"Ein Drama für Jack Taylor"

Buchbetrinkung: Ken Bruen, Harry Rowohlt: „Ein Drama für Jack Taylor“

„Ein Drama für Jack Taylor“ war nun der zweite Band der von Harry Rowohlt geschriebenen Detektivgeschichtenreihe über Jack Taylor, die angeblich ein Ken Bruen sich hat einfallen lassen. „Übersetzt von Harry Rowohlt“ steht auf dem Einband. „Übersetzt“ … so ein Unfug. Wenn man die Bändchen liest, hockt einem Harry livehaftig wie Jameson der Satanische gegenüber und liest heiteren Gemüts vor. Sei’s drum.

Wobei „Ein Drama für Jack Taylor“ völlig aus der Reihe fällt. Schon weil Jack das ganze Buch hindurch nichts trinkt und auch nichts raucht. Es handelt sich um einen Entziehungroman mit den erwartbaren Nebenwirkungen. Der Plot ist noch wirrer, als zu erwarten gewesen wäre, wäre der Normalpegel eingehalten worden. Laut Klappentext geht es um einen Mord an zwei Studentinnen, unter deren Leichnams Bücher des irischen Klassikers Synge deponiert wurden. Tatsächlich klärt Jack Taylor zwar die Morde auf, was aber noch lange nicht bedeutet, dass es auf den gut 200 Seiten irgendwie um die Aufklärung dieser Verbrechen ginge. Um was es geht erschließt sich dem Leser und der Leserin nicht so richtig. Irgendwie um „Galway-Kram“. Etwa in der Art der Selbstbeschreibung des Protagonisten als Nicht-Tänzer: „Als Nächstes ging man am Samstagabend zum Tanz, die hohe Zeit der Showbands. Hier begann der Albtraum im vollen Ernst. Meine Generation tanzte nicht. Die Mädchen konnten jiven und hotten, bis die Kühe nach hause kamen. Die Typen kippten den Schnaps aus verbotenen Flachmännern, warteten auf den ‚langsamen Set‘ und schafften es, ihr eine Hand auf die Schulter zu legen, vielleicht das Riemchen ihres BHs zu ertasten und danach wochenlang heiß zu sein. Wenn man gezwungen war bei den schnellen Nummern mitzumachen, demonstrierte man, wie sehr man ein Kind der Sechziger war. Man vollführte eine Serie schrulliger unzusammenhängender Zuckungen, ohne die Füße zu bewegen, und schwitzte grimmig.“

Kurz: in dem Buch werden sich viele Kinder der Sechziger mit Schrecken in den zuckenden Augenlidern wiedererkennen und sich zur Beruhigung noch ein Getränk holen und „die letzte der Pints lenzen“, wie ich in meiner zarten Besprechung von „Ein Grabstein für Jack Taylor“ auf Czyslansky denselbigen zitierte. „Slainte amach.“ „Leat fein.“ Sag ich doch, Harry, sag ich doch.

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