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Gedankenhehlerei Teil 3 – es ist noch nicht vorbei

So schnell kann es gehen. Das Buch „Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten“ ist, kaum veröffentlicht, schon wieder vom Markt verschwunden.
Es geht – Sie erinnern sich – um 140 Tweets, die die Plattform MadeMyDay zunächst von Twiter zusamengeklaubt und dann im Riva-Verlag als amüsantes Büchlein veröffentlicht hat. Unter Nichtbeachtung irgendeines Urheberrechts, denn – so der Anwalt des Autoren – bei Tweets gelte selbiges nicht, hier sei keine Schöpfungshöhe erreicht. Twitter-Deutschland war stinkwütend und empört.
6 Tage später, unzählige unter dem Hashtag #madebytwitter veröffentlichte Tweets und mehrere Dutzend Blogeinträge später, hat der Verlag nun die Ausgaben vom Markt genommen. Auch auf Czyslansky war zu dem Thema zu lesen: Unter dem Titel Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei? habe ich zum Wochenanfang einen erste Artikel veröffentlicht, am 17.12. folgte die Fortsetzung Gedankenhehlerei Teil 2. Es darf spekulierr werden. Weiterlesen

Gedankenhehlerei Teil 2. Es darf spekuliert werden.

„Wir als Verlag leben vom Schutz des geistigen Eigentums. Deshalb wollten sie alles tun, um etwaige Rechtsverletzungen zu unterbinden. Wir bitten alle Twitterer, die einen selbst erfundenen Spruch von sich auf dieser Facebook-Seite entdecken, uns dies mitzuteilen, damit wir den Urheber nennen können oder, falls dieser an einer Veröffentlichung nicht interessiert ist, den Spruch aus dem Manuskript zu entfernen.“

Pressemitteilung des Riva Verlages, so zu lesen 2012 unter anderem auf wwww.boersenblatt.net, der Online-Ausgabe des Börsenblatts, Magazin für den Deutschen Buchhandel.
Mit dieser Pressemeldung trat der Münchner Riva Verlag im September 2012 an die Öffentlichkeit und stoppte die Auslieferung des Buches „Nachts um 3 Uhr klingelte der Nachbar. Mir ist vor Schreck fast die Bohrmaschine aus der Hand gefallen“ von Rolf Hohenhaus. Der Grund: Dem Autor Hohenhaus wurden Plagiate aus dem Internet vorgeworfen…
Erinnert sie das an was?
Richtig:MadyMyDay? MadeByTwitter?

mmd1Es wird immer absurder, darum greifen wir das Thema noch einmal auf.
Wir erinnern uns. Vor einigen Tagen erschien das Buch „Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten“ . Seitdem herrscht Aufregung im Twitterland. Dem anonymen Autor wurde vorgeworfen, Tweets zusammengesucht und unter eigenem Namen/Label bei Facebook veröffentlicht zu haben und aus diesem Material nun ein Buch erstellt zu haben. Veröffentlicht wurde es im Münchner Riva Verlag, eben dem, der eigentlich 2012 hätte lernen können, dass Diebstahl von Geistesblitzen in sozialen Netzwerken in selbigen gnadenlos abgestraft wird. Aber, so lässt sich in der mittlerweile veröffentlichten rechtlichen Einschätzung des Anwalts zum Tweetklau nachlesen, steht der Verlag ja auf dem Standpunkt, nichts Unrechtes begangenn zu haben: Legt man die oben ausgeführten Grundlagen auf die üblicherweise bei Twitter veröffentlichen Beiträge an, so ist davon auszugehen, dass der weit überwiegenden Zahl von Tweets – gerade auch wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen – wohl kein Urheberrechtsschutz zugebilligt werden kann. Entscheidend ist dabei, dass die Rechtsprechung entsprechend kurzen Sprüchen Urheberrechtsschutz eben nur im Ausnahmefall und nur dann zubilligt, wenn der Urheber mit Hilfe der Auswahl, der Anordnung und der Kombination verschiedener Wörter seinen schöpferischen Geist in origineller Weise zum Ausdruck zu bringen vermag (vgl. EuGH ZUM 2009, 945 (947) – Infopak/DDF). Allein die Tatsache, dass ein Spruch einen gewissen Witz entfaltet, führt nach der Rechtsprechung jedenfalls nicht zu einem Urheberrechtschutz.

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