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Czyslanskys Bettlektüre #6: Hermann Grab: Der Stadtpark

Hermann Grab Der Stadtpark

„Ich habe Hermann Grabs Erzählung mit einem Vergnügen gelesen, wie sie mir lange kein Manuskript bereitet hat.“ Der Satz könnte von mir sein, ist er aber nicht. Thomas Mann hat sich so über Hermann Grabs kleinen Roman „Der Stadtpark“ geäußert, ein Werk, das fast vergessen war und auf das ich erst durch einen Hinweis meines Sohnes aufmerksam wurde. es war ein wertvoller Hinweis, denn Hermann Grab ist für mich persönlich wohl die literarische (Wieder-)Entdeckung des Jahres. Warum eigentlich?

Herman Grab war ein begnadeter Impressionist der Schriftstellerei. Geboren am 6. Mai 1903 – ja, uns eint der Geburtstag – in Prag, der Stadt in der 20 Jahre zuvor Franz Kafka auf die Welt kam. Zumindest letzteres ist kein Zufall, denn der Geist der Stadt an der Moldau prägte beide. Beide auch waren sie jüdischer Abstammung, wenngleich Grabs Familie wie zahlreiche andere großbürgerliche Sippen auch zum Katholizismus konvergiert war. Grab wie Kafka wurden gleichermaßen von der Erfahrung des Niedergangs der bürgerlichen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert wie vom Antisemitismus in der modrigen Spätphase der k.u.k.-Monarchie geformt.

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Neues aus der Czyslansky-Forschung: Der frühe Kriminalroman “Der Diddlasbadscher vom Dadschmahal”

diddlasbadscher

Endlich gibt es wieder Neues aus der Czyslansky-Forschung zu vermelden: Auf dem Boden einer Scheune im mittelfränkischen Heilsbronn ist nun sein lange verschollen geglaubter Kriminalroman “Der Diddlasbadscher vom Dadschmahal” überraschend aufgetaucht.

Dieses belletristische Erst- und Letztlingswerk des großen Forschers und Krimi-Liebhabers ist im eigentlichen Sinne der erste deutsche Regional-Krimi. Mitte der fünfziger Jahre machte sich Czyslansky an dieses Werk, das komplett im fränkischen Dialekt erscheinen sollte. Bekanntlich war Czyslanskys Großmutter mütterlicherseits eine gebürtige Schwabacherin. Unter dem Druck der massiven antifränkischen Geisteshaltung, die im Bayern der fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts herrschte – ein fränkischer Ministerpräsident war erst 50 Jahre später (und auch dann nur als nicht ganz ernst gemeinte Farce) politisch durchsetzbar – stellte Czyslansky die Arbeiten an diesem Werk leider vorzeitig ein. Deshalb ist über den Plot nur wenig bekannt. Man könnte fast sagen, dass er gar nicht existiert, denn Czyslansky hat zwar einen ersten Entwurf für den Umschlag  komplett gestaltet, die Seiten – immerhin 456! – sind aber komplett leer:

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