Besser keine Witze machen, zumindest keine schlechten:
Das zumindest muss die Quintessenz dessen sein, was am vergangenen Wochenende Justine Sacco widerfahren ist.
Als sie das Flugzeug nach Johannesburg bestieg, um in den Urlaub nach Südafrika zu fliegen, war sie wohl noch bester Laune, twitterte dummes Zeug und freute sich auf entspannte Ferien.
Twitter

Als sie landete, war sie ihren Job los, hatte eine weltweite Welle der Empörung losgetreten und sich komplett verkalkuliert, was ein Tweet mit 64 Zeichen alles anrichten kann.

Denn Twitter verzeiht nicht, Twitter verbreitet. Und immer und überall sitzt jemand, der aus einem schlechten Witz ein Drama macht, zu Recht oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt. Immer gibt es einen, der etwas, was missverständlich ausgedrückt wurde, auch missversteht, weil er das so will. Immer gibt es einen, der den Hebel zur Empörungsmaschinerie in der Hand hält und den dann postwendend auch umlegt. Oft genug wird aus einer Mücke ein Elefant, manchmal aber geschieht es zu recht.

Während also Justine ihrem Urlaub entgegenflog, flog erst ihr Tweet den richtigen (oder, wie man es nimmt, den falschen) Leuten zu, flog das Hashtag #hasjustinelandedyet in die Trendtopics und damit den Kollegen und auch dem Arbeitgeber zu. Der fand das gar nicht witzig. Und so flog erst das Ganze Justine um die Ohren und sie schließlich in hohem Bogen aus ihrem Job. Dabei war sie noch  nicht mal gelandet. Das Ganze geschah nahezu in Echtzeit.
Die PR-Agentin, die für das amerikanische Internetunternehmen InterActiveCorp (IAC) arbeitete, konnte gar nicht so schnell schauen, geschweige denn, dass sie die Gelegenheit gehabt hätte, was auch immer und wie auch immer  etwas gerade zu rücken. Der Konzern, der unter anderem die Webseiten ticketmaster.de, ask.fm und Vimomo betreibt, hatte Sacco schon auf seiner Website aus der Kontaktliste gelöscht, Screenshots mit und und ohne ihrem Namen in der Firmenkontaktliste liefen um die Welt, als sie noch am Gepäckband stand. Dort freuten sich Handy-Paparazzi, lauerten ihr auf und stellten Bilder von Justine ins Netz. Der Krake Twitter rief nach mehr. Mehr und noch mehr. Immer neue Einträgen zum Hashtag hielten die Twitterer vor Bildschirmen und Smartphones. Wind war gesäht, Sturm wurde geerntet.
Und jetzt?

Das Ganze ist ein selbstverschuldeter ein persönlicher, wie auf die Berufskarriere bezogener Totalschaden. Da hilft es wenig, wenn Juistine Sacco jetzt via Facebook mitteilt, wie leid ihr das alles täte.  „Worte können nicht ausdrücken, wie leid mir alles tut und wie wichtig es ist, mich beim Volk von Südafrika zu entschuldigen, das ich durch meinen nutz- und gedankenlosen Tweet beleidigt habe“, wird sie auf Welt.de zitiert. Sie hat am Sonntag einen Entschuldigungsbrief an südafrikanische Zeitungen geschickt. Das hilft aber nicht mehr.

Kaum eine internationale Zeitung, die die Story nicht am vergangenen Wochenende oder am Montag gebracht hat. Noch immer tobt sich das Twittervolk aus, das kommt davon, wenn man uns Afrikaner mit Füßen trifft, schreibt der eine voller Genugtuung. Die Sache ist noch lange nicht ausgestanden, obwohl schon – getreu der Deivse Twitter does as Twitter can – der Sarkasmus Einzug gehalten hat. So bemerkte ein anderer Twitterer, Justine Sacco solle sich jetzt ja nicht einfallen lassen zu singen „I’m dreaming of a white Christmas“. Ha ha ha.

 Stupid is as stupid does… möchte man Justine Sacco ins Stammbuch schreiben, jenes legendäre Zitat, das Forrest Gump als Lebensweisheit von seiner Mutter gelernt hatte und zu jeder passenden Gelegenheit im gleichnamigen Spielfilm von 1994 angebracht hat. Dumm ist der, der Dummes tut.
Ein PR-Manager, noch dazu jemand, der für einen Internetkonzern arbeitet, sollte mittlerweile wissen, dass sich blöde Scherze auf Twitter, Facebook und Co. rächen. Fälle gibt es genug, in denen Provinzpolitiker über unbedachte Äußerungen gestolpert sind. Und im zunehmenden Maße reagieren auch Unternehmen sehr empfindlich, wenn Mitarbeiter sich nicht an den Code of Conduct, die Unternehmensphilosophie und die Political Correctness halten – selbst, wenn sie es in ihrer Freizeit und völlig losgelöst von irgendwelchen geschäftlichen Belangen oder Aktivitäten tun. Das alles ist kein Geheimnis.

Und es hilft auch nichts, seinen Twitter-Account zu löschen, wie es mittlerweile geschehen ist – das Netz vergisst nicht, Screenshots sind einfach überall zu finden. Dieser Tweet wird in die Geschichte eingehen. Und der Tweet wird ganz sicher nicht die letzte große Dummheit sein, die jemand auf Twitter begehen wird.

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