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Von Erika zu Ahmed… auch das sollte noch gesagt werden

Alles hat seine Zeit
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

charlie-hebdo-anschlag-twitter-solidaritaet-je-suis-charlie-540x304Hochkomplex, hochphilosophisch, hoch poetisch und viel zitiert. Dem Nachfolgenden ausgerechnet einen Bibeltext voranzustellen (Pred 3. 1-8) geschieht nicht ohne Grund. Denn alles hat seine Zeit. Und vieles, was man tut, tut man zur Unzeit. Das ist mir gestern wieder einmal klar geworden angesichts der Schockreaktionen, der Empörung, Wut und Frustration, die auf die brutalen Morde in Frankreich erfolgt sind. Aber keine Angst, das hier ist keine Predigt.

Einen Abend und eine halbe Nacht habe ich im Netz verbracht, Beiträge gelesen, Kommentare und Leitartikel, Kommentare auf Kommentare, Tweets und Facebook-Posts. Dieser Terror-Anschlag auf freie Meinungsäußerung hat viele Menschen bewogen, das, was sie fühlen, in Worte zu kleiden. Gestern veröffentlichte ich den Text Je suis Charlie  auf dieser Plattform. Hängen geblieben ist dieses hier:

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Je suis Charlie

Eigentlich hätte an dieser Stelle ein anderer Text erscheinen sollen. Zur Auswahl stand Einiges.

Aber ich habe keine Lust, etwas Amüsantes zu veröffentlichen. Nein! Es ist weniger die Frage der Lust. Es ist eine Frage der Schocklähmung angesichts dessen, was in Paris heute passiert ist. Nichts Lustiges heute. Bitte nicht. Und vieles, über das wir uns aufregen, so dass wir in unseren Blogtexten ironische teils zynische Pfeile abschießen, wird auf einmal so fürchterlich banal, nichtig und irrelevant.
Was zählt, was uns lähmt ist ein Terroranschlag, dessen Tragweite noch gar nicht erfassbar ist. Noch ist vieles unklar. Noch weiß man nur, wer die Täter sind, aber nicht warum, wieso, mit welchem Motiv… Ein islamistischer Hintergrund des Anschlags auf die Redaktion der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ liegt auf der Hand auch wenn noch völlig unklar ist, ob es Drahtzieher hinter den drei Tätern gibt, und wenn, wer das ist.

Das ist verheerend. Es sterben Menschen… viele Menschen. Der Terror richtet sich gegen Meinungs- und Gedankenfreiheit, gegen Publikationen, gegen die Presse, gegen uns alle. Und er befeuert von Pegida bis AfD alle, von denen ich am liebsten nie wieder was hören würde. Sie haben es ja immer gewusst, sie haben es ja gleich gesagt. Sie schlagen schamlos politisches Kapital aus diesem Anschlag mit genau diesen Parolen. Diese Anschläge seien Angriffe auf die Demokratie und Meinungsfreiheit. Das ist das Bitterste, denn da muss man ihnen recht geben. Mir fällt ein, dass sich jetzt mancher dieser Rechten klammheimlich ins Fäustchen lacht, sich die Hände reibt und denkt: „Wer zuletzt lacht…“

Mir wird übel.

Gleichzeitig gibt es eine unfassbar beeindruckende Solidaritätswelle unter dem Hashtag #jesuischarlie im Netz, Es gibt Beiträge, getwittert von J.K. Rowling bis zu Zitaten von Rowan Atkinson.

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Kein Mensch, der denkt, der schreibt, der bloggt, der satirische Witze macht, der seine Meinung frei äußern will, der twittert, der kritische Medien konsumiert, darf sich dem entziehen. Wir alle sind Charlie. Jeder auf seine Weise und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wir werden nicht schweigen. Wir werden nur einen Moment inne halten und trauern. Und dann wieder schreiben, bloggen, satirische Witze machen, unsere Meinung frei äußern, twittern und kritische Medien konsumieren. Und wir werden uns nicht auf die Seite der AfD oder der Pegida ziehen lassen. Ganz sicher nicht.

 


Korrigiert und aktualisiert am 08.01.2015, 10.00 Uhr