Nicht wir, Alexander ist Papst!

„Alexander“ ist kein guter Name für einen Papst, was sich unter anderem daran zeigt, dass er relativ selten in der zweitausendjährigen Geschichte von Mutter Kirche verwendet worden ist. Gerade sieben Mal ließ sich einer unter diesem Namen mit der dreifachen Tiara krönen, wohingegen es bekanntlich 23 Johannese gab, je 16 Gregors und Benedikts (einschließlich des gegenwärtigen Amtsinhabers), 14 Clemense, 13 Leos (oder heißt es „Lei“?), 12 Innozenze, 11 Piuse („Pii“?) , 9 Bonifatiuse (-i) und 8 Urbans. Unbeliebter waren nur solche Außenseiter wie Paul (6), Sixtus und Nikolaus (je 5) oder Kalixt (3).

Die Alexanders waren überwiegend eher glücklos, blaß oder nahmen ein böses Ende. Alexander I, der so um 106 herum als fünfter Papst die Nachfolge Petris antrat, starb der Märtyrertod. Heute gilt er als der Patron gegen Kropf und Skrofeln. Nein, Sie wollen nicht wirklich wissen was „Skrofeln“ sind. Beten Sie nur, dass Sie keine kriegen.

Danach dauerte es gut tausend Jahre, bis sich wieder einer traute, unter dem Namen anzutreten. Alexander II (ab 1061) mußte sich mit einem Gegenpapst herumschlagen, den die kaiserliche Partei in Deutschland aufgestellt hatte. Später verdarb er es sich nochmal mit dem jungen Heinrichs IV, weil er ihm die Scheidung von seiner Ehefrau Bertha verweigerte.

Alexander III (1159 gekrönt) rang fast zwanzig Jahre mit dem deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und dem englischen König Heinrich II. um die weltliche Vormachtstellung des Papsttums. Er verstarb im Exil von Civita Castellana. Seine Gebeine wurden nach seinem Tod nach Rom überführt, aber sein Grab wurde vom römischen Volk zerstört.

Alexander IV (1199-1261) erfuhr von Manfred, dem Sohn Friedrichs II mancherlei Demütigungen und musste gar aus Rom fliehen. Er betrieb in seinen letzten Lebensjahren vergeblich eine Union mit Byzanz und ein Kreuzzug gegen die Muslime, der 1:0 für den Islam endete.

Als Gegenpapst hatte Alexander V (1340-1410) ein kompliziertes Dreiecksverhältnis mit Gregor XII in Rom und Benedikt XIII in Avignon, also ist es fraglich, ob man ihn überhaupt mitzählen darf.

Der nächste in der Reihe war der berühmt-berüchtigte Alexander VI, der Borgia-Papst, der für seinen, sagen wir, freizügigen Lebenswandel berühmt war. Er überlebte den Dacheinsturz im Petersdom, den viele Gläubige als den Versuch Gottes sahen, seinen mißliebigen Stellvertreter auf Erden zwecks Abrechnung zu sich zu holen. Als er endlich drei Jahre später nach einem offenbar viel zu üppigen Abendessen verstarb, quoll sein Körper binnen kürzester Zeit unnatürlich auf, verfärbte sich schwarz und sonderte eine übelriechende Flüssigkeit ab – für die Zeitgenossen der Beweis, dass er mit dem Teufel im Bund war. Vielleicht wurde er aber auch nur, der damaligen Sitte gemäß, vergiftet.

Alexander VII (1599-1667 ) war ein Freund von Kunst und Wissenschaften und überließ die Staatsgeschäfte weitgehend seinem Kardinalstaatssekretär Giulio Kardinal Rospigliosi, dem späteren Papst Clemens IX.

Alexander VIII (1610-1691) ist hauptsächlich dafür bekannt, dass er in der Frage der Gallikanischen Artikel unnachgiebig war und den französischen Gallikanismus im Jahr 1690 mit der Konstitution „Inter multiplices“ zu unterbinden versuchte. Wenn Sie sich wirklich für den Gallikanismus interessieren, fragen Sie gefälligst Google.

Tja, das alles sollte man vor Augen haben, wenn man nun in dem Zentralorgan der deutschen Marketingwirtschaft, w&v, folgende Headline liest: „Deutsche Suchmaschinen-Päpste wollen die Branche schulen„. Daneben prangt das Foto unseres allzeit geschätzten Mit-Czyslanskys Alexander Holl, der ein sicher spannendes Seminar abhält, und zwar gemeinsam mit Holger Meyer. Die beiden sind nach den Worten des w&v-Texters „die zwei deutschen Väter des Suchmaschinenmarketings“, was hochinteressante famlienrechtliche Fragen aufwirft, auf die wir aber hier nicht näher eingehen wollen.

Mein Punkt ist dieser: Ich weiß nicht, ob Alexander wirklich gut beraten wäre, die Ernennung zum Papst anzunehmen und sich damit in die hier beschriebene Ahnenreihe eingliedern zu lassen. Sollte dagegen irgendwann eine amtliche Namensänderung anstehen, empfehle ich einen Blick in die offiziele Namensliste der Päpste, die von der Katholische Enzyklopädie zusammengestellt worden ist. Vielleicht ist ja was Passenderes dabei….

2 Gedanken zu „Nicht wir, Alexander ist Papst!“

  1. Lei? LEI??? Leones, wenn schon.

    Ansonsten sollten wir uns schnell erinnern, dass sich Alexander Holl als frischgekürter Papst noch schnell einen neuen Namen suchen kann. Die anderen machen es genauso. Sonst könnte nie ein Kevin Papst werden, das wäre ein klarer Verstoß gegen das AGG *gg*

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