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Leelah Alcorn – Ein Nachtrag

Selten hat ein Beitrag, den ich auf diesem Blog geschrieben habe, so viel Resonanz und direkte „digitale Gespräche“ hervorgerufen wie der Beitrag über den Transgender-Teenager Leelah Alcorn. Mehrfach habe ich den Link zum Beitrag bei Twitter platziert und um Retweets gebeten, es gab – und das war neu für mich – reichlich direkte Reaktionen und Rückfragen, überwiegend per Direktnachricht. Den Beitrag vom 07.04. habe ich tags drauf noch einmal deutlich erweitert und aktualisiert, offenstichtlich war weiterer Informationsbedarf.leelah_alcorn_kym
Erstaunlich daran ist, dass der Selbstmord, der fast vier Monate her ist, in den US-Medien zu breiten medial beachteten Diskussionen über Transgender und „Umerziehung“ führte, aber der Fall hier in Deutschland fast überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wurde, bzw. kaum irgendjemand etwas darüber weiß…  Mitte Januar berichteten nahezu alle größeren deutschen Zeitungsportale darüber als Randnotiz, als nämlich die virale Verbreitung durch die sozialen Netzwerke im vollen Gange war.
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Leelah Alcorn – Niemals geht man so ganz

Achtung: Am 08.04. ergänzt um die kursiven Teile

Josh Alcorn war vielleicht nicht unbedingt der Sohn, den sich eine christlich-religiöse Familie in den USA wünscht… Josh Alcorn war nämlich überhaupt kein Sohn. Jedenfalls fühlte er sich nicht so. Josh war Transgender, nannte sich Leelah und musste erleben, was es heißt, wenn die eigenen Eltern in ihrem religiösen Wahn ihr Kind nicht so annehmen, wie es ist…Leelah Alcorn
Statt ihr Kind zu unterstützen, wurde es von den Eltern mit christlichem Fundamentalismus in den Selbstmord getrieben. Kurz vor Silvester 2014 hat sich Leelah vor einen Sattelschlepper geworfen. Es war ein öffentlicher Tod. Denn Leelah hat ihr Leben und ihre Gefühle auf Tumblr veröffentlicht. Weiterlesen

Macht das Internet wieder auf!

Geschlossene Gesellschaft

Geschlossene Gesellschaft

Das Internet hat die Welt verändert, aber Apps verändern das Internet. Mehr als die Hälfte aller Internet-User geht heute mit Hilfe eines Smartphones oder eines Tablets online, und sie benutzen dazu Apps, also kleine Mini-Programme, die nur für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen worden sind, beispielsweise ein Flugticket zu buchen, ein Spiel zu spielen oder sich ins Social Web einzuloggen.

Aus dem offenen, kreuz und quer verlinkten World Wide Web, das sich sein Erfinder Tim Berners-Lee als ein „semantisches“ Netzwerk vorgestellt hat, also eines, das sich jedem erschließt und Kontext schafft, ist längst eine Ansammlung kontrollierter Biotope geworden. Wenn das Web ein Dschungel ist, dann sind Apps kleine, spießige Schrebergärten mit hohen Zäunen drum herum, damit ja keiner von außen reinschauen kann. Das entspricht ganz den Interessen der Anbieter, die sich schon immer daran gestört haben, dass Kunden im Internet ganz schnell weg sind, wenn ihnen irgendwas nicht passt. Ein App-User ist ein Gefangener, und die App ist seine Einzelzelle.

Insofern ist die „App Economy“, wie sie der Offenbacher Prof. Wolfgang Henseler beschreibt, kulturell und gesellschaftlich ein klarer Rückschritt. Weiterlesen

Sex ist geiler als Schneeschaufeln

Sonntage neigen dazu, Menschen gemütlich werden zu lassen. Andere werden offensichtlich keck. Und wenn eine Reihe an Feiertagen einem Wochenende vorgelagert ist, scheint die Mischung aus Langeweile, Übermut und vielleicht frustrierter Einsamkeit sonderliche Blüten zu treiben. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso der nachfolgende per Screenshot dokumentierte aber mittlerweile gelöschte Dialog auf Twitter entstanden ist.
Angefangen hat alles mit der Twitter-Mitteilung, eine M… folge mir jetzt. Als neugieriger und offener Mensch folge ich zunächst zurück, zumindest dann, wenn der neue Follower nicht sofort als Bot erweist oder als jemand, der mir Gartenzwerge, politische Gesinnungen oder veganer Küchentipps andrehen will.
Also M…
Ich folge und erhalte kurz darauf eine etwas eigenartige Mitteilung, das Ganze sonntags morgens gegen 10.00 Uhr:
md-1

Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich trefflich streiten, aber ich bin nicht auf Streit aus, also antworte ich möglichst knapp ohne unhöflich zu wirken. Schließlich sollte man dankbar sein, wenn man belehrt wird; auch als arroganther Soziopath, unter dem ich derzeit auf Twitter unterwegs bin…

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Ich habe getwichtelt – Ein Erfahrungsbericht (Teil: 3)

„Ja…“
„Ja. Ich auch!“
„Ja klar“
„Ja. Ich auch!“
„Hab ich“

Ein paar Tage lang tauchen in meiner Timeline bei Twitter merkwürdige Meldungen auf. Die, die beim Twichteln mirgemacht haben, haben der Organisatorin erst bestätigt, dass sie ihr Päckchen abgeschickt haben, dann haben sie sich gemeldet, dass sie ebenfalls ihr Päckchen bekommen haben.

„Ja, hab ich…“, twittere ich, denn ich habe auch mitgemacht. Nach meinem Entschluss, beim Twitter-Wichteln teilzunehmen habe ich Mitte Dezember mein Päckchen fertig gemacht und zur Post gegeben. Seitdem habe ich auch darauf gewartet, dass der DHL-Bote oder Briefträger mir ein Päckchen von einem unbekannten Absender liefert. Das kam dann auch. Sie hat nicht nur ihre Adresse vermerkt sondern auch ihren Twitter-Nickname. Daran habe ich irgendwie gar nicht gedacht, als ich mein Geschenk abgeschickt hae Der Empfänger weiß möglichweise noch immer nicht, dass ich es war, der ihn beglückt hat.
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Gedankenhehlerei Teil 3 – es ist noch nicht vorbei

So schnell kann es gehen. Das Buch „Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten“ ist, kaum veröffentlicht, schon wieder vom Markt verschwunden.
Es geht – Sie erinnern sich – um 140 Tweets, die die Plattform MadeMyDay zunächst von Twiter zusamengeklaubt und dann im Riva-Verlag als amüsantes Büchlein veröffentlicht hat. Unter Nichtbeachtung irgendeines Urheberrechts, denn – so der Anwalt des Autoren – bei Tweets gelte selbiges nicht, hier sei keine Schöpfungshöhe erreicht. Twitter-Deutschland war stinkwütend und empört.
6 Tage später, unzählige unter dem Hashtag #madebytwitter veröffentlichte Tweets und mehrere Dutzend Blogeinträge später, hat der Verlag nun die Ausgaben vom Markt genommen. Auch auf Czyslansky war zu dem Thema zu lesen: Unter dem Titel Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei? habe ich zum Wochenanfang einen erste Artikel veröffentlicht, am 17.12. folgte die Fortsetzung Gedankenhehlerei Teil 2. Es darf spekulierr werden. Weiterlesen

Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei?

Die Wut ist groß im Zwitscherland. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn nun hat nach Ansicht zahlreicher deutscher Zwitscherer Alex Bitschnau den Bogen überspannt. Und das bei weitem.
Vor Jahr und Tag hatte Bitschnau die famose Idee, eine Facebook-Fanpage einzurichten und unter dem Namen „Made My Day“ tagtäglich lustige, witzige und geistreiche Sinnsprüche zu veröffentlichen. Das ist nun nicht nach Jedermanns Geschmack, aber immerhin gefällt es mittlerweile über 2 Mio. Leuten, die Fans dieser Seite lassen und sich nun täglich von Bitschnau ein kurzes Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn auf ihrer Pinnwand wieder eines seiner Bonmots erscheint.

Seiner Bonmots?

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Ich twichtle – Ein Erfahrungsbericht (Teil: 2)

20141130_145622Spontan und auf der Suche nach einer netten, weihnachtlichen Story für Czylansky habe ich mich im November beim Twitter-Wichteln – kurz twichteln – angemeldet.
Ich werde twichteln schrieb ich und war neugierig, was denn dabei herauskommen würde.

Nun: Zunächst habe ich den Twitternamen und die Adresse eines mir vollkommen fremden Menschen bekommen. Wobei: Vollkommen fremd ist mir dieser Mensch nicht, denn wir folgen uns bei Twitter gegenseitig. Das heißt: Wenn es einigermaßen gut geht, liest dieser Mensch, nennen wir ihn H., meine Tweets und ich lese seine. Das aber passiert eher unregelmäßig und vor allem zufällig, wenn ich mal bei Twitter bin und H. gerade was geschrieben hat, dann taucht das bei mir in der Timeline auf. Ich habe mir abgewöhnt, halbe Ewigkeiten zu scrollen und nachzulesen oder einzelne Twitterer aufzurufen und mich durch deren Tweets durchzugraben. Dazu ist es zu viel geworden. So funktioniert es auch ganz nett: Tür aufreißen, reinschauen, eine Runde mitkreischen, Tür zu.
Nun aber ist es anders. Ich durchstöbere H.s Tweets auf der Suche nach Hinweisen. Was schenke ich diesem Menschen? Vielleicht finde ich in den Tweets oder in den Bildern, die er hoffentlich hochgeladen hat, ein paar Spuren.
Mann, ist das spannend. Herr P. (also ich) wird ein Profiler. Mosaikstein um Mosikstein baue ich mir H.s Profil zusammen. Natürlich erfahre ich, wo er wohnt (ok, das wusste ich aus der Mail der Veranstalterin). Aber ich weiß jetzt auch, wohin er in Urlaub fährt, wo er sich rumtreibt, welche Hobbys er hat, ob er ein Tier hat (ich glaube schon) usw. usw. Und ob H. ein Mann oder eine Frau ist (aber das verrät das Avatarbild sowieso, das ist ein Portrait, und ich bin sicher, dass ist H. selbst). Und plötzlich verstehe ich auch seinen Twitternamen, der sich aus dem Realnamen herleiten lässt. Mann… ich geh zur Kripo.
Aber ich bin kein Profiler. Ich bin ein Stalker wenn auch mit ehrenhaften Absichten. Irgendwann nämlich entdecke ich ein Foto auf Instagram, dass H. hochgeladen hat. Es zeigt etwas Nettes versehen mit dem Satz „So etwas hätte ich auch gerne“.
Den Rest macht Google. Ich finde das Produkt, bzw. ein Ähnliches. Um es zu bekommen, muss ich mich in einem eher sonderbaren Shop anmelden. Was es nicht alles gibt… ok, mach ich auch das. Das Teil gibt’s weder bei Amazon noch bei ebay und ich werde ganz sicher nicht kreuz und quer durch die Stadt laufen, um ein Geschäft zu finden.

20141211_202259Das Geschenk garniere ich noch mit meinem neuen Buch. Damit ich die Regeln einhalte und nicht über Budget komme, wird das als Privatentnahme notiert. 10 Euro sind die Obergrenze und daran halte ich mich (nun ja… fast).

Als ich das alles verpacke und das Papier glattziehe, komme ich mir ein wenig wie in einem RTL-Scripted-Reality-Format vor. So wie die frauensuchenden Bauern, die die Bettlaken extra gerade ziehen, die bauernsuchenden Frauen, die Irgendwas voller Hingabe als Mitbringsel packen… so viel Liebe, so viele Erwartungen, so viel Emotionen in einer winzigen Geste.
Natürlich bin ich weder Bauer noch Frau, suche weder das eine noch das andere, aber ich bin überrascht, wie wichtig mir das geworden ist, das mein Geschenk ankommt. Also lege ich einen Screenshot des Instagram-Fotos dazu und wünsche viel Freude mit dem ersehnten Teil. Und ich hoffe, mein Twitter-Wichtel-Gegenüber weiß das auch zu würdigen.
Ab jetzt schaue ich täglich in die Post nach Päckchen sonderbarer und unbekannter Herkunft. Wann kommt mein Twichtelgeschenk? Und was wird es sein?
Ich bin so gespannt, denn Post kommt reichlich. Auch Päckchen. Aber das sind alles Sachen, die ich selbst zum Verschenken bestellt habe, einiges bei Amazon Marketplace.

Ich will aber auch ein Geschenk. Verdammt. Ich bin so aufgeregt. Das ist ja wie Weihnachten…

 

Ich werde twichteln – Ein Erfahrungsbericht (Teil: 1)

Wichteln ist ja nun nicht so nach jedermanns Geschmack. Zumindest nicht nach meinem. Vor allem nicht in Zusammenhang mit Weihnachten. Nur kann man sich, findet dieses Wichteln im Kollegenkreis oder im Verein statt, selbigem nur schwer entziehen. Mit etwas Glück läuft das ganze komplett anonym, das heißt, man deponiert sein Geschenk auf dem Gabentisch oder im großen Wichtelsack, wählt später ein Anderes und alles ist gut. Mit weniger Glück erfährt man im Vorfeld, wen man zu beschenken hat (oft ausgelost) und kann dann bei der Geschenkebeschaffung etwas persönlicher werden; oder, wenn der Schenkende anonym bleibt, allzu persönlich. Dann gehört es zu den besonderen Herausforderungen auf den Weihnachtsfeiern, herauszubekommen, wer einem das äußerst geschmackvolle Wichtelgeschenk verpasst hat. Sollten Sie noch nie Zeuge einer solchen Weihnachtsfeier gewesen sein, dann finden Sie hier eine eindrucksvolle Schilderung, die Ihnen sicher viel Appetit auf solche Festivitäten macht… oder auch nicht. Trotz aller Vorbehalte werde ich dieses Jahr wichteln. Obwohl ich das Ganze eigentlich nicht mag. Aber dieses Wichteln ist anders. Es findet digital statt: Auf Twitter. Folglich heißt es auch nicht wichteln sondern twichteln. Zufällig entdecke ich einen Tag vor Anmeldeschluss einen Account, über den ein twitterliches Weihnachtswichteln organisiert wird. Das macht mich neugierig: Screenshot_2014-11-07-17-52-22 Da meine Neugier geweckt ist, schaue ich mir die Teilnahmebedingungen vom Vorjahr an, die bis auf das Datum übernommen wurden. Spontan melde ich mich an. Weiterlesen

Liken statt lesen

Nicht nur Willi will’s wissen. Manchmal treibt auch mich die Neugier an, Dingen auf den Grund zu gehen, die andere möglicherweise gar nicht interessieren. Ich kann da sogar richtig pedantisch werden.
Eine Frage aus den sozialen Netzwerken, die eigentlich schon beantwortet ist, lautet: Wie verhält es sich eigentlich mit dem Verhältnis vom liken ohne zu lesen, dem klicken ohne zu kucken, dem faven ohne zu fragen, dem besternen ohne zu besuchen.
Nutzer der sozialen Medien wissen, was ich meine.

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