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Genug gewulfft, jetzt wird gegaukelt…

Die Zeiten waren hart, die Menschen froren und hungerten. Der Krieg war verloren,  der Winter 1946 einer der kältesten. In seiner berühmten und viel zitierten Silvesterpredigt sprach der Kölner Kardinal Joseph Frings zu seinen Gläubigen:
„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Fringsen, was das Zeug hält. Foto: Deutsches Bundesarchiv

Mit diesen Worten, für die er sich vor der britischen Militärbesatzung verantworten musste, gab er dem Diebstahl von Lebensmitteln vor allem aber von Briketts den kirchlichen Segen. Schnell machte das Wort vom „Klüttklau“ im Kölnischen die Runde, und schon bald gab es für das kirchenmoralisch sanktionierte Stehlen von Heiz- und Lebensmittel ein neues Wort: Fringsen. Heute ist der Begriff aus der Mode gekommen, er droht, dem aktiven Sprachschatz verloren zu gehen.

Selten genug kommt es vor, dass ein Verb sich direkt auf den Eigennamen eines Menschen ableiten lässt, dass dieser mit seinem Namen für eine bestimmte Tätigkeit steht. Bei Markenartikeln ist das schon wieder anders: Während der Nachbar seine Einfahrt kärchert, sitze ich vor dem Rechner: Ich muss dringend etwas googlen.
Nun aber gibt es seit Januar ein neues Verb, das zumindest zeitweilig Verwendung findet. Nun also wulffen

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