Schlagwort-Archive: Krebs

Gruß für Maika

Ich kenne Maika nicht. Oder besser noch: Ich habe sie nie gekannt. Zumindest nicht im wahren Leben. Und doch gehöre ich zu einer Handvoll Menschen, die über Maika eine Menge wissen.
Denn Maika war auf Twitter – und hat dort ihr Leben und Sterben geschildert. Maika war an Leukämie erkrankt. Es war ein ständiger Kampf gegen den Krebs, von dem sie immer wieder geschrieben hat. Nicht nur, denn Maika hatte einen manchmal kräftigen und sarkastischen Humor, setzte spitze Bemerkungen und zynische Kommentare ab. Weiterlesen

Placebo verkehrt

Die wichtigste Waffe des Mediziners

Die wichtigste Waffe des Mediziners

Mein Freund Norbert Bolz, Ordinarius an der TU Berlin, hat einmal in einem Vortrag gesagt, dass die Ärzte durch das Internet eines ihrer wichtigsten Heilmittel verlieren – den Placebo-Effekt. „Placebo“ kommt aus dem Lateinischen und heißt, wenn mich ein kleines Latinum nicht verlassen hat,  so ungefähr: „Ich werde gefallen.“ In der Medizin versteht man darunter ein so genanntes Scheinarzneimittel, das überhaupt keinen Wirkstoff enthält oder ein ganz anderes als das, was der Patient erwartet. Farbige Kalkpillen sind ein beliebtes Placebo.

Ich habe meinen Hausarzt gefragt, ob das stimmt, dass  Patienten ihrem Arzt nicht mehr wie früher blind vertrauen, sondern sich per Internet selbst über Krankheitssymptome und Medikamente informieren und sozusagen mit einer vorgefassten Selbstdiagnose in die Praxis kommen. Er hat das bestätigt. Bestimmte Patiententypen seien heute der Meinung, besser als der Arzt zu wissen, was ihnen fehlt. „Wehe, du sagst ihnen etwas anderes oder verschreibst ihnen nicht das, was sie verlangen. Die siehst du nie wieder. Weiterlesen

Nichtwissen darf man nicht glauben

Es lebe der Qualitätsjournalismus!

Was treibt Wissenschaftler wie die (bislang) anonyme Doktorandin an der renommierten Chartié in Berlin oder Journalisten wie die so genannten Qualitätsjournalisten der „Süddeutschen“ an, Lügen über Handystrahlen in die Welt zu setzen? Es gibt nur eine vernünftige Erklärung: religiöse Unvernunft. Die Diskussion um Handystrahlen hat längst Ton und Form einer klerikalen Debatte angenommen, in der es nicht um Fakten, sondern um den wahren Glauben geht.

Physikalischer Fakt ist: Strahlen von der Art und der Intensität, wie sie von handelsüblichen Mobilfunkgeräten ausgehen, können nicht zu Brüchen im DNA-Strang des Menschen führen. Daraus folgt mit zwingender medizinischer Logik: Handystrahlen können keinen Krebs verursachen. Punkt. Ende der Debatte.

Aber was kümmert uns die Physik? Wenn die Zahlen nicht das gewünschte Ergebnis bringen, dann stimmen die Zahlen nicht. Das dachte sich jedenfalls eine junge Doktorandin in Berlin, die angebliche Beweise für die genverändernde Wirkung von Handystrahlen vorlegte.

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Leiser Abschied eines lauten Bloggers

Unserem Freund Hans Pfitzinger geht es nicht gut. Der Krebs, der ihn in den letzten Monaten quält, die er im Sterbehospiz der Barmherzigen Brüder in Nymphenburg verbringt, hat ihn lange in Ruhe gelassen, jetzt regt er sich wieder. Hans ist müde und etwas in sich gekehrt. Aber er mustert seine Umwelt immer noch aus hellwachen Augen hinter den dicken Brillengläsern, und er erzählt noch immer gerne und viel.

Er hat auch viel zu erzählen in diesen Tagen, die wahrscheinlich seine letzten sind. Denn bei Hans ist gerade sehr viel los. Er, der jahrelang ein eher zurückgezogenes Leben führte, steht plötzlich scheinbar überall im Mittelpunkt. Sein Roman, „Delfina Paradise – Eine Liebe in München„, ist vom Verleger Vito von Eichborn für eine Sonderedition ausgewählt worden. Eine Übersetzung, die jahrelang in der Schublade eines großen deutschen Verlagshauses schlummerte, ist wieder aufgetaucht und soll jetzt rasch veröffentlicht werden. Es wird schnell gehen müssen, wenn Hans es noch erleben soll. Und das würde er gerne, denn irgendwie scheint ihm die späte Anerkennung gut zu tun.

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Der fröhliche Tod

Ich gebe zu: Ich habe Angst vor dem Sterben. Diese Furcht teile ich mit vielen Menschen, aber nicht mit meinem Freund Hans.

Ich habe ihn heute in im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Nymphenburg in seinem schönen, hellen Zimmer im Sterbehospiz besucht. Die Möbel sind aus warmem Holz, vorm Fenster klettert ein Eichhörnchen emsig den Baum rauf und runter, und Hans freut sich darüber wie ein kleines Kind. Er ist ganz klein geworden, seitdem der Krebs an seinem Körper nagt. Die drei Chemotherapien haben ihn zusätzlich ausgemergelt, aber aus seinem schmalen Kopf zwischen den eingefallenen Wangen blitzen zwei wache Augen, die vor Lebensfreude funkeln.

Er ließt gerade den schwedischen Krimiautoren Stieg Larrson. „Nein, ich lese ihn nicht – ich habe ihn verschlungen“, sagte er mir.

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