Paradoxon der Technik

Der Kreter lügt an sich – oder auch nicht!

Freitagabend, Flughafen Berln Tegel. Langer, harter Tag mit Vortragsrunde auf dem Deutschen Personalmanagement-Kongress. Freue mich auf den Feierabend daheim in München. Komme zum Schalter. lege die Bordkarte vor. Der nette Lufthansa-Mitarbeiter schüttelt den Kopf, die Maschien sei leider annulliert. Leider ein ganz alltäglicher vorgang. Ungewöhnlich nur seine Begründung: „Die Maschine hat Technik.“

Nun, dass Maschinen „Technik“ haben, liegt sozusagen in ihrer Natur. Doch dass gerade diese Technik sozusagen ursächlich für ihr Versagen ist, diese Erkenntnis war mir neu. Hätte sie keine, würde sie auch nicht kaputt gehen, sagt die Logik. Dann aber wäre sie keine Maschine, jedenfalls laut obiger Definition.

Der Kreter Epimenides war es angeblich, der sagte: „Alle Kreter lügen!“ Wir haben uns tagelang im Philosophiestudium die Köpfe über diesen Satz zerbrochen, der als „Paradoxon de Epimenides“ in die Geschichte der europäischen Denkkultur eingegangen ist. Der Lufthansa-Mann wirkte auf mich nicht gerade wie ein profunder Denker, und dennoch: „Die Maschine hat technik“ verdient es, in die Analen aufgenommen zu werden. Künftige Generationen von Studenten werden darüber vielleicht Semsterarbeiten schreiben. Und ich sitze in Tegel, knirsche leise mit den Zähnen und verfluche die Lufthansa und den alten Epimnides gleichermaßen.

 

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