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Abschied vom Nomadentum

„Und wo bist du jetzt gerade?“

Im „Nomad Café“ in Oakland sitzen vorwiegend Studenten mit Blackberrys oder iPods, Laptops oder MacBooks herum und nutzen das Wireless LAN, um sich für die Vorlesungen vorzubereiten, um E-Mails zu ziehen, sich mit Freunden zu verabreden oder einfach nur die Zeit tot zu schlagen. Wenn sie mit Kreditkarte bezahlen, steht am Monatsende laufend das Wort „Nomad“ auf der Abrechnung.

 Als Christopher Waters das Nomad Café 2003 eröffnete waren Wi-Fi “Hotspots” etwas ganz Neues. Sein Lokal sollte ein „Wasserloch für Techno-Beduine“ sein. Eine interessante Wortwahl: Beduine sind Stammesangehörige, Mitglieder einer eng verflochtenen Sozialgemeinschaft. Waters hat das offenbar gewusst, denn er hat seinen nomadisierenden Gästen nicht nur Internet-Anschluss geboten, sondern eine Art Oase, ein Ort, an dem sich die Wege kreuzen, ein Orientierungspunkt in der Wüste ebenso wie in der Bay Area.

 Das Wort „Urban Nomadism“ wird schon lange in Zusammenhang mit der Veränderung moderner Kommunikationsgewohnheiten verwendet. In den 60ern and 70ern verwendete der Medienwissenschaftler Herbert Marshall McLuhan das Wort um eine Zukunft zu beschreiben, in der Menschen rastlos von einem Ort zum anderen wandern, ihre ganzen Habseligkeiten stets bei sich führend, ein Leben auf den Straßen und Highways, eine Welt, in der niemand mehr ein Zuhause besitzt.

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Me and my MiniMe

Sieht so die Zukunft der Arbeit aus?

Die Zukunft hat die unangenehme Eigenart, einen oft an völlig unverhoffter Stelle einzuholen. Die Telekom Austria hatte mich eingeladen, anläßlich der Eröffnung ihres neuen Servicezentrums im alten Arsenalgelände eine Festrede zu halten, in der es um die Zukunft der Arbeit und mein neues Buch, „Unternehmen 2020“ gehen sollte.

Vorher bat mich allerdings noch eine bezaubernde junge Kollegin von „Standard“ zum Interview (das Ergebnis können Sie hier nachlesen), und wir unterhielten uns unter anderem über „nonterritoriale Arbeitsplätze“ und digitale Beduinen, die mit extrem leichtem Gerpäck durchs Leben reisen, statt wie ihre Vorgänger, die digitalen Nomaden, mehr oder weniger ihren gesamten Hausstand mitzuschleppen, wenn sie von einem Ort zum anderen ziehen.

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Die „Süddeutsche“ hat das Internet verpennt

Er hat wieder zugeschlagen! Dr. Bernd Graff, spätberufener Internet-Beobachter und „Stellvertreter des Chefredaktuers“ der Online-Ausgabe der SZ, hat es uns mal wieder so richtig gesagt. „Dem Cyberspace sind die Utopien abhanden gekommen“, donnert er von der neuerdings luftigen Kanzel in der Hultschiner Straße. „Die Verheißung, die mit solcher Grenzüberschreitung einmal verbunden war, ist nirgends mehr zu spüren“, behauptet er und macht sich über Apples neuen Virtual Reality Headset lustig: „Es reicht völlig, dass man damit Theater sehen kann, das gar nicht da ist.“

Das schwülstige Versatzsrück, das sich immerhin über zwei volle Zeitungsspalten auf der ersten Seite des Feuilletons zieht, ist ein entsetzliches – vor allem aber entsetzlich langweiliges – Wiederkäuen von Zitaten aus den Kindertagen des Cyberpunk, von Rudy Rucker über Timothy Leary bis William Gibson und Donna Haraway. So ganz genau wird zwar nicht klar, was ihn so stört, aber offenbar möchte er mal so richtig zum Rundumschlag gegen den Hype ausholen.

Dass der Schlag ins Leere geht liegt daran, dass er eine nur halbverstandene Version des Internets von vor 10 Jahren durch den Kakao zu ziehen versucht – und dabei natürlich selbst tief hinein taucht.

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