Schlagwort-Archive: Kind

Spaß ohne Grenzen…

Ein dreijähriges Kind liegt in der Türkei am Strand. Rotes Shirt, blaue Hose.
Es könnte ein Urlaubsbild sein. Läge dieses Kind im Sand, vielleicht auf einem Handtuch, eine Badetasche neben sich.
Aber es liegt nicht dort. Es liegt bäuchlings direkt am Wasser. Das Meer hat es angespült, ein ertrunkenes Flüchtlingskind aus Syrien.
Seit Tagen wird dieses Bild in den sozialen Netzwerken herumgereicht, nachdem es in zahlreichen großen Tageszeitungen europaweit abgedruckt worden war. Die einen bedienen sich dieses Bildes zum Aufrütteln, als eindringlicher und schonungsloser Appell an den Verlust der Menschlichkeit oder als Kritik am Versagen der Flüchtlingspolitik… was auch immer. Til Schweiger gehört dabei zu den bekanntesten Multiplikatoren.
Es hagelt Kommentare zu diesem Bild. Sie reichen von uneingeschränkter Zustimmung bis zur deutlichen Ablehnung… meist aus Respekt gegenüber den Toten.
Längst ist es eine viel beachteten Ikone geworden, und es würde mich nicht wundern, wenn es in einer weiter entfernten Zukunft in einer Reihe steht mit den Kinderbildern aus Vietnam, dem sich aufbäumenden Soldaten, der soeben von einer Kugel getroffen wurde… die Symbolkraft ist einmalig. Weiterlesen

Papa, Du bist Scheiße! – Netiquette2014.beta #02

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der zweite Text unserer kleinen Serie zum Thema Nett im Netz – Netiquette2014.beta. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

 

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Es ist über 30 Jahre her, da überraschte mich mein Vater mit einer Zeitungsmeldung. Er hatte sie gelesen, mit Textmarker markiert, auf meinen Platz am Frühstückstisch gelegt und war in die Arbeit gefahren.
Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass er mich auf diese Art auf Nachrichten, Meldungen oder Berichte hinwies, von denen er meinte, ich solle das lesen. Das war in den meisten Fällen zwar gutgemeint, aber nicht gut durchdacht. Vieles davon war weder lesenswert noch interessant – fand ich, der geborene Neinsager zu jeglichen väterliche Belehrungsansprüchen. Ich fing an, in der Fernsehzeitung Sendungen anzustreichen, die er unbedingt sehen wollte. Er verstand das Signal nicht. Noch Jahre später – wir waren längst ausgezogen und lebten in einer anderen Stadt, flatterten auf dem Postweg Schnipsel aus seiner Tageszeitung zu mir: „Das interessiert Dich doch sicher…“
Wie sehr er sich irrte. Heute, wenn ich meine Facebook-Timeline durchblättere sehe ich oft ähnliches Verhalten. Ein Vater stellt seinem Sohn in die Timeline einen Link ein, wo er sich als Praktikant bewerben könne. Natürlich kommentiert. Eine Mutter verlinkt in die Timeline ihres Sohnes unentwegt Berichte über Orte, wo die Familie mal Urlaub gemacht hat und setzt nicht selten eine Anekdote dazu: „Weißt Du noch. Da warst Du acht oder neun…“
Ein anderer zaubert Fotos seiner Kinder aus seinem Archiv und verbreitet diese via Facebook an Freunde und Verwandte, Bilder, die teilweise an die 15 Jahre alt sind. Die Kinder sind hin und wieder recht putzig, aber mal ehrlich: Wer möchte schon unkontrolliert Kleinkindfotos von sich im Netz verbreitet wissen? Ich nicht. Und genau hier steckt das Problem.
Als mein Vater meinte, mich mit Notizen aus der Zeitung belehren und hin und wieder auch provozieren zu müssen (denn nicht selten waren die Berichte genauso ausgewählt) war das eine Sache zwischen zwei Personen: Ihm und mir. Und sie fand auf dem heimischen Esstisch statt. Heute passiert Selbiges auf Facebook: Vor den Augen der Öffentlichkeit, vor eigenen Freunden und den Freunden und Bekannten der Kinder. Das Eltern-Kind-Verhältnis ist im sozialen Netzwerk ein Schwieriges, ich weiß das, denn ich bin seit Jahren bei Facebook und meine Töchter sind es auch.friendsatacebook1
Als sie vor Jahren dort mit dem ersten große Walk In einmarschierten und SchülerVZ und ähnliche Plattformen hinter sich ließen, gab es eine kleine Diskussion dazu. Ich stimmte dem Wunsch zu, dass sie sich dort anmelden durften (eine andere Wahl hatte ich sowieso nicht, sie hätten es sonst vermutlich auch alleine gemacht), erbat mir aber, dass wir fortan bei Facebook befreundet sein sollten. Weiterlesen