Schlagwort-Archive: Sexismus

Punktabzug für die Gleichberechtigung

Marie-Olympe-de-GougesSind Frauen bei uns gleichberechtigt? Ich denke, eine Frau aus Saudiarabien oder Indien wird die Frage grotesk finden. Ebenso wie die Menschen aus unserer eigenen Vergangenheit: Natürlich haben Frauen und Männer bei uns heute dieselben Rechte. Und man merkt das auch, noch nie in der Geschichte gab es so viele Frauen in leitender Funktion, noch nie gab es so viele Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen wie jetzt. Es wäre also an der Zeit, damit anzufangen, Frauen auch ernst zu nehmen. Ein Bildhauer will doch an seinem Werk gemessen werden, nicht an einer künstlichen Frage, ob er gut ist, obwohl er eine Frau ist. Es interessiert doch nur noch Gestrige, wenn man bei einem bestimmten Musikstück darauf hinweist, dass der Komponist eine Frau ist. Wenn man also darauf besteht, dass der Komponist eine Komponistin ist.

An einer Schule hat sich neulich erst ein Fall ereignet, der meinen eigenen kleinen Privat-#Aufschrei ausgelöst hat, aber mein Entsetzen wird von einigen nicht geteilt, das weiss ich schon. Weiterlesen

Darf man Sexismus per Twitter bekämpfen und die Täter outen? Der Fall Adria Richards

Annette Mattgey berichtet heute auf LEAD digital über den Fall Adria Richards (sie schreibt von Adria Rosa) und SendGrid, ein Fall, der das Zeug hat zum heiß diskutierten Thema auch in deutschen Blogs zu werden. In den USA ist er das schon seit Tagen. Schließlich geht es um alles, was derzeit hoch im Kurs steht: sexistische Männer, Outing über Twitter, Entlassungen, Shitstorm, Trolle und dDOS. Was ist die Geschichte im Kern?

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Rein ins Dirndl

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

Taugliches Dirndl. Pressefoto von HSE24

Vielleicht mag dem einen oder anderen im Redaktionsteam des stern Joachim Ringelnatz‘ Gedicht durch den Kopf gehen – und vielleicht ist es genau diese Variante des Bumerangs, die Thomas Osterkorn und sein Team sich gewünscht hätten, dass sie ihn geworfen hätten. Mittlerweile aber scheint es, dass die australische Jagdwaffe genau das macht, für was sie konstruiert wurde. Sie kommt zurück. Und dann besteht die Gefahr, dass der Werfer selbst von ihr getroffen wird.
Genau das droht jetzt dem Stern.
Gestern nacht hat Bild Online einen Sternartikel aus dem Archiv gekramt und veröffentlicht. Und nun scheint Sternautorin Laura Himmelreich selbst in die Sexismus-Schusslinie zu geraten, zumindest ist sie zur Zielscheibe der I-Net-Spötter geworden. Denn das, was Bild in bester und bewährter Manier hervorgegraben und süffisant verbreitet hat, läuft seit heute wie ein Lauffeuer durch Twitter.
Und – war es anders zu erwarten – gerade diejenigen, denen die ganze #Aufschrei-Debatte so langsam auf den Nerv gegangen ist, kontern jetzt mit vorhersehbarer Gehässigkeit, Tiefschläge nicht ausgenommen.
Dirndltauglich – so titelte der Stern einen Artikel über Ilse Aigner, als diese ankündigte, sich aus der Bundespolitik zurückzuziehen und ihre Zukunft in der CSU-Landespolitik zu suchen. Man darf es ruhig noch einmal wiederholen: DIRNDLTAUGLICH. Weiterlesen

Ein #Aufschrei, der zerfasert…

Ein erster #Aufschrei am Morgen?

Knapp eine Woche ist es her, dass der Stern mit seinem Artikel über Rainer Brüderle eine Debatte über Sexismus in Deutschland ausgelöst hat, wie es sie lange nicht gegeben hat. Während der altliberale Politiker mit dem Charme des Trollinger genießenden Gemütsmenschen beharrlich schweigt, scharen sich seine Parteifreunde von Rösler bis Niebling schützend um ihn und sprechen von einer Hetzkampagne gegen die FDP, wie es sie beispiellos sei.

Dabei geht es, wie Alice Schwarzer am Sonntag abend bei Günther Jauch in dessen Talk-Show so treffend bemerkte, schon lange nicht mehr um Brüderle und seine Anzüglichkeiten auf Herrenwitz-Niveau. Der Diskurs ist vorangeschritten, auch wenn es, wie die Schwarzer es bildreich formulierte, eigentlich seit über 40 Jahren um die gleiche Kacke geht, die noch immer dampft. Unrecht hat  Schwarzer, die man ganz ohne sexistischen Hintergrund als Rampensau des Feminismus bezeichnen könnte (aber nicht darf, aus Gründen!) damit nicht.
Neu aber für Schwarzer ist, dass sie nicht mehr die alleinige Schwertträgerin feministischer Belange ist. Als junge, ebenso engagierte Gefährtin ist Anne Wizorek auf den Plan getreten, laut Medienberichten eine freie Projekt-Managerin und Online-Expertin. Darunter kann man sich nun viel vorstellen, aber darum geht es hier nicht. Weiterlesen

Nur für Mädchen…

immernoch werden hexen verbrannt
auf den scheiten der ideologie.
irgendwer ist immer der böse im land
und dann kann man als guter und die augen voll sand,
in die heiligen kriege ziehn…
(Konstantin Wecker: „Hexeneinmaleins“)

 

Und schon haben wir sie wieder – die Sexismusdebatte, diesmal soll sie das Sommerloch der taz füllen helfen. Aber damit nicht genug, unseres auch: Denn einmal mehr darf sich, wenn sie/er es denn will,  die/der Czyslansky-LeserIn in den Kreis derjenigen einreihen, die sich lauthals echauffieren, weil es ein Markenartikler/eine Markenartiklerin geschafft hat, eine Kampagne auf den Markt zu bringen, der man/frau den Makel anheften könnte, sexistisch zu sein. Oder noch bsser: Unsere LeserInnnen dürfen sich erhaben genug fühlen, sich bei denen einreihen, die sich darüber aufregen, wenn und weil andere sich aufregen.

Ist etwas Schreckliches passiert?
Ja…

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Empört Euch – „Science: it’s a girl thing“

Science is a girl’s thing lautet die Kampagne der EU-Kommission, deren Ziel es ist, vor allem Mädchen, Schulabgängerinnen und junge Frauen für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz in der Wissenschaft zu interessieren. Immerhin sind Wissenschaft und Forschung noch immer weitgehend in Männerhand und der Mangel an guten und qualifizierten Forschern ist riesig. Wo, wenn nicht bei den Schulabgängerinnen, qualifizierten Nachwuchs suchen und ausbilden?

Soweit die Theorie.

Kaum ist jedoch der dazu gehörige Videoclip ins Netz gegangen, donnern Kritik und Häme aus allen Ecken: Die österreichische Zeitung Der Standard beschreibt die Kampagne so: Was die Macher der Kampagne allerdings präsentiert haben, ist eine Ansammlung von Stereotypen und sexistischen Bildern: In einem pink-lastigen Werbespot staksen drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor, posieren dort wie Models und das Logo der Kampagne wird von einem Lippenstift gekrönt. Dann verweist der Standard auf die zahllosen höhnischen Kommentare, die der Spot bei Youtube mittlerweile eingefahren hat.


Thats a rather odd looking kitchen. schreibt dort ein User, ein anderer This is a fucking disgrace  ein Dritter Get back in the garage and get me a beer!

Wie zu erwarten, sind von den Kommentaren nicht nur Häme und Spott zu lesen. Umgehend  kam auch der Sexismus-Vorwurf aufs Tapet. Der W&V-Branchendienst fasst zusammen: Bunte Farben, heiße Feger, Miniröcke, Stöckelschuhe, coole Fotos in lässigen Posen vor ausgefallener Kulisse, dazu ein Lippenstift-Logo. Viele Stimmen im Netz beklagen sich, einmal mehr reduziere das Frauen darauf, dass sie heiß zu sein hätten und weiter nichts.

Gleichzeitig melden sich im Netz Wissenschaftler zu Wort, die kritisieren, diese Kampagne habe mal rein gar nichts mit ihrem Berufsbild zu tun.  Das wundert nicht, Weiterlesen