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Die Sarrazin/Schirrmacher-Debatte: It takes one to know one

Ein Enthüller wird enthüllt

Propaganda bezeichnet laut Wikipedia einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion. Folgt man dieser Definition, dann sind die beiden Medienphänome Thilo Sarrazin und Frank Schirrmacher ziemlich eindeutig als Propagandamacher einzustufen.

Beide Erfolgsautoren sind zum Beispiel Meister in der Kunst der Verknappung, der Reduktion von komplexen Inhalten auf einfache, leichtverdauliche Häppchen, die beim unbedarften Leser eine Art geistigen Schluckreflex auslösen. Beide arbeiten mit dem klassischen Propagandamittel des Feindbilds – Muslime, Migranten, Alte, Präkarier,  Algorythmenschreiber.  So simpel lässt sich die Welt erklären, wenn man es nur, wie Sarrazin oder Schirrmacher  versteht, die Fakten und Zahlen richtig zu interpretieren, sprich durch Weglassen von Details auf den eigentlichen Kern des Problems zu reduzieren. Das klingt einleuchtend für denjenigen, dem die Welt ohnehin zu komplex erscheint oder der das Gefühl hat, sein Kopf kommt nicht mehr mit.

Das einzige Mittel, um einen Propagandisten zu entlarven, besteht darin, seine Zahlenbasis anzugreifen. Wenn nachweislich und nachvollziehbar mit falschen, geschönten oder frei erfundenen Fakten und Statistiken gearbeitet wurde, dann bricht das kunstvoll errichtete Argumentationsgebäude wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

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