40 Zündkerzen für 40 Jahre Zündfunk

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40 Zündkerzen für den Zündfunk sind für den Audio-Freund natürlich Audioröhren

Heute feiert der Zündfunk – ein wenig verspätet – offiziell seinen vierzigsten Geburtstag. 40 Jahre Zündfunk – das war der „Blaue Bock“ meiner Generation, eine manchmal krude und stets innovative Mischung aus gehobener Rockmusik und Pop, aus Politik und Wahnsinn. Mit dieser Jugendsendung des Bayerischen Rundfunks bin ich nicht sehr groß, aber in Würde alt geworden. Überhaupt dürfte der Hörerkreis des Zündfunks sich heute aus einer wilden intergenerationellen Mischung aus Zwanzig- bis Mittefünzigjährigen zusammensetzen.

Mein Rückblick – nein, mein Rückhör auf 40 Jahre Zündfunk!

Da ich meine Jugend in der westlichen Provinz Mittelfrankens  vergeudet habe, bin ich unter dem Kuratel eines schwäbischen Störsenders aufgewachsen. So verfolgte ich ab 1974 zwar immer wieder auch den Zündfunk, mein Stammsender aber war Mitte der Siebziger Point, das 1975 etablierte Jugend-, Pop- und Rockmagazin des Stuttgarter SDR. Der Zündfunk als bayerische Alternative hat sich aber schon bald durchgesetzt, war er doch frecher, kritischer und in den ersten Jahren auch deutlich politischer.

So hatte ich meinen ersten „Auftritt“ im Zündfunk im Jahr 1979, als ich im Ü-Wagen des Bayerischen Rundfunks meinen Kommentar zum Juso-Bundeskongress, der gerade im fränkischen Aschaffenburg stattfand, abliefern durfte. Dort war gerade ein Jungpolitiker, auf dem große Hoffnungen lasteten, als Bundesvorsitzender des SPD-Nachwuchses bestätigt worden: Gerhard Schröder, den viele heute als russischen Gashändler kennen. Die großen Hoffnungen, die auf ihm ruhten, waren zum guten Teil seine eigenen. Jedenfalls waren wir einige Jahre zuvor beide Redakteure einer kleinen politischen Zeitschrift gewesen.

Die Diskussion im Ascheberger Ü-Wagen wurde geleitet von Christoph Lindenmeyer, der sich schnell zu meinem ersten Zündfunk-Lieblingsmoderator entwickelte. Später folgtem ihm als meine persönlichen Favouriten Jo Angerer, der heute für den WDR regelmäßig sehenswerte TV-Filme liefert und – unter den aktuellen Zündfunkern – Achim Sechzig, den manche auch Bogdan nennen.

1982, ich war längst als Franke mit Migrationshintergrund nach München asyliert, wurde ich dann ein zweites Mal ins Zündfunk-Gespräch eingeladen: als Repräsentant der kritischen Jugend für eine Diskussion zum Thema „Was ist Zivilcourage heute?“ Anlass war der eben erschienene Film „Die Weiße Rose“ von Michael Verhoeven.  Mit dabei im Studio war die junge Lena Stolze, Darstellerin der Sophie Scholl, mit der ich damals schon auch gerne gespielt hätte … Der Film ist übrigens auch heute noch sehenswert und einen Tipp wert, falls er mal in einem Programmkino gezeigt werden sollte. Ulrich Tukur, der altersmäßig damals ebenfalls zur Zündfunk-Zielgruppe gehörte, brillierte in ihm übrigens als Willi Graf.

Neues vom Knick im Raum-Zeit-Kontinuum, Neues aus Frammersbach

Ein unvergessener Höhepunkt meiner Zündfunk-Zeit als Hörer und Fan war ab 1998 die von Achim Sechzig initiierte Reportagereihe „Neues aus Frammersbach“, in der der Moderator einmal im Monat eine Clique im tiefsten Spessart besuchte. Zwischen Dorfkirche und Waldlehrpfad traf man sich zum kritischen Räsonnement bei Musik aus Walkman und Wandergitarre am Lagerfeuer. Jahre später habe ich mir das Kaff dann mal angesehen. Ich bin extra hingefahren und konnte so durch eigene Beobachtung feststellen, dass Frammersbach ganz offenbar an einem Knick im Raum-Zeitkontinuum, an einer Delle im Raum-Zeitgefüge oder gar an einem galaktischen Wurmloch liegt. Fuhr man damals von Partenstein nach Frammersbach – das konnte man -, so zeigte der Kilometerzähler drei Kilometern an. Wollte man aber von Frammersbach heraus nach Partenstein, so wies das Ortsschild eindeutig eine Strecke von vier Kilometern aus. Demnach war es ganz offenbar einfacher nach Frammersbach hineinzukommen, als diesem zu entfliehen – ein Phänomen, das in den zahlreichen Gesprächen mit dem „Führer“, jenem Frammersbacher Jugendlichen, der zu Zündfunk-Zeiten als einziger über einen „Führerschein“ verfügte, niemals zur Sprache kam. Eigenartig.

Das wäre nun auch mein Wunsch an den Zündfunk in seinem einundvierzigstem Jahr: ein „Frammersbach Revisited“, in der Achim Sechzig dem Geheimnis des Knicks im Raum-Zeitkontinuum bei Framersbach endlich einmal auf den Grund geht. In diesem Sinne: lasst uns gemeinsam vierzig Zündkerzen für vierzig Jahre Zündfunk anzünden.

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