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Der jüdische Witz

Am vergangenen Mittwoch trafen sich die Freunde Czyslanskys in einem jüdischen Lokal in München zum Redaktionstrunk. So war es denn auch wenig überraschend, dass wir uns in Verbindung mit der gleichzeitigen Papstwahl einen redlich schwachen jüdischen Witz anhören mussten. Was angesichts der versammelten Herren allerdings verwunderte, war,  dass dies nicht sogleich in einen regen Austausch gepflegter Altherrenscherze ausuferte. Noch nicht einmal über den „jüdischen Witz“ als literarisches oder kulturelles Phänomen haben wir uns im Anschluss zerstritten.

Dabei ist der gute jüdische Witz eine Waffe des Widerstand, entstanden im Mittelalter mit den „Badchonim“, den wandernden jüdischen Minnesängern, die das – jüdische – Volk auf unterhaltsame Weise zu belehren trachteten. In Anbetracht der zahlreichen antisemitischen Pogrome – aber auch der häufig autoritären und vermachteten Strukturen in den jüdischen Gemeinden – durften Wahrheiten oftmals nur in komödiantisch verkleideter Form ausgesprochen werden. Insofern ist die gesellschaftliche Funktion des jüdischen Witzes durchaus mit dem deutschen Karneval zu vergleichen.

Carlo Schmid etwa schreibt treffend: „Der jüdische Witz ist heiter hingenommene Trauer über die Antinomien (Widersprüche) und Aporien (Unlösbarkeiten) des Daseins.“ (Quelle: DER SPIEGEL 51/1960)

Was aber ist ein guter jüdischer Witz? Na, das hier zum Beispiel:

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