Schlagwort-Archive: IT

Das Orakel der IT-Industrie

Manchmal frage ich mich, ob Gartner die größte Marketingmaschine der IT-Industrie ist, oder tatsächlich so viel Weitblick haben kann, dass seine Analysten Trends bereits im embryonalen Stadium erkennen, an deren Realisierung sich die IT-Szene teilweise noch über Jahre und Jahrzehnte abarbeiten muss: Nicht self fullfilling prophecy, sondern Gartners fullfilling prophecies. Zumindest bei Service orientierten Architekturen (SOA) und in noch größerem Maße bei Cloud Computing hat es funktioniert. Auch Begriffe wie Realtime Enterprise haben dank Gartner beachtliche Karrieren gemacht und viele Investitionen verschlungen.
Jetzt versucht Gartner sich gerade am nächsten großen Wurf: Die „Personal Cloud“ so die Auguren in ihrer neuesten Mitteilung würde ab 2014 den Personal Computer als Zentrum des digitalen Lebens ablösen. Wie genial ist das denn?! Weiterlesen

Digitaler Jungbrunnen

Was geschieht in Ames Hanger wirklich?

Der Mensch lebt schon immer in Symbiose mit seinen Werkzeugen. Indem er immer intelligentere Werkzeuge ersinnt und einsetzt, verändert er sich. Das ist ein natürlicher Vorgang, und er ist wertfrei. Der Fehler, den auch Schirrmacher begeht, besteht darin, diesem Vorgang ein Attribut zu geben. Ein typisches Beispiel ist die Vorstellung von “Fortschritt” (als ob der Mensch seit Anbeginn seiner Geschichte auf dem Weg zu einem klar definierten Endziel voran schreitet). Ein anderes ist die von durch Technik induzierte Degeneration, Frank Schirrmachers “vermanschtes” Gehirn.
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Herr Sarrazin und die Schalthebel der Macht

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Der wegen rassistischer Äußerungen in Ungnade gefallene Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin ist, wie die „Süddeutsche“ heute berichtet, „weitgehend entmachtet“ worden: Künftig sei er nur noch für die IT zuständig. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde diese Bewertung der Vorgänge etwas eigenartig. Wer, bitteschön, ist heute in der vernetzten Wirtschaft mächtiger als der Mann, der über die Computer herrscht? Mit einem Knopfdruck kann er sämtliche anderen Vorstände lahm legen oder mundtot machen. Er kann sie vom Internet abschneiden oder ihre Mail-Accounts sperren. Er kann die Gehaltsdatenbank aufrufen und ihre Bezüge kürzen oder sogar die bereits bezahlten Boni wieder zurückbuchen lassen. Er kann eine dicke Spende an den Türkischen Kulturverein in Berlin überweisen und damit zeigen, dass er in Wirklichkeit gar kein bornierter Xenophobe ist, sondern ein Mann von (Multi-)Kultur. Also, wenn Ihr mich fragt: Degradierung sieht anders aus!

Die Tugenden der CIOs

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Welche Fähigkeiten braucht ein CIO am dringendsten? Die einzig gültige Antwort auf diese Frage lautet: Kommt ganz drauf an. Auf die Lebensphase nämlich, die das Unternehmen gerade durchläuft, für das er arbeitet. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen wird häufig in drei Phasen unterschieden: Überlebensmodus, Oppertunitätsmodus, Transformationsmodus. Dabei sind diese Zyklen keineswegs krisenspezifisch, jedes Unternehmen durchläuft sie in seiner Lebenszeit wahrscheinlich mehrmals. Nur redet man in Krisen häufiger darüber. Weiterlesen

Die IT ist schuld an der Wirtschaftskrise!

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Ist das alles nur geklaut? (Cartoon: Mark Fiore)

Geahnt haben wir es schon lange: Computer sind an allem schuld! Vor allem aber an der jüngsten Wirtschaftskrise: „Die erste Krise des Internet-Zeitalters“, nannte sie kürzlich das Nachrichtenmagazin „Newsweek“. Automatisierte Handelssysteme hätten den Börsenkrach des Herbstes 2008 ausgelöst, weil die Investmentbanker längst die Hoheit über ihre Entscheidungen an die Maschinen abgegeben haben. Wie Goethes Zauberlehrling seien die Menschen nicht mehr in der Lage, die Komplexität des modernen Finanzmarktes zu überblicken.

In das gleiche Horn stieß schon vor Jahren der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, als er sagte: „Unternehmen scheinen gleichartiger zu agieren als früher. Die Anpassung verläuft nicht nur schneller als früher, sondern auch synchroner. Damit wird der Wandel in einen noch kürzeren Zeitrahmen gepresst.“ Auch er sah das Internet als treibende Kraft, da sie allen Managern die gleiche Information zur gleichen Zeit zur Verfügung stelle, so dass unternehmerische Entscheidungen sozusagen ohne die früher übliche Latenz ablaufen. Das sei fatal, weil es der Wirtschaftspolitik den Spielraum für Kurkorrekturen nehme.

Die Verdachtsmomente weisen also schon seit längerem in diese Richtung. Alles, was bislang fehlte, war der Beweis. Den will Charles Duhigg von den „New York Times“ aber jetzt gefunden haben. Weiterlesen

Ohne IT-Verantwortung kein Datenschutz

gebrannte-dvd1Ist Datenschutz eigentlich CIO-Sache? Manchmal ist sie es zwar per Definition, weil der IT-Chef auch gleich zum Datenschutz-Chef erkoren wurde (weil es kein anderer machen wollte) , aber moralisch fühlt er sich meistens nicht zuständig. Natürlich sind die Datenschutzskandale bei Bahn, Telekom oder Schlecker und co. völlig ohne Zutun der IT entstanden. Dass Daten unautorisiert erhoben, für missbräuchliche Auswertungen herangezogen werden oder in falsche Hände geraten, liegt meistens nicht an der internen IT. Allerdings geht es auch nicht ohne sie. Es hat überhaupt keinen Sinn, Mitarbeiter nach dem Grund für ihr Krankfeiern zu fragen, wenn das Unternehmen die Antworten nicht speichert und auswertbar macht. Also lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Jeder Missbrauch von Daten wird erst durch die IT und die Leute möglich, die Systeme und Applikationen zur Verfügung stellen und dafür verantwortlich sind. Weiterlesen

Online zahlt Microsoft immer noch drauf

In der Silicon Alley Insider war heute ein wirklich interessantes Chart zu finden.

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Demnach hat Microsoft bis auf die Jahre 2004 bis 2006 zehn Jahre lang mit seinem Online-Geschäft saftige Verluste geschrieben. Der gleichen Quelle zufolge hat Microsoft rund acht Milliarden in seine Online-Aktivitäten investiert. Das sieht wirklich nicht nach einem tollen Geschäft aus. Klar kann man fragen, wo Microsofts andere Geschäftsfelder heute stünden, wenn das Unternehmen nicht so stark in online investiert hätten. Trotzdem haben andere, allen voran Google, Zillionen Dollar im Online-Geschäft verdient. Microsoft hat dagegen erheblich draufgezahlt. Vielleicht ist ja etwas an der Theorie, dass auch Unternehmen sich auf eine Sache konzentrieren müssen und nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzen sollten. Sonst bleiben Innovationen und die Qualiät in der Umsetzung auf der Strecke. Außerdem folgt für mich aus diesen bisher fehlgeschlagenen Online-Investitionen von Microsoft, dass Software und Web sehr viel weniger gemeinsam haben, als ich bisher angenommen haben. Selbst wenn ein Unternehmen in dem einen Bereich extrem erfolgreich ist und über Jahrzehnte andere quersubventionieren kann, reichen die tiefen Taschen offenbar nicht, um im schnelllebigen Webgeschäft dauerhaft zu reüssieren, wenn man sich nicht darauf konzentriert.

Wie viel Wert hat die IT?

gold-nuggets1Manche halten die IT für eine wertlose Kunst, die außer für sich selbst nichts zustande bringt. Andere glauben, ihr Wert für die Unternehmen sei so groß, dass er kaum zu bemessen ist. Die Diskussion um den Wert der IT ist aus zwei Gründen so langwierig. Zum einen streiten sich Berater, IT-Verantwortliche und Business-Manager immer wieder um die richtigen Kriterien und Messmethoden. Zum anderen ist nicht immer klar, welcher Wertbeitrag wirklich gemessen werden soll, der angemessen den Wert der IT beschreibt. Diese Frage treibt offenbar auch McKinsey um. Schlau wie Berater sind, bringen sie gleich drei verschiedene Wertkategorien ins Spiel: Den Sachwert, den strategischen Wert und den Gebrauchswert. Der Sachwert setzt sich zusammen aus harten Fakten wie Investitionen in Hard- und Software sowie aus den weichen Faktoren wie die Fähigkeiten der IT-Abteilung. Der strategische Wert lässt sich an Konkurrenzvorteilen festmachen, wie etwas der Fähigkeit schnell andere Firmen zu übernehmen und zu integrieren. Weiterlesen

Flaues Gefühl bei Satyam

Es wäre jetzt billig zu sagen: „Ich hab’s gewusst!“ Aber irgendwas war komisch bei dem Gespräch, dass ich letztes Jahr mit Ramalinga Raju, dem Vorstandsvorsitzende von Satyam Computer, dem viertgrößten IT-Dienstleistungsunternehmen Indiens, in seinem Büro in Hyderabad (Foto oben) geführt habe. Es war irgendwie eigenartig: Die Floskeln, die Firmenbosse im Presseinterview so von sich geben – „wir sind hervorragend aufgestellt“, „wir werden unsere ehrgeizigen Wachstumsziele erreichen und übertreffen“ – klangen bei ihm besonders hohl und mechanisch, als ob er irgendwie mit dem Kopf ganz woanders gewesen sei.

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Nicht über, in der Wolke herrscht IT-Freiheit

Den Auguren zufolge werden die Ausgaben für CRM on Demand in den nächsten Jahren zweistellig wachsen. Doch nicht nur in bestimmten Anwendungsbereichen, ganz allgemein sagt die Analystengilde Software as a Service oder Computing as a Service eine große Zukunft voraus. In diesen Dunstkreis und zu den großen Hoffnungsträgern der IT-Branche gehört auch das Thema Cloud Computing. Noch harrt es zwar einer genauen Definition – handelt es sich bei CC lediglich um so triviales Zeug wie eine weltweit vernetzte Infrastruktur aus Rechenpower und Speicherkapazität, die der Nutzer flexibel je nach Bedarf anmieten kann? Oder beinhaltet die Cloud, ihrem nebelhaften Ursprung folgend, mehr, nämlich nicht nur Infrastruktur, sondern auch Applikationen und Services, die aus dieser Wolke, wenn schon nicht adhoc, so doch zumindest sehr flexibel zur Verfügung gestellt werden können?
Höchstwahrscheinlich wird CC stellvertretend für den Trend zum IT-Service stehen: weg vom Besitz von Rechnern, Software und Netzen und hin zur bedarfsgerechten Miete. Weiterlesen