Gründer wachsen nicht in Deutschland

Die Zahlen von Hightech-Gründungen in Deutschland sinken seit Jahren. 2008 wurde ein neuer Tiefpunkt erreicht. In nahezu allen High-Tech-Sektoren fiel die Anzahl der Unternehmensgründungen deutlich. Insgesamt ging die Gründungstätigkeit in den High-Tech-Sektoren 2008 im Vergleich zu 2007 um elf Prozent auf rund 15.300 Unternehmensgründungen zurück. Das zeigt die, diese Woche in München vorgestellte Studie der Zentrale für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, die in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland durchgeführt wurde. Am stärksten betroffen sind die Spitzentechnologie sowie technologieorientierte Dienstleistungen.
Georg Licht, einer der Autoren der ZEW-Studie führt die zurückgehenden Gründungsaktivitäten nicht auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurück. „Das hat sich wahrscheinlich noch nicht ausgewirkt.“ Licht glaubt, dass sich das bereits im Vorfeld abschwächende Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr Ursache für das Nachlassen der Gründungstätigkeit war.
Allerdings kann das kaum die einzige Ursache für die niedrigere Zahl von Unternehmensgründungen sein. Die Statistiken zeigen seit Jahren nach unten. Das zeigt auch die Grafik des Mannheimer Unternehmenspanels, die der ZEW zur Grundlage seiner Studie gemacht hat (siehe Grafik).
grunderaktivitat

Demnach sind bereits seit 2004 die Gründungen in den Sektoren Software und
Technologieorientierten Dienstleistungen rückläufig. Einzig die IT-Services sind erst im von 2007 auf 2008 zurückgegangen, davor stieg ihre Zahl dagegen noch.
Es drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass weniger die wirtschaftliche Dynamik für die schwache Gründungstätigkeit in Deutschland verantwortlich ist, sondern vor allem der Wille von Politik und etablierten Unternehmen fehlt, ein besseres Gründungsklima in Deutschland zu schaffen. Das ist gerade im IT- und Web-Umfeld so verwunderlich, weil es hier um einen Industriezweig geht, den Politik und Wirtschaft als extrem wichtig für die künftige Prosperität der deutschen Volkswirtschaft ansehen. Vor allem Politiker werden nicht müde zu betonen, wie wichtig es für Deutschland ist, ein starkes Standbein in den Zukunftstechnologien wie IT, Telekommunikation, Software und IT-Dienstleistungen zu haben. Dass es auch für die etablierten Spieler im ITK-Bereich eine große Rolle spielt, Teil einer lebendigen Branche zu sein, in der junge Unternehmen immer wieder für neue Ideen, Produkte und Geschäftsmodelle sorgen, leuchtet schon deshalb ein, weil diese jungen Unternehmen natürliche Übernahmekandidaten und potenzielle Partner darstellen, deren Produkte das Portfolio der etablierten Player immer wieder erneuern können. Die viel lebendigeren Gründerszenen in den USA oder in England führen diesen Lebenszyklus von Gründung, Produktlaunch und klarer Exit-Strategie seit Jahrzehnten erfolgreich vor. Die großen Spieler wie Cisco oder Intel unterhalten unter anderem eigene Venture Capital Töchter, die ständig auf der Jagd sind nach jungen Unternehmen mit großem Potenzial. Entweder, um sie mit ihrem Geld zu ausreichendem Wachstum und letztlich zum Börsengang zu bringen oder um sie als weitere Töchter oder Business-Unit ins eigene Unternehmen zu integrieren.

Doch beide, Politik und Wirtschaft tun einfach zu wenig. Die Politik hat zwar verschiedene Programme für Gründer aufgelegt, aber gleichzeitig so viele Anlaufstellen für (meist kleine) Fördertöpfe geschaffen, dass ohne professionelle Beratung kaum ein junger Gründer erkennen kann, wann er sich, unter welchen Umständen am besten an welche Institution wendet. Es gibt sie auf Landes-, Bundes-, und Europa-Ebene. Die komplizierten Antragsformalitäten sind eine der wenigen Gemeinsamkeiten der Programme.
Um so wichtiger wären Initiativen aus der Wirtschaft selbst. Doch auch da ist das meiste Stückwerk und zufällig. Große Hightech-Unternehmen wie Siemens, Telekom, Oracle Deutschland, die Software AG oder andere verfügen über keine Unterstützungsprogramme für junge Unternehmen – weder über VC-Aktivitäten noch über Initiativen, die Gründer mit Fachwissen oder zum Beispiel eigenen Produkten fördern. Ausnahmen bilden meines Wissens SAP mit SAP-Ventures, Intel verfügt ebenfalls über einen VC-Arm und Microsoft bemüht sich in seiner Initiative „unternimm was“ seit 2005, darum, junge Unternehmen mit Beratung und Produkten zu fördern. Konzertierte Aktionen, wie es zum Beispiel dem großen IT-Branchenverband Bitkom anstehen würde, sie unter seinen Mitgliedern zu initiieren und zu koordinieren, gibt es nicht.

Warum startet der Bitkom nicht eine entsprechende konzertierte Aktion. Das Motto könnte lauten: „die IT-Industrie hilft gründen“. Wenn die Politik sich ebenfalls dazu durchringen würde, ihre verschiedenen regionalen, auf Länderebene angesiedelten Förderprogramme zu zentralisieren oder zumindest zu einem klar gegliederten und transparent gestalteten Verbund zusammenzuführen, wäre extrem viel geholfen.

Also, wenn man etwas nachdenkt, gäbe es schon Möglichkeiten, das Klima für Gründer zu verbessern. Es muss nicht unbedingt mehr Geld sein, sondern mehr Engagement und weniger wohlklingende Lippenbekenntnisse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.