Schlagwort-Archive: Zensur

Freiheit, Zensur und Hysterie

Beginnen wir mit der Freiheit. Dr. Grigori Perelman aus St. Petersburg hat die Poincaré-Vermutung bewiesen. Aber nicht nur das, ganz allgemein ist zumindest in Fachkreisen bekannt, dass es sich bei ihm um ein Ausnahme­genie handelt. Schon in der Ver­gangen­heit sollte er die als „Nobel­preis für Mathe­matik“ be­zeich­nete Fields-Medaille bekommen. Er hat sie nicht an­ge­nom­men. Na gut, Blech, nur Bares ist Wahres. Die Medaille bringt 15.000 Dollar, mehr nicht, neben der Un­sterb­lich­keit natür­lich. Ach ja, und es sind kanadische Dollar, zu allem Überfluß. Der gute Poincaré bringt, seit er als Millen­niums­pro­blem benannt wurde, immer­hin eine glatte Million Dollar Preis­geld. Ameri­kanische, dieses Mal. Dies sollte ihm nun über­bracht werden, allein, er machte an­geb­lich nicht mal die Tür auf und schickte die Boten fort. Weiterlesen

Diskussion zu Internetsperren am Montag im Deutschen Bundestag und im Livestream

zensur

Am kommenden Montag, den 22. Februar 2010, befasst sich von 13:00 bis 16:00 der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags mit der Petition gegen das Internet-Sperren-Gesetz – Stichwort: „Zensursula“. Die Petition wurde von 134.000 Personen unterstützt. Die Petitionsführer werden im Rahmen dieser Debatte nochmals angehört. Das Ganze wird live im Bundestags-Video-Stream übertragen: http://www.bundestag.de/bundestag/parlamentsfernsehen.

Der Bundestag debattiert über das Zensurgesetz am Donnerstag, den 25. Februar. Auch diese Debatte wird live im Parlamentsfernsehen übertragen.

Boulevard of Broken Dreams: weil die Linke in Frankreich Kulturpolitik mit der Rechten macht, macht sich die F.A.Z. zum Sprachrohr der Piraten

klugerkopf

Bild: titanic

„Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“. Dieses Mal guckt Jürg Altwegg spitzbübisch hinter den Lettern der F.A.Z. hervor und schmiedet neue ganz große Koalitionen im aktuellen Kulturkampf um das Internet. Gestern machte er den Schirrmacher (ein bißchen von hier, ein bißchen von da, dreimal rühren, fertig ist die Wahrheitsdroge) und kommentiert das neue französische Gesetz gegen Raubkopierer, genannt „Hadopi – Haute Autorité pour la Diffusion des Œuvres et la Protection des Droits sur Internet“.

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Eine echte ######-Idee!

Google ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit Spannung wurde nun das Google-Handy erwartet. Um cooler zu sein als ein iPhone muß man schon einiges bieten. Eingebautes Navi! Gibt’s schon. Musik! Gähn. Filme! Ja doch. Haben wir alles schon. Sprachsteuerung, Diktierfunktion? Ja, gibt es. Auch mit Selbstzensur??? Nein. Das ist es – das kann das iPhone nicht, damit kommt man in die Presse.

Das Nexus 1 von Google akzeptiert also Sprachdiktate, wandelt diese in Text um und zensiert diese Texte on the fly. Jedes böse Wort wird durch Raute-Zeichen ersetzt. Ja haben die denn den ##### offen? Weiterlesen

Aktion saubere Tweets

twitterdenied

Die nächste Sperre kommt bestimmt!

Gesperrte Websites, zensierte E-Mails: Die Machthaber in Peking haben schon eine Menge getan, um die Ausdrucks- und Meinungsfreiheit im Reich der Mitte zu zügeln. Jetzt haben sie eine weitere Lücke im staatlichen Überwachungsnetz entdeckt: Twitter.

Im Rahmen ihrer Kampagne gegen Pornografie, wie der Maulkorberlaß euphemistisch genannt wird, sollen die chineischen Telefongesellschaften in Zukunft alle gesendeten Text-Botschaften von Handys und Festnetztelefone routinemäßig nach verbotenen Begriffen scannen. Wird in einem Tweet oder einer SMS etwas gefunden, dass der  regierungsamtlichen Definition von „illegalem oder ungesundem Inhalt“ erfüllt, soll dem Besitzer die Leitung oder der Zugang zum Mobilfunknetz gekappt werden.

Aber warum nur Texte? Man könnte doch auch gleich die ganzen Gespräche abhören (geschieht whrscheinlich ohnehin schon) und ebenfalls nach verbotenen Wörtern durchsuchen lassen. Weiterlesen

Eric Schmid und die Arroganz der Computer

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Ni hau?

Google wird sich wahrscheinlich aus dem China-Geschäft zurückziehen. Offiziell geschieht das aus Protest gegen staatliche Hackerei (es wurde versucht, massenweise GMail Accounts von Regimgegnern zu knacken), aber mehr oder weniger inoffiziell versuchen die Google-Oberen, den Rückzug als Protestgeste gegen Internet-Zensur darzustellen. Manche haben Ihnen dafür Beifall gespendet, darunter unser Czyslansky-Freund Michael Kausch („Google China ist kein rechtsfreier Raum mehr„). Andere, darunter auch ich, haben darin eine ziemlich zynische PR-Aktion erblickt, nach dem Motto: Wenn ohnehin in China nichts mehr zu holen ist, dann lasst uns wenigstens etwas Imagegewinn aus dem Debakel retten.

Der Publizist und Professor an der Georgetown University, Evgeny Morozov, neigt heute in der „New York Times“ auch eher zur zweiten Ansicht, begründet sie aber auf eine sehr interessante Art und Weise, nämlich mit Googles Weltsicht. Da sie nicht nur bei Google weit verbreitet ist, sondern typisch ist für viele Techies , verdient sie es, auch bei uns diskutiert zu werden. Die Czyslanskys sind ja ebenfalls überwiegend Menschen, die sich beruflich oder aus Neigung sehr viel mit Technik beschäftigen und deshalb prinzipiell Dingen wie Digitalität und Computern positiv gegenüber stehen (im Gegensatz etwa zu erklärten Technikfeinden wie Frank Schirrmacher und Konsorten). Grund genug für eine kritische Nabelschau.

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Google China ist kein menschensrechtsfreier Raum mehr: Tiananmen-Bilder unzensiert!

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Gestern hat Google in gewohnter Manier – in einem Blogposting, nicht in einer Pressemeldung – bekanntgegeben, dass man sich künftig den Zensurvorgaben der chinesischen Regierung nicht mehr unterwerfen wolle. Die Internet World Business berichtet eben, dass Google heute konsequenten Mut beweise: Auf die Suchanfrage Tiananmen würden nun auch in China Bilder mit Panzern auf dem Platz gezeigt.

Ich kann das bestätigen:

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Horst Köhler wird Ehren-Czyslansky?

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Wer hätte das gedacht? Bundeshorst weigert sich das Internetsperre-Gesetz zu unterzeichnen, jenen Nachkommen von Zensursula, der nicht nur hier auf Czyslansky schon zu heftigen Diskussionen und Protesten geführt hat. Laut Spiegel hat der Präse die Regierung um „ergänzende Informationen“ zum „Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen“ gebeten. Aber warum weigert er sich? Weil er rechtsstaatliche Bedenken hat?

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Dreaming of a White IT

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Schöne Bescherung!

Manche Probleme lösen sich von ganz alleine. Ursula von der Layen, beispielsweise, ist nicht mehr Familienministerin, sondern zuständig für Arbeit & Soziales. Und ihre Schnapsidee, nämlich die Sperre von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten ist vorerst auch vom Tisch.

Dafür gibt es jetzt “White IT”. Nein, das ist kein Versuch, im Internet die Rassentrennung einzuführen (”whites only!”), sondern ein Gemeinschaftsportal von Politik, Verbände und Technologie-Firmen, die versuchen wollen, das Problem anderweitig zu lösen. Sie sagen auch , wie, nämlich erst mal, indem man der Sache auf den Grund geht (”Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Verfassungs-, Datenschutz- und Telekommunikationsrecht”).

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Nur eine halbe Ohrfeige für Zensursula

Na, wenigstens sind die Online-Sperren erst mal für ein Jahr vom Tisch. CDU und FDP haben sich in ihrer Kolaitionsvereinbarung wenigstens darauf einigen können, der ehemaligen Familienministerin Ursula von der Layen eine halbe Ohrfeige zu verpassen. Die von ihr initiierten Internet-Sperren sollen erst mal ausgesetzt werden. In einem Jahr wird nochmal geprüft, ob sie wirklich nötig sind.

Also, das hätte ich ihnen jetzt schon sagen können: nein, sie sind es nicht!

Laut Beschluß der Koalitionäre soll sich das BKA „zunächst auf die Löschung solcher Seiten konzentrieren, auch durch eine stärkere internationale Zusammenarbeit“, was Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Chef des Branchenverbands BITKOM, irgendwie gut findet, Löschen sei besser sei als Sperren, sagt er.

Ich kann das schwer nachvollziehen: Wie will das BKA irgendwas löschen, ohne massiven Zwang auf die Provider auszuüben. Ist das vielleicht keine Form von Zensur? Und was haben denn die Kids davon, die weiterhin vergewaltigt und dabei gefilmt oder fotografiert werden?

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