Reisen und Moral: Israel

reisen und moral – wohin darf man reisen?

die kritischen meldungen aus der türkei häufen sich. die türkische regierung inhaftiert kritische journalisten und die unterdrückung der kurdischen kultur nimmt zu. heute warf erdogan angela merkel mal wieder „nazi-methoden“ vor. dabei entspricht der türkische präsident sicherlich nicht dem ideal eines demokraten. darf man heute als tourist noch in die türkei fahren?

die krim zählt schon seit mehreren jahren zum engeren kreis meiner angedachten urlaubsziele. ich war noch niemals dort und in diesem jahr hätte das gut in meine planungen gepasst. eigentlich wollte ich im kommenden sommer nach jalta. aber wann immer ich jemanden von diesem plan erzählte, wurde ich mit großen augen angeglotzt: „da kann man doch nicht hinfahren„. „krisen-tourismus“ und „abenteuerurlaub“ waren noch die höflichsten reaktionen. „damit unterstützt du die militärische intervention putins in der ukraine“ – das war dann schon die heftigere reaktion. darf man heute als tourist noch auf die krim fahren?

in vier wochen bin ich im iran. und ich freue mich sehr auf eine eisenbahn-rundreise nach teheran und isfahan, durch die wüste und das gebirge. insgesamt liegen sieben weltkulturerbestätten auf meiner tour. der iran ist eine alte hochkultur. aber zählt er nicht seit george dabbeljuh auch zur „achse des bösen“? darf man heute als tourist in den iran fahren?

und darf man eigentlich als tourist ins amerika donald trumps fahren? und nach israel und dort in die besetzten gebiete palästinas?

reisen und moral: es ist unsere pflicht uns selbst auf reisen zu ändern

spätestens seit ich mit meiner agentur für den flughafen münchen den reise-blog „travellers insight“ aufbaue werde ich immer wieder mit den großen grundfragen um reise und moral konfrontiert: wo darf man hinfahren? kann man mit der Wahl seiner reiseziele irgendwelche moralischen grundwerte verraten?

ich meine: ja – man darf und soll überall hinreisen: mit offenen augen und ohren, mit toleranz und neugier.

briefe aus teheran

 

es darf keine berührungsverbote zwischen den staaten und zwischen den völkern geben. die verunglimpfung anderer länder und regionen als „achse des bösen“ verändert nichts zum guten.

was mich zunehmend nervt, ist der politische rigorismus gerade auch der politischen linken in der bundesrepublik, gerade auch vieler grüner. ich bin in einer zeit groß geworden, in der willy brandt, der nun wirklich sein leben lang ein aufrechter demokrat war, mit seiner neuen ostpolitik den „wandel durch annäherung“ propagierte. er fuhr mit breschnew 1971 über die krim und hat doch niemals seine ideale verraten. er hat das gespräch mit den sowjetischen machthabern gesucht und sich zugleich für den verfolgten solschenizyn eingesetzt.

weder ist das deutsche politikmodell das zwingend notwendige modell für andere länder und völker mit anderen historischen erfahrungen, noch verschlechtern besuche anderer politischer systeme die lebensbedingungen der dortigen opposition. allerdings sollten wir uns stets bewusst sein, dass es hinter der offiziellen fassade eines landes mehr oder weniger unsichtbare weitere welten gibt. das gilt für den iran und russland nicht anders, als für deutschland und die usa.

auf meine reise durch den iran bereite ich mich gewissenhaft vor. ich setze mich mit der geschichte der schiiten auseinander, mit dem regime des schahs, aber auch mit den wirren der revolution von 1979 und den heutigen zuständen im iran. ich lese persische poesie und ein paar aktuelle romane von schriftstellern die den iran verlassen mussten und von autoren, die heute in teheran leben. ich nehme das land, das ich besuche, ernst und bin offen für seine kultur und für seine widersprüche. ich erwarte von touristen, dass sie sich nicht nur für schöne denkmäler und strände interessieren, sondern für die gesellschaftliche aktuelle wirklichkeit, und dass sie sich dieser wirklichkeit stellen, ohne sie vorschnell zu be- und verurteilen.

es ist nicht das ziel, dass man schlauer von einer reise zurückkehrt. wer palästina kennt, der wird mit jedem besuch weniger von irgendeiner „zwei- oder ein-staaten-lösung“ überzeugt sein. reisen machen nicht schlauer, aber sie machen toleranter. und weil das so ist, sollten heute viele menschen in den iran fahren. und auf die krim.

reisen ändert nichts – außer den reisenden!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.