Die 13 besten Schallplatten meiner czehn Scheiben für die Insel

Czyslanskys Czehn

Vor wenigen Tagen hat mein geschätzter Czyslansky-Bruder Lutz Prauser hier seine zehn wichtigsten CDs vorgestellt. Das kann nicht unentgegnet bleiben. Freilich will ich mich hier nicht auf das reproduktionstechnische Niveau tönenden Scheibletten-Käses zurückfallen lassen – meinethalben kann die CD gerne durch MP3 oder hochauflösende Downloads  ersetzt werden – ich jage ihr nicht eine Träne hinterher. Es geht um Musik, um Vinyl, um Cover-Ästhetik, kurz: um Handfestes. Kommentare sind erlaubt, Kritik ist fehl am Platz.

Los geht’s. Schieben wir den Arm über die Einlaufrille:

Beginnen wir mit einigen ganz großen Kult-Scheiben. Wer sie kennt, kann verstehen, warum die Menschen so lange glaubten, die Welt sei eine Scheibe.

Ausgerechnet mit Kraftwerk will ich anfangen: digitale Musik auf analoger Platte. So muss das sei. So muss das klingen. Die Schallplatte als Abgesang ihrer selbst. Wie unironisch muss das Kraftwerk doch auf CD klingen. Das Material macht den Unterschied: Kraftwerk ist nicht gleich Kraftwerk. Kohle statt Atom – das ist hier keine Frage.

Passend zur Kohle: die Reibeisenstimme von Tom Waits. Eigentlich egal, welche Platte ich von ihm grad aus dem Regal ziehe: die Stimme ist schwarz und die Stimme ist eine Scheibe. Auch seine ganz alten Lieder gibt es noch; entweder aus zweiter Hand, oder gar als phantastische neue Pressung auf tonprächtigem 200 Gramm Vinyl.

Zappa-duster hingegen sieht es in Sachen Neupressungen von Meister Zappa aus. Aber wer bitte schön hat die Scheiben nicht eh schon komplett? Von den saustarken wie „Joe’s Garage“ bis hinab zu den nurstarken wie „The Man from Utopia“.

Dann gibt es noch die zum guten Teil leider unentdeckten Schätze deutscher Rock-Musik. Die Utopien und Träume der 60iger Jahre tönen aus den Songs der Monks. Die Geburtshöhle des Punk liegt eben nicht auf der Insel, sondern irgendwo in Deutschland. Wer die Monks nie gehört hat, der hat die 60iger nie gehört. Keine Beatles-Schunkelmusik, sondern echter Beat, Schlag auf Schlag. Hab ich schon erwähnt, das diese deutsche Band überwiegend aus Amerikanern bestand (und neuerdings wieder besteht)?

„Born in the U.S.A.“. Was jetzt kommt ist eh klar: der Boss. Und zwar mit einer ganz besonderen Variante: „My Hometown“ auf einer großen 45er Pressung. Bruce Springsteen auf einer Maxi Singel. Die höhere Geschwindigkeit macht mehr Klang und Tiefe. Perfekter Ton einer perfekten Musik. So soll es sein.

Vom Haniel-Pils aus der Flasche geht’s nun endgültig zum gepflegten Singe Malt über. Keth Jarrett „Köln Concert“ ist sicherlich eine der legendärsten Plattenaufnahmen überhaupt. Übertroffen im Bereich des Jazz wohl nur von einer Platte, von der aber weiter unten noch die Rede sein muss.

Wenden wir uns nun der Cover-Kunst zu. Um wie viel haptisch erregender und visuell delikater kommen doch klassische Plattencover daher, im Vergleich zu den schäbigen „Jewel Cases“ der Silberlinge.

Wer hat noch nicht an diesem Reißverschluss gezupft? Wer es verpasst hat, die Scheibe bei ihrer Veröffentlichung zu kaufen, der zahlt heute überhöhte Preise im Gebrauchthandel. Wenn er denn überhaupt eine auftreibt, eine „Sticky Fingers“ der Stones.

Ähnlich sieht es bei Jethro Tull‘ „Stand Up“ aus. Ohne Pop-Up bekommt man die Platte derzeit für einen Zehner, mit wirds richtig teuer. Wobei mir einfällt: ich suche seit langem bereits das „Jeans Cover“ der Gruppe „Ihre Kinder“. Zuletzt wollte jemand 140 Euro für die Platte im Original Cover. Das war mir denn doch zu viel.

Ich liebe aber auch Platten, die gar kein Cover haben. Wie diese Promo-Pressung von Kottan’s Band. Ihr erinnert Euch? Kottan, dieser austriatische Kommisar. „Kottan’s Kapelle“ trägt den schnöden Schriftzug „Unverkäuflich“. Und das war sie vermutlich auch mit ihren ordentlich gecoverten Ausgaben. Musikalisch eine Irrwanderung, die auf nüchternem Magen erschütternd, auf vollem Magen erleichternd wirkt. Irgendwie …

„Weiße Ware“ gab’s aber auch in der DDR:  hier ein überaus seltenes Exemplar „Helene Weigel liest Brecht“ der VEB Deutsche Schallplatten, Matrizen-Nummer 0603/161 bzw. 162. Irgendwo liegt hier auch noch eine Promo-Scheibe von Guru Guru herum; aus dem Besitz des damaligen Schlagwerkers. Mit Widmung. Aber typisch Guru Guru: wenn man’s braucht ist’s weg.

Das Gegenstück zur weißen Ware sind die Bunten. Auch diese sind mir ans Herz gewachsen. Und auch hier hat der CD-Markt nichts vergleichbares zu bieten. Macht Euch ein Bild:

Von „Ihre Kinder“ sprach ich ja schon. Das war in den späten 60igern die wichtigste deutsche und deutschsprachige Blues-Formation. Ein Spätwerk ist „Die Fahrt zum Mond“, gepresst in sattem Vollmond-Gelb. Color Vinyl vom Feinsten.

Dazu passend: Pink Floyd’s „Dark Side of the Moon“ in der seltenen Sonderauflage auf weißem Vinyl.

Fehlen darf freilich hier nicht die meistverkaufte Jazz-Scheibe aller Zeiten:

Hier nun Miles Davis‘ „Kind of Blue“ in einer hochwertigen Neupressung auf transluzent-blauem Vinyl. Diese wunderbare Platte schmückt, dezent von unten über den Plattenteller beleuchtet, auch meine Facebook Page. Und bitte fragt jetzt nicht, ob ich mir diese Platte wegen der Farbe oder wegen der Musik gekauft habe. Ich habe sie natürlich auch in Schwarz 😉

Zuletzt will ich aber noch eine Platte anführen, die spektakulär wie sonst nix daherkommt:

Elvis‘ „Special Pink Pressing“ bringt Hits wie „Fever“ und „Rock-a-hula-baby“ in feinstem hüfthalterfarbenem Vinyl daher. Mein CD-Spieler – ja, ich habe einen – errötet jedes Mal, wenn ich sie auf den Plattenteller lege und dabei ihn mit einem letzten Schwung aus der Hüfte nicht eines Blickes würdige.

Das sind also die 13 meiner zehn wichtigsten Schallplatten für die Insel. Auf keine von ihnen möchte ich verzichten. Lieber schon auf die obligate Palme samt der hübschen Schiffbrüchigen unter ihr. Und so erklärt sich auch der ein wenig brüchige Titel dieses Beitrags: weniger als diese 13 sind nicht denkbar. Und dabei habe ich mein Klassik- und Opern-Regal noch gar nicht angefasst …

 

 

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