Schlagwort-Archive: Springer

Heult doch – Springer manipuliert mich nicht

Mathias DoepfnerMathias Döpfner hat einen so langen wie überflüssigen Text abgesondert. Etwas überrascht durch den großen Widerhall, den dieser offene Brief hervorgerufen hat, habe ich ihn gelesen, obwohl ich schon den Verdacht hatte, daß hier im BILD-Zeitungstil einfach nur Manipulation betrieben werden sollte. Ich sollte recht behalten. Textauszug gefällig?

Einerseits ist Axel Springer Teil einer europäischen Kartellklage gegen Google und streitet mit dem Konzern über die Durchsetzung des deutschen Leistungsschutzrechts, das den Inhalte-Diebstahl verbietet, andererseits profitiert Axel Springer nicht nur von dem durch Google entstehenden Traffic, sondern auch bei der Vermarktung von Restplätzen seiner Online-Werbung von Googles Algorithmus. Das stimmt. Man kann das schizophren nennen. Oder liberal. Oder, und das ist die Wahrheit, um es mit einem Lieblingswort unserer Bundeskanzlerin zu sagen: alternativlos.

Beim Wort „Inhaltediebstahl“ war es schon klar, um was es im folgenden Text gehen würde.  Weiterlesen

Die Welt Kompakt ist erleichtert, wir auch?

Nachdem ich vermutlich einer der wenigen (Probe)Abonnenten der #Weltkompakt bin, die vorgestern an der #Scrolledition mitgearbeitet haben, konnte ich heute den resümierenden Beitrag von Frank Schmiechen über eben dieses Experiment lesen.
Er erklärt darin seinen Lesern, was WIR ALLE gelernt haben. (hier nur ein paar Schnipsel)

Gelernt haben wir, dass eine Zeitung eben mehr ist als eine Versammlung guter Texte

Eine Zeitung braucht einen eigenen Rhythmus. Das Wechselspiel aus harten Nachrichten, weichen Reportagen und sorgfältig ausgewählten Nachrichtenfotos

und noch vieles mehr, was sicher sehr gut für eine Einführungsrede vor neuen Rekruten der Springerakademie geeignet wäre.
Wissen das ER als Stellv. Chefredakteur ganz sicher auch schon VOR dem Experiment hatte.

Was ich mich jetzt frage: wenn er das alles wusste, warum hat er dann uns die Texte vorproduzieren lassen und hat sie einfach hintereinander geklatscht?
Als wir in Berlin ankamen, war die Ausgabe fast fertig. Die Fotos waren auch schon drin. Es gab keine Diskussion über den „Rhythmus“, Dramaturgie, über das Wechselspiel. Für harte Nachrichten war kein Platz (ausser wir hätten unsere vorproduzierten Beiträge rausgeworfen, und wer will das schon) und es war auch keine Zeit, unser Redaktionstag begann erst Mittags. Wieso macht er das, gegen besseres Wissen?

Ich wollte den kritischen Kommentaren in den Blogs keinen Glauben schenken, die behaupten, dass wir von Springer nur vorgeführt wurden, damit Schmiechen beweisen kann, dass nur richtige Journalisten eine Zeitung machen können, aber sein Schlusssatz gefällt mir nicht.

Heute erscheint die WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch.

Dabei vergisst er, dass wir doch eigentlich gar nicht vor hatten tote Bäume zu bedrucken. ER hat UNS gebeten mitzumachen. Aber vielleicht bin ich auch bloß eine Blogger-Mimose oder eine WEB2.0-Zicke und überempfindlich …

Die Scroll-Edition der WELT KOMPAKT – Gedruckte Postings sind noch keine Tageszeitung

weltkompakt

Heute liegt sie also endlich am Kiosk: die vor einigen Wochen angekündigte “Blogger-Ausgabe” der Tageszeitung WELT KOMPAKT, der “kleinen Schwester” der ganzen WELT. Der Verlag hatte einige deutsche Blogger – von Mode-Bloggern über Wein-Surfer bis hin zu Politik- und Kultur-Bloggern – eingeladen, einen Tag lang die Print-Ausgabe der WELT KOMPAKT zu gestalten.

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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Czyslanskys Fab Four im Flughafen Munich (Michael Kausch ist unser Pete Best)
Heute ist ein großer Tag. Ja, gut, Deutschland wählt sich einen neuen Bundespräsidenten, aber darum geht es gar nicht. Heute ist der Tag, an dem die Welt den Bloggern gehört. Das ist wörtlich gemeint: „Die Welt“, oder jedenfalls die Kompaktausgabe der Tageszeitung, wird heute von Bloggern produziert. Und vier Mitglieder der Gesellschaft der Freunde Czyslanskys sind mittendrin.

Von schäumender Vorfreude aus dieses bislang einzigartige crossmediale Experiment war aber in der Abflughalle des Münchner Flughafens noch nichts zu spüren, als sich Christoph Witte, Sebastian von Bomhard, Alexander Broy und der Schreiber dieser Zeilen bei lauwarmer Morgen-Latte und belegte Brötchen von schwammartiger Konsistenz versammelten. Jedenfalls hielt sich die gemeinsame Mitteilsamkeit, offline wie online, in Grenzen. „Wir würden ja Live-Bloggen, wenn wir schon wach wären“, fasste SvB die Stimmung in einem für die Uhrzeit erstaunlichen Ausdruck von Feinformulierung feststellte.

Im Taxi zum Springerhaus dagegen schienen sich die schlaffen Lebensgeister wieder aufzurichten. Zitate von Ringelnatz, Anekdoten über die Witwe von Michael Jackson sowie eine ausführliche lexigrafische Erörterung des Begriffs „Hagiografie“ verkürzten die Fahrt. Nun warten wir auf den Startschuss: Um 11:15 treffen sich rund 20 Blogger, darunter Robert Basic (@robertbasic), Jim Jarvis und Tina Pickhardt (@PikiHH), zur Redaktionskoferenz.

We’ll keep you posted, und zwar auf #weltkompakt

Springer kauft Apple-Geist

Der Axel Springer Verlag setzt voll auf Apple. In den nächsten fünf Jahren tauscht er sämtliche Wintel-Rechner gegen Macs aus. Auch die Blackberry-Nutzer des Medienhauses dürfen auf das schickere Iphone von Apple umsteigen. Neben dem sicher günstigen Deal, den Springer mit Apple geschlossen haben muss, spielt offenbar auch das Image eine Rolle, das die Apple-Gerätschaften mitbringen und auf die Springer-Leute übertragen sollen. Zumindest Springerchef Döpfner hofft öffentlich, dass die Entscheidung pro Apple den kulturellen Wandel und die kulturelle Modernisierung seines Unternehmens fördert. Großes Publikum, große Geste. Aber durch den Kauf von Rechnern und Handys einen kulturellen Wandel herbeiführen zu wollen, ist doch arg naiv – oder verzweifelt. Mich erinnert es ein bisschen an die Kannibalen, die das Herz ihrer Feinde esssen, damit sich deren Mut auf sie selbst übertrage.
Döpfners Video-Botschaft: