Schlagwort-Archive: Pranger

Von der Länge des Gemächts…

wp2Von der Länge des Gemächts redet ein zorniger Münchner in seinem Youtube Video. Nicht aber von seinem eigenen, das geht niemanden etwas an. Selbiges bleibt schamvoll hinterm Reißverschluss oder Hosenlatz verborgen – wie es sich gehört.
Weniger schamvoll aber will der aufgebrachte Wutbürger der bayerischen Landeshauptstadt jetzt mit dem Gemächt seiner Mitmenschen umgehen. Selbiges nämlich droht er zu filmen und ins Netz zu stellen.
Dazu hat er den Youtube Channel Ledererstrassenpisser installiert. Und dort will er mit einer Kamera Wildbiesler filmen und diese Filmchen ins Netz stellen. „Und die mit den kürzesten Schwänzen sind zu oberst…“

Der Zorn des Anwohners in direkter Nachbarschaft zum Hofbräuhaus ist verständlich. Heerscharen Betrunkener wanken nächtens durch die Münchner Altstadt und erleichern ihren Blasendruck gerne mal an Hauswänden, Türeingängen und Laternenpfählen. Den Anwohnern stinkt’s verständlicherweise gewaltig:


Ob aber so ein digitaler Pranger das richtige Abwehrverhalten ist, und ob das Ganze überhaupt rechtens ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Oft schon war auf dieser Seite über digitale Pranger zu lesen, sei es, dass sie Verkehrssünder in Abensberg waren, als Ladendieb in Regensburg in die Videoüberwachung gestolpert sind oder in Louisiana als Sexualstraftäter verurteilt worden sind. Mit der Kampagne #myNYPD hat die New Yorker Polizei sich selbst einen Bärendienst getan, in dem Amerikanier angefangen haben, Bilder gewalttätiger Polizisten zu veröffentlichen und so anzuprangern. Der Lookismus schließlich hat – auch davon war hier zu reden – keine Hemmung, unter voller Nennung des Namens und Abbildung der Gesichter via Tumblr Neonazis digital zu enttarnen. Immer steht hier ein riesiges Fragezeichen der Rechtmäßigkeit solchen Handelns – zumindest in Deutschland – mit im Raum.

Auch Autor und Freund Tim Cole hat sich ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt, als Hochspringerin Ariane Friedrich einen Stalker digital angeprangert hat. Mik Kausch hat über Sexismus und digitale Anprangerung im Fall von Adria Richards gebloggt. Ihre Sicht, wie auch meine, ist kritisch, enorm kritisch. Es geht um Stigmatisierung, um (Vor-)verurteilung, um Personenschutz und informationelles Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen. All das könnte dem Anwohner nämlich ganz schnell nach Veröffentlichung eines Videos die erste Klage an den Hals bringen. Hinweisschild hin oder her…

Achtung... Gemächt drin lassen

Ganz zu schweigen, ob das Schild überhaupt abschreckende Wirkung hat oder nicht sogar im Gegenteil angetrunkene Wildbiesler erst recht dazu ermuntert, blank zu ziehen.

Nun ist es aber so einer Sache mit der Veröffentlichung im Netz. Etwas hochzuladen und zu veröffentlichen heißt noch lange nicht, dass es auch eine Öffentlichkeit hat. Im konkreten Fall Man darf man sich ruhig fragen, wer sich das am Ende eigentlich anschauen soll und wird. Betrunkene Zechbrüder, die in einen Hauseingang pinkeln dürften kaum einen sehenswerten Anblick abgeben – noch dazu, wenn sie schlecht ausgeleuchtet und weder Gesicht noch Gemächt richtig zu erkennen sein werden. Und Freunde einschlägiger, sexueller urophiler Präferenzen werden wohl im Netz Aufregendes geboten bekommen…

Bilder: Screenshot aus dem auf Youttube veröffentlichtem Video

Blitzgescheitert in Abensberg

Abensberg ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Kelheim und liegt etwa 30 Kilometer südwestlich von Regensburg, 40 Kilometer östlich von Ingolstadt, 50 Kilometer nordwestlich von Landshut und gut 100 Kilometer nördlich von München… so informiert uns Wikipedia über eine Gemeinde, die von Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (CSU) geleitet wird. Als Sehenswürdigkeiten vermeldet Wikipedia vor allem ein Feuersteinbergwerk und ein Stadtmuseum. Was Wikipedia nicht weiß: Abensberg verfügt jetzt über einen wunderbaren, mittelalterlichen Pranger.
Dazu muss man nicht mal nach Niederbayern fahren, denn selbigen kann man sich bei Facebook anschauen. Dort nämlich in den Chronik-Fotos veröffentlicht die Kommune Abensberg das monatliche Blitzerhighlight. Und damit sind keineswegs irgendwelche nackten über Fußballplätze rennenden Irren gemeint, sondern Verkehrsteilnehmer, die den Abensbergern in die Radarfallen gegangen sind. Natürlich sind auf den Bildern Kennzeichen und Kopf des Fahrers unkenntlich gemacht, aber das Fahrzeug selbst ist nicht unschwer zu identifizieren, zumindest wenn man denn aus der Region stammt. Wenn nicht, dann hilft die Beschreibung der Stadt auf die Sprünge: Dieser Audi wurde ebenfalls in der Regensburger Straße mit 96 km/h (zulässig sind 50 km/h) am 25.09.2013 gemessen. Mit einem Bußgeld i.H.v. ca. 250,- € und einem Monat Fahrverbot markiert der Regensburger Fahrer die Spitze der Verkehrsverstöße im September.

Datum und Uhrzeit werden natürlich im Bild mitgeliefert.

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Und wozu das Ganze?

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Sauber bleiben!

Jetzt kommt der Hygiene-Pranger titelte die Münchner Boulevard-Zeitung tz am 17.08. in ihrer Online-Ausgabe: Ab 1. September gibt es im Internet einen Hygiene-Pranger. Schon bei Verdacht auf einen „nicht unerheblichen“ Hygiene-Verstoß und einem zu erwartenden Bußgeld von 350 Euro stehen die betroffenen Firmen sechs Monate lang auf der Internetseite des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
Welche Folgen das für Bayern und explizit für die Landeshauptstadt München haben wird, stellt die tz in einem Gespräch mit dem Leiter des Kreisverwaltungsreferats heraus:

Lebensmittelkontrolle. Pressebild der Stadt Ludwigshafen

Wir müssen mit 1000 Veröffentlichungen pro Jahr rechnen wird Wilfried Blume-Beyerle in der tz zitiert. Verbraucherschutz wird jetzt halt groß geschrieben – sogar in Bayern und wenn schon, dann richtig. Mit aller Ernsthaftigkeit und Härte – typisch bayerisch eben.
Das Ganze ist ein Reflex auf die nicht abreißende Kette der Hygiene-Skandale bei lebensmittelproduzierenden oder -verarbeitenden Betriebe. Prominentestes Beispiel war sicher der Skandal um die Verunreinigungen in der Großbäckerei Müller, die bis zu Mäusekot und Schaben in den Backwaren führten. Aber auch die vielen Gammelfleischvorfälle, die der Konsument allzu schnell vergessen hat, sind Grund, dass das LGL jetzt hart durchgreift.  Selbst schuld, möchte man meinen. Ihr Unternehmen habt es eben soweit kommen lassen…

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Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich)

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt. Weiterlesen