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Ich surfe, also bin ich

Vom Golfspiel sagen eingefleischte Anhänger, es sei keine Sache von Leben und Tod – es sei in Wahrheit viel, viel wichtiger… Vielleicht gilt das auch fürs Internet. Jedenfalls kann ich mir kein Leben mehr ohne Internet vorstellen. Die Welt hinter dem Bildschirm hat inzwischen für alle Lebensbereiche Relevanz, und sogar über das Leben hinaus.

Deshalb ist die Frage relevant: Wie nimmt das Internet Einfluss auf unsere intimsten Augenblicke? Nein, ich meine nicht Sex, oder jedenfalls nicht nur. Ich meine den Moment, an dem ein Kind geboren wird oder ein Mensch stirbt. Welche Rolle spielt das globalste aller Medien bei derart persönlichen und deshalb zwangsläufig recht lokalen Ereignissen? Wie teilt sich jemand mit in einer Situation, die geradezu nach Mitteilung und Selbstausdruck schreit?

Früher hat der glückliche Vater, den die Nachricht von der erfolgreichen Niederkunft seiner Frau erreichte, dicke Zigarren an die Freunde und Kollegen verteilt. Heute schickt er oft Minuten nach der Geburt die ersten Fotos eines winzigen, etwas verschrumpelten Lebewesens, das mit zusammengekniffenen Augen abschätzig seine neue Lebensumgebung mustert, als E-Mail-Anhang an sämtliche Outlook-Kontakte oder stellt das verschwommene Live-Video vom Geburtsvorgang gleich bei YouTube ein. Trauergäste twittern bei der Beerdigung. „O tempore, o mores!“, rufen da die Internet-Skeptiker, „geil!“ die Hardcore-Onliner.

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