Schlagwort-Archive: Journalisten

Berlin – ein Tag Paralleluniversum

Es wurde hier ja bereits angekündigt: Heute war ich in Berlin, zusammen mit meinen Mit-Czyslankys Tim Cole, Christoph Witte und Alexander Broy. Wir sind hier auf Einladung der WELT kompakt. Ein Blatt aus dem Springer-Konzern – und wir sollten es einen Tag lang schreiben, zusammen mit anderen Bloggern aus der Szene. Meine Selbstbefragung ergab keine Berührungsängste. Ich würde auch einen Tag lang die BILD machen – solange ich keine Vorgaben bekommen würde, was genau ich zu schreiben hätte.

Für die Berührungsängste haben die „anderen“ gesorgt. Im Vorfeld hatte es einiges an Ärger gegegeben. Man darf nicht für Springer schreiben, weil man von denen kein Geld nimmt, weil sie kein Geld zahlen würden, weil wir ehrlichen Journalisten den Job wegnehmen, weil wir einen Tag lang deren Job machen würden. Nun ja, nicht sehr realistisch, viele von uns haben über Geld nicht einmal nachgedacht. Blogger leben entweder davon, dann ist so ein Tag eine gute Chance für neue Eindrücke. Ein Angebot. Kann man annehmen oder ablehnen. Weiterlesen

Freiheit, Zensur und Hysterie

Beginnen wir mit der Freiheit. Dr. Grigori Perelman aus St. Petersburg hat die Poincaré-Vermutung bewiesen. Aber nicht nur das, ganz allgemein ist zumindest in Fachkreisen bekannt, dass es sich bei ihm um ein Ausnahme­genie handelt. Schon in der Ver­gangen­heit sollte er die als „Nobel­preis für Mathe­matik“ be­zeich­nete Fields-Medaille bekommen. Er hat sie nicht an­ge­nom­men. Na gut, Blech, nur Bares ist Wahres. Die Medaille bringt 15.000 Dollar, mehr nicht, neben der Un­sterb­lich­keit natür­lich. Ach ja, und es sind kanadische Dollar, zu allem Überfluß. Der gute Poincaré bringt, seit er als Millen­niums­pro­blem benannt wurde, immer­hin eine glatte Million Dollar Preis­geld. Ameri­kanische, dieses Mal. Dies sollte ihm nun über­bracht werden, allein, er machte an­geb­lich nicht mal die Tür auf und schickte die Boten fort. Weiterlesen

Die Schirrmacher-Story, oder: Von der Relevanz des Bloggens

Wir Blogger müssen uns langsam echt die Frage stellen, ob wir relevant sind. Diese Frage drängte sich mir auf, als ich einen Beitrag von Florian Ranner auf dem von mir sehr geschätzten Blog „grenzposten.de “  las, der sich mit meinem Zwist mit Frank („mein Kopf kommt nicht mehr mit“) Schirrmacher befasste, dem ich ja vorwerfe, in seinem diversen Büchern und Zeitschriften eine an nationalsozialistische Propaganda erinnernde Argumentationsweise zu verwenden.

Notabene: Ich sage nicht, Schirrmacher sei ein Nazi. Ich sage nur, er verwendet die gleichen Techniken, die Nazi-Propagandamacher (und nicht nur die) in der Vergangenheit verwendet haben, nämlich: grobe Vereinfachung (Schwarzweiß-Malerei), fahrlässiger Umgang mit Fakten und Zitaten (wir Journalisten sagen dazu augenzwinkernde „Fakten schönen“) und vor allem: Angstmacherei.

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Journalisten ersaufen in Arbeit. Und das Internet ist schuld!

suffmaschine

Der Grund für den an dieser Stelle häufig beklagten Niedergang des Qualitätsjournalismus ist jetzt gefunden worden, jedenfalls in Großbritannien, aber es gibt keinen Grund zu glauben, dass es hierzulande anders ist.

Schuld ist natürlich der Alkohol!

Das mag zunächst keinen überraschen, der je eine Redaktionsstube von innen gesehen hat. Die Whiskyflasche neben der (mechanischen) Schreibmaschine – Czyslanskys alte Remington lässt grüßen – gehört zu den klassischen Stereotypen der Filmgeschichte. Aber wie das so ist mit Vorurteilen: Manchmal stimmen sie. Weiterlesen

Achtung: Bloggen kann die Freiheit gefährden

Ist es nicht fahrlässig Thesen wie: “ Weil der Journalist sich ändern muss“ in die Welt zu Posaunen, wenn man doch weiß, wie leicht einen Bloggen und Online-Berichterstatten im weitesten Sinne, in den Knast bringen kann.
Laut einer Studie des Komitee zum Schutz von Journalisten befinden sich gerade 125 Journalisten hinter Gittern. 56 davon sind Onliner. In chinesischen Gefängnissen ist das Verhältnis 24 Blogger zu 4 klassischen Qualitätsjournalisten, von dieser Quote träumt so manch einer hier in unserem Land.
Jetzt hat der chinesische Journalist sich geändert, wie Thomas Knüver es ja fordert, und was hat er davon? Wäre er brav bei den öffentlich rechtlichen geblieben und hätte geschrieben, was der Regierung gefällt … Nein, er musste ja Staatsgeheimnisse ausplauderntwittern und in seinem Blog nationale Interessen verletzen. (Das sind die Hauptanklagepunkte, so die Sudie)

Man sollte auf jeden Fall zuerst eine Whitelist der Länder bekanntgeben, in denen man gefahrlos Bloggen darf, bevor man die Kollegen fahrlässig gefährdet.