Schlagwort-Archive: Antisemitismus

Die Judensau von Regensburg. Antisemitismus heute

Regensburg ist eine schöne Stadt. In ihrer Mitte steht ein schöner Dom. Und aussen am Dom hängt in einiger Höhe etwas, das an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist: die Judensau.

Judensau

Es handelt sich um ein steinernes Relief, das einige spitzhütige Juden zeigt, die sich an den Zitzen einer Sau zu schaffen machen.

Man muss die Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze, wirklich nicht kennen, um die üble antisemitische Aussage des Bildes zu verstehen. Gleichwohl ist die Wirkung des Bildes auf gläubige Juden besonders verheerend: das Schwein ist nicht koscher, es ist unrein. Die an den Zitzen saugenden Juden stehen nicht nur in animalisch-erotischer Haltung unter dem Tier, sie vergehen sich auch noch am eigenen Gesetz und begeben sich ins Unreine, werden selbst durch ihr ketzerisches und verlogenes Tun unrein.

Das „Volk“ – das christliche natürlich – hat diesem Relief den eindrücklichen Namen „Judensau“ verpasst. Sie prangt auf derjenigen Seite des Doms, der früher dem jüdischen Viertel der Stadt zugewandt war, auf dass der Jud im Schatten des Kirchenschiffs auch niemals vergesse, welch Reputation ihm im stolzem Regensburg zukomme: keine.

Das jüdische Viertel gibt es freilich in Regensburg wie auch in anderen deutschen Städten nicht mehr. Irgendwie sind den Gemeinden ihre Juden abhanden gekommen. So braucht es heute eine Erklärung zur Judensau. Die hängt zwei Meter unterhalb des Reliefs und ist so widerlich, wie die Sau selbst.

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Was der vorhautlose Eselficker will…

lookismus2

Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht das Gleiche. Sollte man meinen… Denn das, was dem einen recht ist, das muss dem anderen billig sein. Das gilt unabhängig von den eigenen moralischen, gesellschaftlichen, politischen und sonstigen Ansichten; auch wenn es schwerfällt.

Seit Jahr und Tag beobachte ich und kommentiere hier auf dem Czyslansky-Blog, wenn Personen digital an den Pranger gestellt werden: Sei es, dass sie Verkehrssünder in Abensberg waren, als Ladendieb in Regensburg in die Videoüberwachung gestolpert sind oder in Louisiana als Sexualstraftäter verurteilt worden sind. Auch Autor und Freund Tim Cole hat sich ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt, als Hochspringerin Ariane Friedrich einen Stalker digital angeprangert hat. Seine Sicht, wie auch meine ist kritisch, enorm kritisch. Es geht um Stigmatisierung, um (Vor-)verurteilung, um Personenschutz und informationelles Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen. Und es geht um den Wahrheitsgehalt, nämlich darum, ob der so Angeprangerte tatsächlich sich hat irgendetwas zu Schulden kommen lassen oder nicht.
Jetzt aber werde ich zum „Opfer“ meiner eigenen sehr kritischen Haltung zur digitalen Anprangerung.

Unter der Überschrift „Blog entlarvt Nazis im Internet“ hat die Huffington Post diese Woche einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie das Tumblr-Blog Lookismus gegen Rechts vorstellt.  Der Blog „Lookismus gegen Rechts“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Urheber rassistischer oder faschistischer Kommentare auf sozialen Netzwerken wie Facebook bloßzustellen. Auf dem Blog werden die Äußerungen dokumentiert – mitsamt eines Fotos der Person, von der sie stammen. – so beschreibt es die Huffington Post.
Das klingt doch zunächst mal gut. Weiterlesen

Was von Czyslansky nicht gesagt werden muss…

Erregungsfreie Ostern? Bitte gern...

Vermissen Sie etwas, liebe Leser?

Ja?

Ich ahne schon, Sie vermissen einen Beitrag, in dem sich einer der Freunde Czyslanskys zu einem weiteren Thema allgeimener Erregung und Empörung äußert. Dass dies bisher nicht geschehen ist, hat zwei ganz einfache Gründe:

1. Es sind Ferien
und die meisten Freunde Czyslanskys sind irgendwie zwischen den Feiertagen verloren gegangen. Sie werden sich sicher bald wieder einfinden. Derzeit aber macht scheinbar nur das jüngste (was nicht altersmäßig gemeint ist) Mitglied Stallwache – also ich.  Ich muss sein – welch ein existenzialistischer Ansatz, denn das neugeborne Schwein muss sein. Kennen Sie doch, oder etwa  nicht?

2. Zu allen Themen allgemeiner Erregung wurde bereits das Wichtigste gesagt

Blicken wir zurück in die vergangenen Tage, dann hätte sich einer der Czyslansky-Freunde sicherlich äußern können zu

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Mein einziger Zeuge

rolfschaelike

Der „Kammergeist“
Foto: Olaf Ballnus

Ich war letzte Woche in Hamburg beim Landgericht. Eigentlich hätte ich mir die Reise sparen können, denn ich habe diese Runde 0:1 verloren. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, denn ich habe dadurch Rolf Schälike kennengelernt. Na ja, eigentlich nicht kennengerlernt, aber wenigstens von Weitem gesehen.

Nochmal kurz zum kurzen Prozess („15 Minuten für die Wahrheitsfindung“): Es ging um eine Einstweiligen Verfügung, die Frank Schirrmacher gegen mich erwirkt hat wegen eines Zitates, das u.a. auf czyslansky.net erschien und in dem ich behauptet habe, seine in seinen Büchern und Artikeln verwendeten Methoden erinnerten mich an die großer Propagandamacher der deutschen Geschichte und insbesondere an die Instrumentalisierung der Juden während der Machtergreifung 1933. Schirrmacher fühlt sich dadurch von mir geschmäht, ich hätte ihn damit sittlich auf eine Stufe mit den Antisemiten gestellt, und die Richter der Pressekammer des Landgerichts sehen das auch so. Mein Anwalt. Prof. Gero Himmelsbach von der Kanzlei Romatka & Collegen in München will erst noch die Urteilsbegründung abwarten, und dann entscheiden wir, ob wir vors Oberlandesgericht ziehen.

Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Wichtig war der unscheinbare Mann mit den schütteren grauen Haaren und dem grauen Anzug, der als Zuhörer in der Ecke saß und fleißig mitschrieb.

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