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Placebo verkehrt

Die wichtigste Waffe des Mediziners

Die wichtigste Waffe des Mediziners

Mein Freund Norbert Bolz, Ordinarius an der TU Berlin, hat einmal in einem Vortrag gesagt, dass die Ärzte durch das Internet eines ihrer wichtigsten Heilmittel verlieren – den Placebo-Effekt. „Placebo“ kommt aus dem Lateinischen und heißt, wenn mich ein kleines Latinum nicht verlassen hat,  so ungefähr: „Ich werde gefallen.“ In der Medizin versteht man darunter ein so genanntes Scheinarzneimittel, das überhaupt keinen Wirkstoff enthält oder ein ganz anderes als das, was der Patient erwartet. Farbige Kalkpillen sind ein beliebtes Placebo.

Ich habe meinen Hausarzt gefragt, ob das stimmt, dass  Patienten ihrem Arzt nicht mehr wie früher blind vertrauen, sondern sich per Internet selbst über Krankheitssymptome und Medikamente informieren und sozusagen mit einer vorgefassten Selbstdiagnose in die Praxis kommen. Er hat das bestätigt. Bestimmte Patiententypen seien heute der Meinung, besser als der Arzt zu wissen, was ihnen fehlt. „Wehe, du sagst ihnen etwas anderes oder verschreibst ihnen nicht das, was sie verlangen. Die siehst du nie wieder. Weiterlesen

An den Haaren herbeigezogen: DNA Parfums

Es gibt ja bekanntlich Sammler für so gut wie alles, von Ü-Eiern über Vinyl-Platten, Single Malts bis zu Feinden bei der FAZ, alles wird gesammelt und auch so manch ein Jünger Czyslanskys ist nicht frei von dieser Leidenschaft.

Die Passion von John Reznikoff sind Haare, genauer Haarlocken von Prominenten: Elvis, Albert Einstein, Abraham Lincoln, Marilyn Monroe … die üblichen Verdächtigen eben. Was auf den ersten Blick wie eine harmloses Hobby erscheint, hat, seit es möglich ist die DNA eines Menschen aus seinen Haare zu gewinnen, eine nicht ganz unproblematische Komponente.

Auf der DNA sind die ureigensten Daten eines Lebewesens gespeichert und bei Daten meine ich nicht irgendeinen uninteressanten Mist, wie meine Steuernummer, Browserverlauf, Adresse, oder der Mädchenname meiner Mutter … Nein, die echten Daten, die Baupläne meiner Leberzellen, meiner Kniescheibe und natürlich auch die meines Körpergeruchs …

parfumUnd genau da setzt die Geschäftsidee dieses Herren und seines Partners Carlton Enoch an. Sie entwickeln auf der Basis der DNA der Haarsträhnen Düfte, die sie unter dem Label My DNA Fragrance vertreiben. Das hat ein G’schmäckle, gell?

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass irgendjemand je auf die Idee kommen könnte, aus meinen im Alter immer mehr ausfallenden Haaren ein Rasierwasser zu entwickeln, was entfernt an meinen Duft nach einem Viertelmarathon  erinnert. Aber trotzdem … Ich bestehe auf Datenschutz! MyFragrance einen deutlichen Schritt weiter gegangen als MyMüsli, MyMarmalade, MyShirt, MyObstler usw.

Obwohl, vielleicht sollten wir die beiden fragen, ob sie uns …. Sagt mal, hat jemand eine Haarlocke von Czyslansky?