn das Buch sei ein grosser Verkaufsschlager.

Auf der Bestsellerliste von Amazon ist das Buch längst auf dem ersten Platz zu finden, gefolgt von dem Werk “Das Ende der Geduld” von der verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Auch in meinem eigenen Online-Buchladen, wo das Werk von Sarrazin neben Schirrmachers Pestseller unter der Rubrik “schlechte Bücher – die man aber trotzdem gelesen haben muss, um mitreden zu können” feilgehalten wird, liegt der Noch-Bundesbanker deutlich vorn: 2 Besucher meiner Website haben dort in dieser Woche den roten Einband bestellt, nur einer griff zu grün. Im Übrigen entschuldige ich mich jetzt schon, wenn es noch ein bißchen dauert: Laut dpa liegt die Wartezeit für die Auslieferung bei bis zu drei Wochen.

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Geschrieben von Tim Cole am 17 Aug 2010

Warum sich neue Medien immer schwer tun

Aber wie soll man damit Geld verdienen?

Das Internet wird im Englischen häufig als eine „dispruptive technology“ beschrieben. Leider ist der Ausdruck schwer zu übersetzen, auch wenn Wikipedia etwas vorlaut Synonyme vorschlägt wie „etwas Bestehendes auflösend“ oder „ zerstörend“. Im Englischen ist der Begriff viel subtiler und suggeriert einen schleichenden Niedergang, eine unverhoffte Zeitenwende, deren Bedeutung sich den meisten erst sehr viel später erschließt. Es ist kein Säurebad, in dem eine Cleopatra ihre Perle vor den Augen eines staunenden Markus Antonius auflöst und trinkt, sondern schon eher ein saurer Regen, der eine mächtige Kathedrale über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg auffrisst und bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.

Das Internet wird gerne als die endgültige „disruptive“ Technologie beschrieben, und die Auswirkungen werden gerne mit denen der Druckerpresse verglichen. Wenn der Sprecher allerdings gebeten würde zu sagen, was genau die disruptiven Folgen der Erfindung beweglicher Lettern sei, geriete er vermutlich (ich schließe mich da ausdrücklich mit ein) schnell ins Stottern: Na ja, die Kopisten in den Klöstern waren irgendwann arbeitslos, aber sonst? Irgendwie scheint der Übergang vom Handgeschriebenen zum Bedruckten doch rückblickend ziemlich glatt über die Bühne gegangen zu sein.

Deswegen bin ich Andrew Pettegree dankbar, dem britischen Historiker, der an der ehrwürdigen St. Andrews-Universität die Geschichte der Reformation lehrt und der jetzt ein wunderbares Buch geschrieben hat, „The Book in the Renaissance“, in dem er einen Überblick über die turbulenten Frühtage des Buchdrucks gibt.
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Geschrieben von Tim Cole am 15 Jul 2010

Das Toyota-Komplott

Wer ist nun eigentlich der Dumme?

Jetzt ist amtlich, was Autoexperten schon seit Jahren gewusst haben: Nicht irgendwelche verrutschten Bodenmatten oder falsch konstruierte Gaspedale sind Schuld an der unheimlichen Pannenserie bei Toyota (“…nichts ist unmöglich!”) in den USA, sondern die Fahrer selbst! Sie sind schlicht und ergreifend aufs Gas gestiegen statt auf die Bremse. Das hat eine neue Untersuchung der US-Regierung ergeben.

Toyota nützt die späte Erkenntnis  jetzt leider nicht mehr viel, Der erlittene Imageschaden ist nämlich kaum wieder gut zu machen, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Ausdruck „to do a Toyota“ inzwischen in die amerikanische Umgangssprache eingegangen ist um zu beschreiben, dass jemand Mist gebaut hat. Und das einem Autobauer, der jahrzehntelang sich mühevoll einen Ruf aufgebaut hat dafür, die sichersten und bestgebauten Autos der Welt zu produzieren.

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Geschrieben von Tim Cole am 19 Mrz 2010

Für wen bloggen wir?

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Und wo liegt Deutschland?

Blogs sind Worte im Wind, ziellos in die endlose Freiheit des Netzes entlassene Gedankenfetzen, von der wir hoffen, dass sie wie Brieftauben irgendwann und irgendwie zum Empfänger gelangen. Doch wie groß ist die Chance? Etwa eins zu drei, wenn man der jüngsten Studie “(N)Onliner-Atlas 2009” der Initiative D21 und TNS-Infratest glauben darf. Demnach sind bislang nur 26 Prozent der Deutschen “in der digitalen Alltagswelt angekommen”, wie es in der einschlägigen Pressemitteilung heißt. 30 Prozent zählen sich zu den “Gelegenheitsnutzern”. Und die bei weitem größte Gruppe – 35 Prozent – haben mit Internet & Co. überhaupt nichts am Hut. Sie bezeichnen die Studienschreiber als “digitale Außenseiter”.

Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Kommt wohl auf den Standpunkt an. Das ist so wie die Sache mit den Optimisten und den Pessimisten: Der Optimist sieht beim Schweizer Käse den Käse, der Pessimist die Löcher. Die gute Nachricht lautet doch: Wir Blogger können bis zu 56 Prozent der Deutschen erreichen, allerdings nur mit etwas Glück und viel Rückenwind. Ein Drittel unserer lieben Mitbürger sind – auch wieder eine Frage des Standpunkts – ausgeschlossen oder wehren sich erfolgreich gegen die digitale Aufdringlichkeit.

Übrigens liegt Deutschland damit ziemlich gut im europäischen Durchschnitt, jedenfalls wenn man der Website Internet World Stats glauben darf. Im Vergleich zum Internet-Stammland USA fällt die Alte Welt allerdings weit zurück: Jenseits des Atlantik waren Ende 2009 angeblich 252.908.000 Menschen mehr oder weniger regelmäßig online, macht satte 74,2 Prozent!

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Geschrieben von Tim Cole am 04 Mrz 2010

Die Schirrmacher-Story, oder: Von der Relevanz des Bloggens

Wir Blogger müssen uns langsam echt die Frage stellen, ob wir relevant sind. Diese Frage drängte sich mir auf, als ich einen Beitrag von Florian Ranner auf dem von mir sehr geschätzten Blog “grenzposten.de “  las, der sich mit meinem Zwist mit Frank (“mein Kopf kommt nicht mehr mit”) Schirrmacher befasste, dem ich ja vorwerfe, in seinem diversen Büchern und Zeitschriften eine an nationalsozialistische Propaganda erinnernde Argumentationsweise zu verwenden.

Notabene: Ich sage nicht, Schirrmacher sei ein Nazi. Ich sage nur, er verwendet die gleichen Techniken, die Nazi-Propagandamacher (und nicht nur die) in der Vergangenheit verwendet haben, nämlich: grobe Vereinfachung (Schwarzweiß-Malerei), fahrlässiger Umgang mit Fakten und Zitaten (wir Journalisten sagen dazu augenzwinkernde “Fakten schönen”) und vor allem: Angstmacherei.

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Geschrieben von Tim Cole am 10 Feb 2010

Bolz zu Gast bei Czyslansky: Abschied vom Gutenberg-Universum

norbertbolz

Zerbricht sich Schirrmachers Kopf:
Medienphilosoph Norbert Bolz

Norbert Bolz muß sich nicht dahinter verstecken: Er ist ein kluger Kopf, mit oder ohne Zeitung davor. Der Professor an der TU Berlin ist der Philosoph unter den Medienwissenschaftlern in Deutschland, gefragter Vortragsredner, Feingeist, Vordenker par excellence. Czyslansky und er hätten viel Freude miteinander gehabt.  Für meinen Freund Peter Wippermann vom Trendbüro in Hamburg hat er einen langen und sehr lesenswerten Beitrag zum “Trendtag 2010″ geschrieben zum Thema “Flow Control” – aber seltsamerweise den Schluss offen gelassen. Ich habe ihn gebeten, den Beitrag für Czyslansky zu Ende zu schreiben, was er gerne getan hat.

Wir eröffnen damit eine lose Reihe von Gastbeiträgen namhafter Autoren, die im Sinne des großen Czyslansky die Zukunft der digitalen Gesellschaft mitgestalten.

Kopf hoch, Herr Schirrmacher!

Um mit der Komplexität der Informationen zu Recht zu kommen, brauchen wir ausreichende Eigenkomplexität. Es gehört zu den großartigsten Einsichten jener Psychologie der optimalen Erfahrung, dass sich Freude von bloßer Lust dadurch unterscheidet, dass sie Komplexität aufbaut. Und die Eigenkomplexität des Menschen – früher hätte man Seele gesagt – speist sich aus ganz anderen Quellen als die Systemkomplexität der Information, nämlich aus Ideen und Geschichten.

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Geschrieben von Michael Kausch am 27 Jan 2010

Boulevard of Broken Dreams: weil die Linke in Frankreich Kulturpolitik mit der Rechten macht, macht sich die F.A.Z. zum Sprachrohr der Piraten

klugerkopf

Bild: titanic

“Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”. Dieses Mal guckt Jürg Altwegg spitzbübisch hinter den Lettern der F.A.Z. hervor und schmiedet neue ganz große Koalitionen im aktuellen Kulturkampf um das Internet. Gestern machte er den Schirrmacher (ein bißchen von hier, ein bißchen von da, dreimal rühren, fertig ist die Wahrheitsdroge) und kommentiert das neue französische Gesetz gegen Raubkopierer, genannt “Hadopi – Haute Autorité pour la Diffusion des Œuvres et la Protection des Droits sur Internet”.

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Geschrieben von Tim Cole am 01 Jan 2010

Die Lehre der Teekanne

tea

Gelernt ist gelernt

Ich trinke jeden Morgen Tee, meistens ein feiner Formosa-Oolong, und ich trinke ihn seit einiger Zeit aus einer Teekanne, die meine Frau im Asia Shop gekauft hat. Anfangs habe beim Gießen regelmäßig eine Teepfütze auf dem Tisch verursacht und mich gefragt, wie es denn wohl unsere charmante Gastgeberin damals in der Villa des verstorbenen Panasonic-Gründers Konosuke Matsushita gemacht hat.

Wir, eine kleine Journalistengruppe, waren eingeladen, das Haus zu besichtigen, in dem der greise Firmenpatriarch die vermutlich weltweit eindrucksvollste Sammlung von japanischem Kunsthandwerk zusammengetragen hat – Miniaturmalereien, handgewebte Kimonos, Samuraischwerter, “Kamakura bori” (lakierte Holzschalen aus der alten Shogun-Hauptstadt Kamakura) und vieles andere mehr. Lauter ausgesuchte Einzelstücke, die von “lebenden Nationalschätzen” gemacht wurden. So heißen diese Meister ihres jeweiligen Fachs fortan, nachdem sie zu Lebzeiten in diesen staatlichen Ehrenstand erhobenen worden sind.

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Geschrieben von Tim Cole am 18 Dez 2009

Digitale Deppen oder digitale Gutmenschen?

Die erste Live-Diskussion der Czyslansky-Gesellschaft zum Thema „digitale Deppen“ im Münchner Presseclub habe ich als ungewöhnlich lebhaft und stellenweise sogar als leidenschaftlich empfunden. Betroffenheit schwebte im Raum (klar, bei dem Durchschnittsalter auf dem Podium und im Saal), aber auch – so habe ich es jedenfalls empfunden – eine gewisse Skepsis gegenüber das, was Thomas Siegner auf seinem Cirquent-Blog als „Technologiefreundlichkeit bei Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten“ bezeichnete. Er sieht darin einen Gegensatz zu Frank Schirrmachers bornierter Technikfeindlichkeit, und er hält sie wahrscheinlich für genauso borniert.

Ich kann das in gewisser Weise nachvollziehen, denn auch ich habe etwas gegen das, was man vielleicht als „digitales Gutmenschentum“ bezeichnen könnte, nämlich eine kritiklose Bejahung des technischen Fortschritts ums einer selbst willen. Der Streit um Schirrmachers Thesen trägt ja auch über weite Strecken Züge eines Glaubenskampfs, bei dem bekanntlich immer das vernünftige Menschenmaß als Erstes auf der Strecke bleibt.

Andererseits war gestern für mich ein redliches Bemühen aller Beteiligten herauszuhören, wirklich eine persönliche Antwort auf die Fragen zu finden, die diese Diskussion aufwirft, nämlich in wieweit sind wir Menschen überhaupt selbstbestimmt, welche Rolle spiele externe Kräfte bei unseren Entscheidungsfindungen und ist unser Bewusstsein beliebig manipulierbar? Wenn der Computer uns dumm macht – könnte er uns auch gescheit machen, wenn wir anders mit ihm umgingen? Würde ein Internet-Führerschein irgendetwas ändern, oder wohnt der Netzwerktechnik eine immanente Kraft inne, die uns entmündigt und unserer Geisteskräfte raubt? Das sind keine trivialen Fragen, und ich bin Frank Schirrmacher ausdrücklich dankbar, dass er dazu beigetragen hat, dass ernsthafte Menschen sie ernsthaft stellen, egal was ich über die journalistische Qualität seiner eigenen Bemühungen in dieser Richtung denke.

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Geschrieben von Michael Kausch am 17 Dez 2009

Plädoyer für das Fach Computerpädagogik

Mein Freund Tim Cole hat in seinem Kommentar zu meiner Rezension von Frank Schirrmachers Payback die Notwendigkeit eines Unterrichtsfachs Computermädagogik abgestritten. Das ist natürlich falsch.

Ein Unterrichtsfach Computerpädagogik, das in Kombination mit Medienpädagogik für verschiedene Altersstufen aller Schulen zu realisieren wäre, hätte auch nicht die Aufgabe die Schüler in der Bedienungstechnik von Soft- oder Hardware einzuweisen. Das soll die Informatik tun. Vielmehr geht es um die richtige Einordnung des Werkzeugs Computer in das Alltagshandeln und in andere wichtige Kulturtechniken. Deshalb wäre ein Fach Computerpädadogik ein Querschnittsfach mit zahlreichen Schnittstellen in den überkommenen Fächerkanon.

Was könnte man in einem solchen Unterricht lernen?

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