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Entgegen anderslautender Behauptungen: Eine Zensur findet nicht statt.

Résurrection de la Censure. La Caricature, Paris, 5. Jan. 1832

Gleich vorweg. Ich gebe zu, „Shades of Grey – Geheimes Verlangen“ nicht gelesen zu haben. Und ich habe es auch nicht vor. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lese ich, wie ich in meinem Blog mal geschrieben habe, Bestseller sowieso nicht.  Zum anderen interessiert mich das Thema nicht. Und schließlich weiß ich  von jemanden, der es bereits gelesen hat, dass das Buch sprachlich eher bescheiden ist, also nichts für Genußleser.
Nun ist also der Hype um den S/M-Schocker, wie er gern positioniert wird, auch in Deutschland angekommen. Das Buch hat sich katapultartig in die Bestsellerverkaufslisten hineingeschossen.
Ihren Teil zur umfangreichen Berichterstattung trug dabei die katholische Buchhandelskette Weltbild bei, die mitteilte, aktiv nichts dafür zu unternehmen, was für die Verbreitung des Buches hilfreich sei. Das allein war wieder eine Pressenotiz wert und hilft, das Sommerloch zu stopfen.
Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen. Wir sehen das Buch als sehr problematisch an“ – so ist das Produkt in den Filialen bestickert.
W&V hat Weltbildsprecherin Eva Großnitzky interviewt. Dort sagt sie: „Deshalb distanzieren wir uns als Buchhändler inhaltlich von diesem Titel und geben kritischen Stimmen Raum. Wer allerdings das Buch in Kenntnis dieser Problematik erwerben will, kann dies über eine gezielte Suche im Onlineshop tun oder es in der Filiale bestellen.“ Nachlesbar ist die Meldung hier.

Das ist nichts Ungewöhnliches. Die Ladenkette Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, ist von seiner Programmausrichtung an katholische Leitlinien gebunden und setzt diese mal mehr mal weniger konsequent um. Neu in diesem Zusammenhang ist die prompte Reaktion der von Czslanyky so geliebten Empörungsmaschinisten: Weltbild führe – so polterten sie bei Twitter und Co. – die Zensur wieder ein. Weltbild beschneide die elementaren Grund- und Freiheitsrechte des Kunden, ein Buch seiner Wahl zu erweben.

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So sehen Bestseller aus!

Wie sich die Bücher gleichen…

„Deutschland schafft an, müste der Titel von Thilo Sarrazins neuem Buch eigentlich lauten. Das Ding geht jedenfalls schneller weg als warme Semmeln. Wie eine dpa-Umfrage ergab, war das Buch bereits am Freitag bei vielen Buchhändlern vergriffen. DVA erklärte, das bereits 70.000 Bücher ausgeliefert wurden und am Montag bereits die vierte Auflage mit weiteren 80.000 Exemplaren folgen soll. Auch die fünfte und sechste Tranche sei schon in Auftrag gegeben, so eine Sprecherin der Deutschen Verlags-Anstalt in München. Die Gesamtauflage werde bei 250 000 Exemplaren liegen, denn das Buch sei ein grosser Verkaufsschlager.

Auf der Bestsellerliste von Amazon ist das Buch längst auf dem ersten Platz zu finden, gefolgt von dem Werk „Das Ende der Geduld“ von der verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Auch in meinem eigenen Online-Buchladen, wo das Werk von Sarrazin neben Schirrmachers Pestseller unter der Rubrik „schlechte Bücher – die man aber trotzdem gelesen haben muss, um mitreden zu können“ feilgehalten wird, liegt der Noch-Bundesbanker deutlich vorn: 2 Besucher meiner Website haben dort in dieser Woche den roten Einband bestellt, nur einer griff zu grün. Im Übrigen entschuldige ich mich jetzt schon, wenn es noch ein bißchen dauert: Laut dpa liegt die Wartezeit für die Auslieferung bei bis zu drei Wochen.

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