Was von Czyslansky nicht gesagt werden muss…

Erregungsfreie Ostern? Bitte gern...

Vermissen Sie etwas, liebe Leser?

Ja?

Ich ahne schon, Sie vermissen einen Beitrag, in dem sich einer der Freunde Czyslanskys zu einem weiteren Thema allgeimener Erregung und Empörung äußert. Dass dies bisher nicht geschehen ist, hat zwei ganz einfache Gründe:

1. Es sind Ferien
und die meisten Freunde Czyslanskys sind irgendwie zwischen den Feiertagen verloren gegangen. Sie werden sich sicher bald wieder einfinden. Derzeit aber macht scheinbar nur das jüngste (was nicht altersmäßig gemeint ist) Mitglied Stallwache – also ich.  Ich muss sein – welch ein existenzialistischer Ansatz, denn das neugeborne Schwein muss sein. Kennen Sie doch, oder etwa  nicht?

2. Zu allen Themen allgemeiner Erregung wurde bereits das Wichtigste gesagt

Blicken wir zurück in die vergangenen Tage, dann hätte sich einer der Czyslansky-Freunde sicherlich äußern können zu

-> dem stetig steigenden Benzinpreis
Aber wozu? Jedes Jahr vor Ostern steigt er ins Astronomische, jedes Jahr ein wenig mehr. Das ist weder neu noch ist es eine Überraschung wenn die Lobbyisten der Autofahrer postwendend von“Kartell, Preisabsprachen, Schröpferei“ sprechen. Neu ist lediglich, dass in dem Zusammenhang eine Rechnung aufgemacht wurde, wie viel der Staat daran mit verdient und dieser gefälligst die Pendlerpauschale anzuheben habe. Das Thema ist hinreichend diskutiert, sogar in Regierungskreisen. Rösler sagt „Ja!“, Merkel „Nein!“, womit die Debatte ein Ende hat. Natürlich freut’s die Kanzlerin, ein paar Milliardchen mehr im Säckel zu haben. Ist doch wurscht, wenn der Bürger bei jedem Kontoauszug sein persönliches Griechenland erlebt, die Bank aber sicherlich nicht an einen Schuldenschnitt denkt. Im Gegenteil, die verdient ja an den Überziehungszinsen munter weiter. Wie schon gesagt: Das Thema ist breit genug erörtert. No more comments…

-> grassierender Weltpolitik
Auch hier wurde alles schon gesagt, was es zu sagen gibt. Und nicht erst durch Günther Grass. Er war nicht der Erste, der deutlich ausgesprochen hat, dass ein Angriff Israels auf den Iran eine Wahnsinnstat wäre. Das hat Verteidigungsminister Thomas de Maiziere seinem israelischen Amstskollegen Ehud Barak in Berlin auch gesagt, das hat der ehemalige Mossad-Chef Meir Dagan in der israelischen Presse ebenfalls getan.
Die automatisch einsetzende Empörungsmaschine, die immer dann anspringt, wenn ein Deutscher die Politik Israels öffentlich kritisiert, lief zuverlässig an (deutsche Wertarbeit eben). Die Antisemitismuskeule wurde erwartungsgemäß gezückt, nicht nur von Politikern aller Koloeur, auch vom Zentralrat der Juden und Grass‘ Nobelpreiskollegen Elie Wiesel. Die Leserbriefspalten der Zeitungen füllten sich ebenso wie die Kommentarfelder der Internetmedien. Das Feuilleton hat in dieser eher themenarmen Saison etwas zu diskutieren und alle haben sich zu Wort gemeldet. Da können wir uns entspannt zurücklehnen und müssen nicht auch noch eine Shofar herauskramen und hineinblasen…

-> den schmollenen Party-People
denen das Karfreitagstanzvergnügen auch weiterhin versagt bleibt. Wild tobte sich die Empörung am diesjährigen Karfreitag bei Twitter und Co. aus. Die Party-People waren überaus stinkig, dass sie an einem stillen Feiertag selbigen entsprechend zu begehen haben, und dass bestimmte Formen der Belustigungen eben an solchen Tagen nicht oportun sind.
Warum, so argumentieren sie, sei ihnen das Tanzen verboten, sie würden weder in oder vor der Kirche abzappeln noch irgendeinen Kirchgänger bei seinen Bedürfnissen behindern oder stören. Sie seien schließlich nicht aus der Kirche ausgetreten, um sich weiterhin reglementieren und in ihrem Verlangen nach grenzenlosem Spaß einschränken zu lassen. Schallt es von den Kirchenbanklern zurück: Wenn sie aus der Kirche ausgetreten und bekennende Atheisten seien, warum sie dann überhaupt beanspruchten, an einem kirchlichen Feiertag frei zu haben. Denn die Arbeitsbefreiung (=Feiertag) sei doch ursprünglich mal eingeführt worden, um den Gläubigen die Möglichkeit zu geben, an ihren Zeremonien (Gottesdiensten u.ä.) teilzunehmen, und nicht, um ein verlängertes Partywochenende zu haben. Wer also nicht in der Kirche Paul Gerhardts „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EKG 85) singen möchte, habe eigentlich gar keinen Anspruch auf einen kirchlichen Feiertag…
Sie kennen die Diskussion, wir auch – es ist alles gesagt, nur noch nicht von allen. Daher ist auch hier kein weitereres Gezetere von Nöten.

-> dem wortgewaltigen, politiereisenden Hoeneß
Sie haben das Interview gelesen, dass er der BILD gegeben hat? Uli Hoeneß Angriff auf die Piraten könnte man kommentieren, muss man aber nicht. Zuviel der Ehre für einen Bratwurstfabrikanten, der von sich sagt, er wisse, was er kann und was er nicht kann. Schweigen, wen man keine Ahnung hat, wie es der Linux-Pinguin schon vor Jahren empfohlen hat, kann er offensichtlich nicht.  Seine Polemik gegen die Piraten, mit denen man nicht unbedingt sympathisieren muss, um diese Äußerungen als komplett überflüssig zu betrachten, greift enorm kurz: Wenn eine Partei wie die Piraten neun Prozent hat und gar nicht weiß, wofür sie eigentlich steht, dann macht mir die Sache Angst.
Es ist der Mühe nicht wert, sich mit den Inhalten des wortgewaltigen, medien-besessenen Bayern-München-Präsidenten differenzierter auseinanderzusetzen.   Wer sich selbst auf Augenhöhe mit Horst Seehofer und Alfons Schubeck als bayerisches Dreigestirn sieht, dem muss eine Partei, die frischen Wind macht, befremdlich erscheinen. Warum er sie aber für würdig genug befindet, ohne Veranlassung gegen sie zu polemisieren, muss Spekulation bleiben…

In diesem Sinne: Frohe Ostern, eiern Sie ruhig so richtig rum, das tun schließlich alle…

4 Gedanken zu „Was von Czyslansky nicht gesagt werden muss…“

  1. Stimmt nicht ganz. Einen Aufreger haben wir ja doch noch. Ich habe lange geschwiegen, heute bin ich geplatzt. Pharisäer reizen mich immer. Dabei ist ein neuer Artikel entstanden, gib mir noch 3 Minuten. Und: Noch ist nicht Ostern.

  2. Eigentlich sind Kommentare zu diesem Beitrag unangebracht, aber ich wollte doch als Irlandreisender meine erfahrung teilen, dass am Karfreitag die sauflustigen Iren zwangsweise trocken bleiben müssen. Als ich nach er Golfrunde in Athlone im Clubhaus ein Guiness verlangte, schaute mich die Wirtin an, als ob ich ein gottloser Protestante sei (was ich auch bin, zumindest tauftechnisch) und gab mir statt dessen einen Irish Epresso (Espresso mit Jamison), weil die Zapfanlage abgeschlossen war. Die Iren ziehen diese Nummer übrigens auch an Weihnachten durch. Da bunkern sie rechtzeitig Dosenbier ein und bleiben zu Hause.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .