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Ein Küsschen in Ehren?

Ja Hergott Sakra, ja spinn i‘ denn?

Haben Sie sich nicht auch schon mal mit der flachen Hand auf die Stirn geschlagen, weil Sie sich das Gleiche gedacht haben – vielleicht in einer anderen regionalen Einfärbung? Will sagen: Spinnen die oder spinn ich? Das kann doch wohl nicht Euer Ernst sein…
Als Wessi fehlt mir mangels sozialistischer Sozialisierung vielleicht ein gehöriges Maß an самокритика also Selbstkritik. Daher behaupte ich zunächst einmal: Nicht ich bin es, der spinnt. Die anderen sind es.
Und genau davon ist hier bei Czyslansky immer wieder zu lesen. Es gehört zu den vornehmlichsten Aufgaben dieser Plattform, den Irrsinn, den unsere Mitmenschen verzapfen, aufzuspüren und hier zu benennen. Vor allem, wenn diese unter dem Deckmäntelchen der Political Correctness, dem Gutmenschentum und der sich sofort aktivierienden Empörungsmaschinerie geschehen. Bundespräsident Joachim Gauck benannte das im Kontext der so abrupt verrauchten Aufschrei-Debatte als „Tugendfuror“. Da ist was dran. Und schon geht’s munter weiter.
Seit ein paar Tagen macht auf Twitter der Begriff des #Knutschverbots die Runde. Was die einen fordern, wird von den anderen heftig abgelehnt: Hab ich heute Nacht was von Knutschverbot aus Solidarität mit Minderheiten gelesen? Wer zur Hölle hat euch denn ins Hirn geschissen? erregt sich Twitterer @Renekosche. Knutschverbot? Was zum Geier hat diese Gesellschaft denn bitte für Probleme? fragt sich @EinPinsel.

Zu Recht. Denn die Idee, die dahinter steckt, ist völlig abstrus, wenn auch nicht neu: Heterosexuelle Paare sollen in der Öffentlichkeit nicht mehr knutschen. So können sie sich mit den Schwulen und Lesben solidarisieren. Denn die können noch immer nicht in der Öffentlichkeit knutschen, ohne Diskriminierung zu fürchten. Schiefe Blicke, gehässige Kommentare, Pöbeleien… Das bekannte Programm der ganz alltäglichen Diskriminierung.
Das ist aber noch nicht alles. Homosexuelle, so ist zu lesen, fühlen sich getriggert, wenn sich Heteros in ihrer Gegenwart küssen… Heteroverhalten ist für Einige also per se diskriminierend.

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