Willkommen Dr. Meg, oder: Brauchen Kids eine Web-Aufsicht?

Im Social Web gibt es bekanntlich kaum noch echte Tabus. Da fallen bei Facebook oder MySpace auch die letzten Hüllen, brüsten sich Jugendliche ihrer letzten Saufgelagen oder outen sich schon fast nebenbei als Schwul, Bi, Hetero oder Autoerotiker. Das ist alles ganz lustig und beweist angeblich, dass es im Internet-Zeitalter aufgeklärter und neurosenfreier zugeht als früher. Oder auch nicht, aber das wäre vielleicht Thema eines anderen Blogbeitrags.

Hier geht es um die vielleicht etwas moralinsaure Frage: Dürfen Eltern und andere Aufsichtspersonen wie Lehrer oder Erzieher eigentlich die Profile ihrer minderjährigen Schutzbefohlenen in den verschiedenen sozialen Netzwerken überwachen und notfalls korrigierend eingereifen? Müssen sie das nicht vielleicht sogar tun, wenn sie sich nicht dem Vorwurf der Verletzung der Aufsichtspflicht aussetzen wollen?

Ja, sagt Dr. Megan Moreno, Kinderärztin an der University of Wisconsin-Madison, die kürzlich eine Studie zu diesem Thema durchgeführt hat. Sie will dabei herausgefunden haben, dass gerade Kids aus sozial schwachen Familien besonders freizügig sind, wenn es um die Veröffentlichung von Einzelheiten aus ihren Sexualleben geht. Dadurch seien sie aber auch stärker der Gefahr ausgesetzt, das Opfer von potenziellen Kinderschändern zu werden, die sich angeblich heute nicht mehr auf Schulhöfen und Spielplätzen herumtreiben, sondern bei MySpace & Co.

Sozial benachteiligten Kinder seien im Internet einerseits viel sorgloser als Kinder aus gutem Hause, vor allem aber seien sie weniger geübt im Umgang mit den durchaus vorhandenen Sicherheitsvorrichtungen. Viele Kids, die sie im Rahmen ihrer Studie angeschrieben hatte, wußten gar nicht, dass man sein Profil meistens auf „private“ schalten kann, damit wirklich nur die eigenen Freunde darauf zugreifen können.

„Dr. Meg“, wie sie online nennt, hält Web-Netzwerke für ein ideales Medium für Jugendarbeiter und Lehrer, die sich im richtigen Leben oft schwer tun, an ihre jugendlichen Problemfälle ranzukommen, weil sich diese ihnen gegenüber im Gespräch selten öffnen würden. Was natürlich nur so lange funktioniert, bis diese auf die „Privacy“-Funktion aufmerksam werden.

Geht es nur mir so, oder schmeckt das Ganze nicht nach Big Brother? Wo hört Fürsorgepflicht auf und wo beginnt Online-Überwachung?  Handelt ein solcher Lehrer oder Elternteil moralisch, wenn er Kindern bei Facebook nachspioniert, oder ist das ein Teil von Jugendarbeit2.0?

Ich kann nur von Glück sagen, dass meine Tochter schon volljährig ist…

2 Gedanken zu „Willkommen Dr. Meg, oder: Brauchen Kids eine Web-Aufsicht?“

  1. Tausendmal Ja. Ich würde meine Tochter (10) niemals ohne Anleitung und ohne gelegentliches Anschauen der Browser-Chronik surfen lassen. Außerdem hat sie klare Verhaltensregeln mit auf den Weg bekommen. Da diese von ihrern Lehrern bestätigt worden sind, befolgt sie die auch. Bis jetzt.

  2. Eben: bis jetzt. Und was machst du, wenn das Göhr 16 oder 17 ist und der Meinung, was sie im Internet macht geht dich einen Scheißdreck an, Papi!

    Wart‘ ab: Das sind Vaterfreuden. Ich weiß, wovon ich rede: Meine ist 23.

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