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Kleine Notiz zum heutigen „Welttag des Buches“

(Bild: spacejunkie/photocase.de)

Heute ist also der „Welttag des Buches“. Da fällt mir eine schöne kleine Geschichte ein, die mir vor vielen Jahren einmal ein Lektor der Fischer Verlags über Jürgen Habermas erzählt hat. Der sicherlich wichtigste lebende deutsche Philosoph habe eine eigenartige Art ein Buch zu lesen: er reiße alle ihn nicht interessierenden Seiten einfach heraus und lasse nur den für ihn relevanten Inhalt stehen. Ob dies aus gerechtem Zorn oder aus dem Drang Übersichtlichkeit zu erzeugen geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls scheint Habermas der einzige zu sein, der das hübsche Bonmot Walter Benjamins ernst nimmt, demzufolge ein Bücherfreund sich ein Buch ebenso liebevoll zuzurichten habe, wie ein Kannibale einen Säugling. Dieses Bild habe ich immer geliebt.

Social Dongle – Single- und Partnerbörsen im Social Media Zeitalter

Ich bin ja ein großer Fan von Singles. Man hat einfach mehr Bewegung, als mit LPs, die man nur alle 20 Minuten umdrehen muss…

Außerdem habe ich mich vor einigen Wochen in einer Single-Börse, die eigentlich eine Partner-Börse ist, angemeldet. Meine Frau hat das erst ein wenig irritiert. Nachdem ich ihr aber klar gemacht habe, dass meine Profilierung als „attraktiver und finanziell unabhängiger Mann in den besten Jahren“ rein beruflich veranlasst ist – ich habe mich derart auf einen Pitch um den Social Media Etat eines großen Partner-Portals vorbereitet – war sie auch wieder beruhigt. Den Mann aus dem von mir angelegtem Profil kannte sie eh nicht.

Aber was red ich hier schon wieder. Es geht mir um etwas ganz anderes.

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Kick it & Klick it (Teil 8): Abpfiff auf dem Mittelmeer

08. Juni 2012 – Auf dem Mittelmeer

Das war sie also, die Hinrunde unserer Serie Kick it & Klick it – Fussball im digitalen Zeitalter. Jetzt hat König Fussball wieder das Szepter in die Hand genommen. Der reale Fussball regiert, die EM hat begonnen.
Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, jetzt wird sich zeigen, welche Fans früh genug mit dem Sammeln der Panini-Bilder begonnen haben und ihr Album komplettieren konnten, und welche nicht.
Zweifelsohne gehören wir  zu der letzteren Kategorie, selbst zwei Wochen im Mutterland des Klebebildchen-Herstellers war unergiebig. Überraschenderweise gab es fast nirgendwo Sticker-Tütchen zu kaufen (da war die WM 2010 und unser Besuch auf Korsika weitaus ergiebiger). Und wenn es doch welche gab, dann war die Ausbeute gering – es ist eine Mär zu glauben, dass in bestimmten Ländern die Dichte der bestimmter Panini-Sticker höher ist als in anderen. Noch nie hatten wir so viele Doppelte aus den Tüten geholt wie über 1.000 Kilometer entfernt von daheim…

Und das Eröffnungsspiel?

Fand für mich nicht statt. Eingesperrt in Tonnen von Stahl über, neben und unter uns; im Rumpf LKW, ganze Karawanen von Wohnmobilen und PKW auf der Fähre irgendwo zwischen Olbia und Livorno. Der Großteil der Urlauber auf der Heimreise langweilt sich bei böigen Winden und kühlem Wetter in den Lounges und dem Bordrestaurant. Der eine oder andere legt sich einfach auf den Boden und ringt der Überfahrt ein paar Minuten Schlaf ab. Denn die Heimfahrt über den Brenner ist weit und geht die ganze Nacht durch… Weiterlesen

Mein guter Radschlag für diesen Sommer: Der Roadster unter den Fahrrädern – das HP Scorpion FS

HP Scorpion FS

Was hätte Sir Stirling Moss wohl gefahren, wenn er nicht aus pekuniären Gründen gezwungen gewesen wäre seinen Cooper immer wieder wie eine gesengte Sau im Kreis herum zu pilotieren? Einen Austin Healey? Vermutlich. Aber im zweiten Rang hätte er sich zweifelsfrei für ein Liegerad entschieden. Schließlich ist ein Liegerad das einzige einem wahren Gentleman angemessene Tretgefährt. Einzig in einem Liegerad lässt sich ohne Gefährdung für Kleidung und Brust aufs Angenehmste eine Zigarre im Fahrtwind rauchen. Wie elendiglich nehmen sich doch da Sitzradfahrer aus, die ihren Kopf in den Nacken pressend nicht viel mehr sehen, als jenes endlos graue Asphaltband, über den sie hinweg huschen. Ein Liegeradfahrer hat die ganze Welt nicht nur zu Füßen, sondern auch im Panorama-Blick. Die Lunge atmet frei und hat ausreichend Volumen für eine anständige Montecristo No 2.

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Das Internet macht die Welt zum Dorf: Facebook ist sein Bäcker, Twitter sein Friseur. Oder: Ignoranz schützt nicht vor Shitstorms

shitstorm

Man kann nicht “nicht kommunizieren” und was Paul Watzlawick schon 1969 so griffig postuliert hat, gilt selbstverständlich auch für die sozialen Medien: Man kann sich da nicht heraushalten.

“Ich geh erst gar nicht in diese sozialen Medien, dann kann mir auch nix passieren!” Dies musste ich mir vor einigen Tagen mal wieder von einem Inhaber und Geschäftsführer eines mittelständischen B2B-Betriebs anhören. Ihm seien die Fahrwasser der sozialen Medien viel zu gefährlich, als dass er seiner “Marketing-Dame” ihren Spleen in Bezug auf eine eigene Facebook Page und einen Corporate Twitter Account durchgehen lassen würde.

Der Mann hat das Zeug zum Präsidenten.

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Twitter-Marathon: Ein Feldversuch

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Twittern bis zum Umfallen: Der „Marathon-Twitterer“ ist am Ziel! (Foto: Gabi Cole)

Über den Langstreckenlauf ist schon viel geschrieben worden, allerdings meistens erst nach dem Laufen. Beispiele für eine zeitgleiche schriftliche Aufarbeitung der Eindrücke und Empfindungen beim Absolvieren längerer Laufstrecken sind eher selten, und zwar aus naheliegenden praktischen Gründen. Das Hantieren mit Stift und Notizblock setzt in der Regel stationäre Bedingungen voraus, weil man das Gekraxel hinterher sonst nicht mehr entziffern kann. Die gängige Kompromisslösung besteht im Mitführen eines Tonbandgeräts, mit dessen Hilfe man seine ins Mikrofon gekeuchte Kommentare anschließend auf Papier oder in den Computer übertragen kann.

Wir leben aber in einem neuen, dem Twitter-Zeitalter, und da sind neue Kommunikations- und Ausdrucksformen gefragt. Weshalb sich der Autor dieser Zeilen am gestrigen Sonntag zu einem ungewöhnlichen Selbstversuch entschloss, der sich am besten mit dem Begriff: „Twitter-Marathon“ umschreiben lässt. Nein, es ging nicht darum, einen Rekord im Absetzen möglichst vieler 140 Zeichen-Nachrichten innerhalb einer bestimmten Zeit aufzusetzen. Die Absicht war vielmehr, eine Art „Live Tweet-Feed“ von der 36ten Ausgabe des legendären Berlin-Marathons abzusetzen, ein neues Feld für die digitale Spontankommunikation zu eröffnen und damit meinen „Followers“ sozusagen die Gelegenheit zu einer digitalen Verfolgungsjagd zu geben.

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