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Informationelle Selbstbestimmung, aber bitte richtig!

Wem gehören eigentlich meine Daten? Ganz sicher nicht dem NSA. Aber wie ist es mit den vielen Firmen, die sich anschicken, im Zeitalter von „Big Data“ möglichst viele Informationen über mich und meine Kaufgewohnheiten zu sammeln, um sie meistbietend an die werbetreibende Wirtschaft zu verhökern? Viele in Deutschland sind beunruhigt von der grassierenden Sammelwut der Datenindustrie. Dabei sagt uns aber doch der Hausverstand: Firmen wollen nur unser Bestes – und davon so viel wie möglich. Firmen machen mit uns Geschäfte, und wenn sie unsere Daten gegen uns missbrauchen würden, dann wären wir als Kunden ganz schnell weg. Das Ergebnis ist ein autonomes, also ein selbstregulierendes Datenschutzsystem, das dafür sorgt, dass unsere Informationen zumindest von Wirtschaftsunternehmen wahrscheinlich nur in unserem Sinne eingesetzt werden. Marktwirtschaft wäre demnach also eigentlich der beste Garant für Datenschutz!

Ganz anders verhält es sich natürlich mit dem NSA und anderen so genannten Staatsschutzorganen. Bei denen weiß niemand, was mit seinen Daten passiert, aber wir ahnen, dass es nichts Gutes sein wird. Kann sein, dass wir eines Tages nicht mehr ins Flugzeug steigen dürfen, weil wir auf irgendeiner Liste stehen, ohne dass wir wissen, wie wir da draufgekommen sind oder wir wir uns wieder aus der Liste löschen lassen können. Schlimmstenfalls könnte eines Tages das mobile Einsatzkommando vor unserer Tür stehen und in Putativnotwehr losballern. „Oh, tut uns leid, Sie waren wohl der Falsche…“ Weiterlesen

Immer mehr Amerikaner sauer auf die Datenschnüffler

Die Amerikaner verstehen die ganze Aufregung um die Spionagepraxis des NSA überhaupt nicht, sagen viele hierzulande, was auf einen fundamentalen Unterschied in der Haltung der Menschen auf beiden Seiten des Atlantik in punkt Privatheit und Datenschutz schließen lässt. Die Europäer sollten sich nicht so haben, so lautete beispielsweise die (stark verkürzte) Antwort von NSA-Chef Keith Alexander vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses. Wenn das stimmt, dann besteht die Gefahr, dass sich die Welt in zwei Lager spaltet: Hier diejenigen, die sich Sorgen um die ausufernde staatliche Datenschüffelei machen und diejenigen, die das völlig in Ordnung finden. Schließlich gilt es hier ja, zwei sich gegenseitig ausschließende Rechtsgüter abzuwägen: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung (das in Deutschland Verfassungsrang genießt) und das Recht auf Sicherheit vor Terror, das in einem Land, das am 9. September 2001 Opfer des bislang spektakulärsten Angriffs von Extremisten in der Geschichte geworden ist.

Aber stimmt dieses Bild überhaupt? Sind die Amerikaner tatsächlich so unbekümmert, dass ihnen die alles durchdringende Sammelwut staatlicher und privater Institutionen am Arsch vorbei geht?

Die New York Times bringen in ihrer heutigen Ausgabe einen bemerkenswerten Artikel, in dem behauptet wird, dass immer mehr einzelne Bundesstaaten von sich aus Gesetze zum Schutz der Bürger vor der ausufernden Bespitzelung durch Papa Staat erlassen haben oder solche planen. Das Blatt zitiert einen gewissen Johnathan Stickland, Abgeordneter im Parlament des erzkonservativen Bundesstaates Texas, mit diesen Worten: „Der Congress hat ganz offensichtlich kein Interesse daran, diese Dinge zu verbessern oder die Privatheit zu schützen. Wenn sie es nicht machen, dann müssen es eben die Bundesstaaten tun.“ Weiterlesen

Datensammler will Teil der Lösung sein

Ist das dr Anfang oder das Ende von Big Data?

Ist das dr Anfang oder das Ende von Big Data?

Wem gehören eigentlich meine Daten? Ganz sicher nicht dem NSA. Aber wie ist es mit den vielen Firmen, die sich anschicken, im Zeitalter von „Big Data“ möglichst viele Informationen über mich und meine Kaufgewohnheiten zu sammeln, um sie meistbietend an die werbetreibende Wirtschaft zu verhökern?

Ich wurde neulich in einem Interview gefragt, was ich von der grassierenden Sammelwut der Datenindustrie halte und ob es mich nicht beunruhige. Nein, habe ich gesagt, so lange eine Firma Informationen über mich sammelt und vorhält, finde ich das prinzipiell in Ordnung. Die Dame, die die Frage gestellt hatte, schaute mich ungläubig an, als ob sie gedacht hätte, bei mir sei eine Schraube locker. Ich habe meine Antwort daraufhin präzisiert: Firmen wollen ja nur mein bestes – und davon so viel wie möglich. Sie sammeln Informationen über mich, um mich besser bedienen zu können. Sie haben nur ein Ziel: Mich möglichst mit Dingen zu erfreuen, die ich haben will oder die mich interessieren. Gleichzeitig wollen sie mich von Dingen verschonen, die ich nicht haben will oder die ich nicht mag. Für mich bedeutet das weniger Belästigung und ab und zu sogar eine richtig tolle Entdeckung. Wenn die Firmen das gut machen, dann „erwischen“ sie mich immer genau in dem Moment, wo  bei mir ohnehin gerade ein Bedürfnis entstanden ist. Wenn sie mir eine Woche vor dem Geburtstag meiner Frau eine Mail schicken, in der drin steht, dass das Lieblingsparfüm meiner Herzdame gerade um 20 Prozent herabgesetzt worden ist, finde ich das gut, genauso wenn sie mir mittags eine gute Pizzeria um die Ecke empfehlen, wo ich sowieso gerade Hunger habe. Weiterlesen

Digitaler Mundraub

Vorkämpfer für das Recht auf Anonymität

Ich habe die Märchenfigur des Rumpelstilzchen immer sehr sympathisch gefunden. Für mich war er ein zwar etwas kauziger, aber schlaues Kerlchen, der wusste, wie man andere an der Nase herumführt, und ich fand es immer schade, dass am Ende der Geschichte die Königin seinen Namen rausfand und er vor lauter Ärger selber in tausend Stücke platzte.

Vielleicht bin ich auch deshalb ein so großer Freund vom anonymen Surfen. Ich bin einer von denen, die Fragebögen von Herstellern, die ich ausfüllen muss, bevor ich zu irgendwelchen Angeboten oder Informationen durchgereicht werde, grundsätzlich fälschen. Ich behaupte dreist, mein Name sei „Julius Caesar“ oder „Anne von Kleve“, dass ich am 30sten Februar 1866 geboren sei und rote Haare habe. Manchmal geht das schief, wenn der Programmierer nämlich eine vernünftige Plausibilitätsprüfung in sein System eingebaut hat, damit es erkennt, dass ich unmöglich 144 Jahr alt sein kann. Nur wenn  ich will, dass eine bestellte Ware bei mir ankommt oder eine Kreditkartenzahlung online durchgeht, gebe ich meinen richtigen Namen an – versuche aber auch da, mich auf das Allernötigste zu beschränken, also nur die Felder auszufüllen, die mit einem Sternchen als „unbedingt erforderlich“ gekennzeichnet sind. „Informationelle Selbstbestimmung“ nennt sich das.

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