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Nachrichten im freien Fall

Sind es die Inhalte oder ist es die Form? Oder ist es ein generell abnehmendes Interesse an Nachrichten und Politik?
Die Hauptnachrichten, so berichtet der Branchendienst kress.de sind mittlerweile auf einem historischen Tiefstand angelangt, was die Zuschauerzahlen betrifft. Kress beruft sich auf eine neue Quotenauswertung der Media Control. Selbst der unangefochtene „Klassenprimus“ und Spitzenreiter Tagesschau  hat mittlerweile kräftig Federn lassen müssen. Niemals lagen die Quoten so niedrig wie zur Zeit – und es sieht auch nicht danach aus, dass sich das signifikant ändern wird. Sicher werden weltbewegende Ereignisse die Quoten punktuell beeinflussen. Es gibt immer Tage, da hockt die halbe Nation vor dem Fernseher, feiert sportliche Großereignisse oder ist fassungslos angesichts eines Attentats. Aber das sind die Ausnahmen. Weiterlesen

Die gute alte Tagesschau zeigt’s allen

Die Zahlen stimmen!
Mit stolzer Brust verkündet das ARD-Werbung SALES & SERVICES Team, dass auch junge Zuschauer die Tagesschau als wichtigste mediale Informationsquelle schätzen. Wenn es um politische Meinungsbildung geht, bevorzugen selbst die Jüngeren nicht das Internet oder mobile Dienste, sondern die TV-Nachrichten im Ersten!


So steht es zu lesen im aktuellen Newsletter, den der Vermarkter der ARD an alle Kunden verschickt hat. Zu diesem dort präsentierten Ergebnis kommt das Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg. Und weiter heißt es im Newsletter: Nachrichten im Fernsehen sind und bleiben besonders wichtig: 94% der Deutschen nutzen mindestens einmal pro Woche ein Nachrichtenformat im Fernsehen, um sich auf den neusten Stand zu bringen. In der Relevanz steht die Tagesschau hierbei unangefochten an der Spitze: 29,1% der Befragten sehen in der Tagesschau medienübergreifend die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung, ZDF heute dagegen liegt mit 5,6% deutlich dahinter.
Auch die Zuschauerzahlen verdeutlichen die absolute Alleinstellung der Tagesschau. Während die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau im Durchschnitt täglich 5,19 Mio. Seher erreicht, werden andere Nachrichtensendungen wie ZDF „heute“ oder „RTL aktuell“ von 3,54 Mio. bzw. 3,81 Mio. Zuschauern gesehen.

Selbstverständlich möchte der Sender mit diesen Angaben den Werbekunden die Spots direkt vor der Tagesschau schmackhaft machen. Und nur mal so am Rande bemerkt: Die so genannte „Best Minute“ kostet laut Senderangaben € 34.800 in der bundeligaspielfreien Zeit. Samstags während der Liga steigt der Preis auf € 42.600. Für viele Werbetreibende sind das keine astronomischen Zahlen. Der Normalbürger und vermutlich ein Teil der Czyslansky-Leser wird sich aber vielleicht etwas unbehaglich fühlen, wenn er weiß, dass ein Unternehmen mit einem einzigen geschalteten Spot in dieser EINEN Minute Werbezeit mehr Geld investiert oder verbläst als ein durchschnittliches Mitarbeiterjahresgehalt. Das nämlich liegt nämlich bei rund € 2.700 pro Monat, also bei rund € 32.400 p.a..  Anhand der Gehaltsvergleichtabelle kann jeder  prüfen, welche Jobs mehr und welche weniger wert sind als eine Sendeminute vor der Tagesschau. Ob der eigene dazu gehört, kann man ja am Gehaltszettel kontrollieren. Und natürlich kann auch jeder mal überlegen, wie viele Sendeminuten sein Eigenheim wert ist, sein Auto, sein Bausparvertrag usw.

Datenquelle: Hans-Bredow-Institut / Studie Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung / Wichtigste Informationsquellen zur Meinungsbildung über politische Themen.

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so muss eine interaktive tagesschau aussehen

obama

meine liebe kollegin susanne müller-zantop hat mich heute auf eine wirklich phantastisch gelungene aufbereitung der gestrigen inaugurationsrede von barack obama hingewiesen: die new york times hat die komplette rede nicht einfach online gestellt, sondern neben den vodcast das komplette manuskript der rede eingestellt, dass sich parallel zum fortschritt der videomitschnitts durchscrollt. dabei ist das manuskript über eine volltextrecherche durchsuchbar. man kann zu jedem suchergebnis im manuskript und damit auch im video springen. das manuskript ist sauber gegliedert und wurde um sinnvolle links auf ergänzende informationen erweitert. so lässt sich einerseits der vortrag bestens analysieren. und andererseits wird diese wunderbare rede (ja tim: ich finde ihn auch großartig!) tatsächlich zum ausgangspunkt weiterer recherchen.

ja – genau so muss eine interaktive tagesschau künftig aussehen. schaut doch einfach mal rein:

http://www.nytimes.com/interactive/2009/01/20/us/politics/20090120_INAUGURAL_ANALYSIS.html?hp#

das beste aber ist: die nyt kommuniziert das ganze im gewohnt ruhigen und klassischem design. man möchte seinen fernseher samt diesem unsäglich kunterbunten heute journal glatt eingraben.