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Absturz ins Sommerloch

Qualitätsjournalismus – und die Folgen…

Meine Journalistenkollegen rümpfen gelegentlich die Nase, wenn von der neuen Macht der Blogger die Rede ist. „Das sind keine Profis“, meinte einer von ihnen neulich. Ein Journalist, so das Argument, hat sein Handwerk gelernt, weiß wie man seine Fakten checkt und seine Quellen überprüft, ist also unterm Strich viel glaubwürdiger als so ein Amateur, der einfach schreibt, wie ihm der Schnabel wächst.

Ich musste an das Gespräch denken, als ich jetzt in der „New York Times“ las, wie es vergangene Woche zu dem dramatischen Absturz an dem Weltbörsen kam, die bekanntlich von der angeblichen Schieflage französischer Banken ausgelöst wurde, namentlich der Societé Générale. Deren Papier büßte binnen weniger Stunden mehr als ein Fünftel seines Börsenwerts ein, was eine Panik unter Anlegern auslöste und dazu führte, dass die Aktien vorübergehend vom Handel suspendiert werden mussten.

Inzwischen ist klar, wer schuld war: Ausgerechnet zwei gestandene Reporter des britischen Boulevardblatts „Daily Mail“ waren einer Zeitungsente aufgesessen. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Sommermonate von Medienschaffenden traditionell als „Sommerloch“ oder „Sauregurkenzeit“ bezeichnet werden. Die Angelsachsen haben dafür einen viel besseren Begriff, nämlich die „silly season“, weil mancher Reporter in seiner Verzweiflung Banales aufbläht, sich von politischen Wichtigtuern Windeier andrehen lässt oder dankbar nach Gerüchten grabscht: Hauptsache die Zeitung wird voll!

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