mit dab-radio statt ukw stirbt die hörfunk-qualität einen rauschfreien tod

„in europa neigt sich die ukw-ära ihrem ende zu. der empfang im dab-format ist aber unbeliebt – besonders bei den deutschen.“ unter der seltsamen überschrift „radio gaga“ erklärt katharina riehl in der vorgestrigen ausgabe der süddeutschen zeitung den schleichenden tod des ukw-rundfunks. na ja – eigentlich erklärt sie ihn eben nicht.

die abschaltung von ukw geht einher mit dem ausbau des digitalen hörfunks nach dem dab-standard. in deutschland läuft dieser prozess schon seit jahren, und zwar auf recht leisen sohlen. hierzulande hören noch immer mehr als 90 prozent der menschen radio über ukw. in anderen ländern sieht das schon anders aus: in südtirol, der schweiz und in norwegen ist die umstellung von ukw auf dab bald abgeschlossen. die britische insel ist ebenfalls ein vorreiter, wenn es um den dab-ausbau geht. es gibt in immer mehr europäischen staaten feste termine für die abschaltung der ultrakurzwelle.

für deutschland weist die sz zurecht darauf hin, dass der druck aus industrie, funkhäusern und politik in richtung dab derzeit massiv zunimmt, die hörer aber die kosten für neue empfangsgeräte scheuen: alte ukw-empfänger können mit dab eben nichts anfangen. wer digital hören will, benötigt neue digitale hörfunkempfänger.

was der artikel der sz aber unterschlägt ist das problem der mangelhaften übertragungsqualität der allermeisten dab-sender.

um möglichst viele sender in die begrenzten übertragungsbereiche zu quetschen, übertragen die allermeisten sender mit technischen bandbreiten, die weit unterhalb der übertragungsqualität eines starken ukw-senders bleiben.

datenraten für musik und radio im vergleich

um musik über dab in vergleichbarer ukw-qualität zu übertragen, müssten die dab-sender eine übertragungsrate von mindestens 128 kbps (kilobit pro sekunde), besser 192 kbps wählen. wirkliche cd- oder gar vinyl-qualität erfordert eher 256 kbps. dann wird auch der obertonreichtum nicht stärker beschnitten, als auf einer gut gemachten schallplatte. von der qualität moderner hochauflösender medien will ich hier gar nicht reden. und wer schon mal hochwertige jazz- oder klassikaufnahmen in studiobandqualität genossen hat, der weiß von was ich schweige. ich schweige aber auch von mp3. um das zu erreichen genügt bei dab heute schon eine bandbreite von rund 70 kbps.

das hier sind einige ausgewählte datenraten aktueller dab-sender in bayern:

  • 144 kbps: bayern klassik
  • 128 kbps: bayern heimat
  • 96 kbps: bayern 1, bayern 2 (süd), bayern 3, puls (br), 
  • 80 kbps: antenne bayern, rockantenne, radio galaxy und die besseren privaten
  • 64 kbps: bayern 2 (nord) (vermutlich erfordert das fränkische idiom mangels harter konsonanten auch nur eine niedrigere übertragungsrate …)
  • die meisten privaten sender und wortprogramme liegen irgendwo unter 80 kbps. 

fakt ist, dass einzig bayern klassik im dab-verfahren annährend eine dem ukw-standard vergleichbare übertragungsqualität bietet.

kompression und dab
tun dem guten ohre weh …

ist das schlimm? ja, das ist schlimm.  aber das ist nicht das schlimmste. dass man mit dab auch leidlich glücklich werden kann, verdanken wir den herstellern ordentlicher dab-empfänger. ich höre schon länger nicht nur ukw, sondern auch dab mit einem restek edab+ tuner. das ist allerdings ein recht teures vergnügen. damit kann man sowohl ukw, als auch dab+ empfangen und das teil nutzt so ziemlich jeden trick, um das letzte quäntchen qualität aus den dab-sendern rauszuholen. eine preiswertere alternative wäre der kleine restek mtun+, über den ich hier vor jahren schon mal geschrieben habe. 

dab radio von restek

ukw- und dab-radio-empfänger der deutschen hifi-manufaktur restek

schlimmer noch, als die umrüstung von ukw auf dab ist freilich die grausame verstümmelung von musik in sendehäusern und gar schon bei den produktionsfirmen. musik wird immer mehr komprimiert und auf einen durchschnittlichen pegel eingefroren. leise ist nicht mehr leise, sondern mittellaut und sehr laut ist nicht mehr sehr laut, sondern einfach laut. warum macht man das? weil schlechte empfänger und ohrstöpsel leise nicht mehr oder nur schlecht darstellen können und laute musik verzerren. also wird alles irgendwie auf die mitte hin eingedampft. mitte kann jeder empfangen und hören. das wird dann auch noch saftig eingedickt zu einer undifferenzierten klangsoße. das kann man übrigens messen, zur not sogar mit ein wenig erfahrung und einem einfachen smartphone. software gibt es zum beispiel von audiotools oder zum reinschmecken von spaichinger. ich plane in den nächsten wochen mal einen größeren bericht zu entsprechenden lösungen.

so oder so: wir werden ukw vermissen – jedenfalls, wenn wir radio lieben.

2 Gedanken zu „mit dab-radio statt ukw stirbt die hörfunk-qualität einen rauschfreien tod“

  1. Lieber Herr Dr. Kausch,

    ja, DAB erreicht nur sehr selten eine Qualität, die man mit gutem UKW-Empfang gleichsetzen könnte – falls das bei so unterschiedlichen Systemen (eines analog, eines digital) überhaupt so einfach möglich ist. BR Klassik gehört zweifellos dazu, hr 2 sollte mit seinen ebenfalls 144 kbps LC-AAC auch dazugehören, so dort nichts studioseitig vermurkst wird. Die nächstniedrigere Stufe (128 kbps LC-AAC) gibt es dann schon öfters: bei BR Heimat und bei WDR 3, bei Radio Bremen gleich 4 mal (Bremen 1, Nordwestradio, Bremen Vier, Bremen Next) – wenn überhaupt, lohnt sie nur beim Nordwestradio, der Rest ist ohnehin kulturloser Funk.

    Bei 120 kbps gibt es mit einigen Empfängern schon Probleme, die klingen beim schonenderen LC-AAC-Modus dann schauderhaft scheppernd. Deshalb hat der Saarländische Rundfunk bei 120 kbps bereits den technisch aufwendigeren und klanglich heftig synthetisch wirkenden HE-AAC -Modus mit künstlich erzeugten Höhen gewählt. Man nimmt Rücksicht auf mackige, fehlkonstruierte Empfangsgeräte…

    Nicht zutreffend ist aber, dass Bayern 2 Nord nur 64 kbps HE-AAC hätte. Zumindest in den nun neu gestarteten Regional-Muxen ist das Programm mit 96 kbps HE-AAC drin, obwohl kapazitätsmäßig trotz radikal hohem Fehlerschutz EEP 1-A mehr möglich wäre, da der Mux nicht voll ist. Aber es soll wiederum DAB-Empfänger geben, die bei zu hoher Brutto-Datenrate (ab 192 CU) Probleme bekommen, und hohe Brutto-Datenraten erreicht man auch mit niedriger Netto-Datenrate, wenn der Fehlerschutz hoch ist.

    Die reine Audio-Datenrate liegt übrigens deutlich niedriger als die meist angegebenen Werte. Grob kann man sie so ausrechnen: (Brutto-Bitrate „all inclusive“ * 11/12) – Slideshow-Bitrate. Die 11/12 kommen durch eine zusätzliche Reed-Solomon-Fehlerkorrektur, die es beim alten DAB nicht gab, die man bei DAB+ als weiteren Schutz gegen Empfangsaussetzer hinzugenommen hat und die ca. 1/12 Mehrdaten verursacht. Im Falle von BR Klassik hat man also ohne diese Fehlerkorrektur 144 * 11 / 12 = 132 kbps Datenrate und wenn man ca. 10 kbps Zusatzdaten annimmt (http://dabmon.de/data/10a5/monitor_ov_njs.html meldet meist so 1150 – 1200 Byte/s für die BR-Programe), bleiben etwa 122 kbps LC-AAC als reine Audiodaten übrig. Das reicht gerade noch so für sehr guten Klang. Weitere qualitative Einschränkungen bringt das recht starre Datenkorsett der DAB-Superframes, wodurch sich der Coder nicht so frei austoben und mit der Bitrate jonglieren kann wie bei einem „offline“ am PC erzeugten AAC-File.

    Im Jahre 2009 hat die EBU übrigens ein umfangreiches Testhören veranstaltet. Damals gewann 192 kbps MP2, der alte DAB-Standard, mit dem man in den frühen 90er Jahren startete. Die Fachleute gaben dem klanglichen Ergebnis nach umfangreichen Blind-Tests im Mittel über alle gehörten Beispiele ca. 88%. Bei DAB+ / 128 kbps LC-AAC mit vernachlässigbar niedriger Slideshow-Bitrate (resultierende Audio-Bitrate 113,3 kbps) waren es schon nur noch 80%. Bei 96 kbps HE-AAC waren es ca. 68%, jedoch bei so geringer Slideshow-Bitrate, dass für Audio 85,9 kbps übrigblieben. Bei heutigen Slideshow-Datenmengen wären dafür etwa 104 kbps nötig, also in etwa das, was der DLF bietet.

    Der übliche Mux mit 72 kbps heute würde dann teils aufgrund der umfangreicheren Slideshow-Datenraten etwa dem entsprechen, was man damals mit 64 kbps testete: magere 44% Qualität attestierten die Tester, die allesamt Audio-erfahren waren. „Absolut Relax“ im Bundesmux scheint etwa 8 kbps Slideshow zu benutzen, Radio Bob 4 kbps, die meisten anderen etwa 2 kbps.

    Die EBU war über diese Ergebnisse gar nicht erfreut und ließ die Tests wiederholen, diesmal aber mit unerfahrenen Testhörern, also ganz „normalen“ Menschen. Ergebnis: selbst magere 64 kbps HE-AAC erreichten noch ca. 74% Klangqualität. Und so macht man es heute also: fürs ästhetisch ungebildete und gehörmäßig versaute Volk reicht „akustischer Schweinetrog“, die anderen haben halt Pech gehabt. In der Schweiz und in Norwegen treibt man das ebenfalls konsequent bis unter die Erträglichkeitsgrenze. Der Norwegische öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK verweist HiFi-Hörer ganz klar auf das Internet, wo die Programme in guten 192 kbps MP3 bereitstehen. DAB ist nur noch Notempfang für Henkelradio und Auto.

    Wobei, ganz ehrlich: ein Großteil der heutigen Radioprogramme braucht doch auch nicht mehr. Mit Ausnahme der Kulturprogramme ist doch bereits inhaltlich nichts mehr anhörbar. Muß man für diesen Schund hohe Bitraten verschwenden? Das Volk nimmts doch sowieso nicht mehr wahr.

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