Braves Fönchen!

Drücken Sie die Haustürklingel mit dem Zeigefinger? Dann sind Sie über 30. Junge Menschen verwenden dafür mehrheitlich den Daumen. Das behauptet  jedenfalls die Designerin Alice Rawsthorn. Ihr zufolge wachsen junge Menschen mit Gameboys und Smartphones auf, die alle eine Art Mäuseklavier-Tastatur besitzen, die man am besten mit dem Daumen bedient. Und zeigt wiederum: Der Mensch passt sich immer mehr der  Technik an, notgedrungen.

Wie es anders geht, zeigt die kleine US-Firma Vlingo. Sie hat ein kleines Stück Software, neudeutsch „App“ genannt, für den Apple iPhone geschaffen. Ich kann jetzt meinem Telefon Befehle geben, zum Beispiel: „Call Gabi!“ Dann ruft er, wie von Geisterhand gesteuert, die Nummer meiner Frau an.  Ich kann ihm sogar komplizierte Befehle geben, wie zum Beispiel: „Mail Michael. Subject: Heute Abend. Message: Let’s meet for dinner“. Leider versteht das Programm bislang nur englischsprachige Befehle, aber immerhin: Es klappt, und das sogar auf Anhieb.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich warte schon lange darauf, dass ich mit meinen digitalen Hilfsgeräten reden kann.  Genau genommen warte ich schon seit 30 Jahren. 1980 hatte ich mich gerade selbständig gemacht und bekam von der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ den Auftrag, einen Text über die Zukunft des Computers zu übersetzen. Darin wurde ein damals noch völlig unbekannter junger Mann namens Bill Gates mit den Worten zitiert: „Das nächste große Ding in der Computerei wird Sprach-Ein- und Ausgabe sein. Sie werden ihrem Computer reden, und er wird Ihnen aufs Wort gehorchen.“ Auf die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis es so weit ist, antwortete Herr Gates weitsichtig: „Drei bis vier Jahre…“

Nun, es hat etwas länger gedauert. Billy Boy ist kein pickelgesichtiger Jüngling mehr, sondern der reichste Mann der Welt. Und ich habe auch gerade meinen 60sten gefeiert. Und zwischen „mit seinem Computer reden“ und ein paar kurze Befehle ins Telefon bellen ist schon noch ein Riesenunterschied. Aber immerhin tut sich etwas.

Dafür könnte ich demnächst als Übersetzer arbeitslos sein, jedenfalls wenn es stimmt, was man über Googles neuen Dienst „Translate“ liest. Die Suchmaschine versucht gar nicht erst, eine Frage zu verstehen, wie alle Übersetzungsprogramme bisher, sondern vergleicht das, was ich eingebe, mit Texten, die schon vorher von anderen übersetzt worden sind. Dazu hat Google die Millionen und Abermillionen von Texten ausgewertet, die beispielsweise in Brüssel bei der EU oder bei der UNO in New York angefallen sind, und lässt sich die Ergebnisse durchrechnen. Die Trefferquote soll erstaulich hoch sein, höher jedenfalls als bei konventioneller Maschinenübersetzung.

Ich habe spaßeshalber folgenden Satz bei Google eingegeben: „When will the stupid computer be able to understand everything I say?“ Das Ergebnis lautetete: „Wann wird die dummen Computer in der Lage sein, alles zu verstehen, ich sage?“ Nicht schlecht, aber auch noch nicht vollkommen grammatikalisch. Vielleicht habe ich ja doch ein eine Chance, paar Jährchen lang noch Arbeit zu bekommen. Und wenn sie nur darin besteht, Computerübersetzungen zu redigieren.

Eines Tages wird es aber tatsächlich so weit sein. Ich werde vor meinem Computer sitzen,  ihm solche Texte wie diesen diktieren, ihm Befehle geben und ihm vielleicht, wenn ich ein einsam bin, ein paar Geschichten aus meiner Jugend erzählen. Von Bill Gates und von PCs, die man noch per Maus und Tastatur bedienen musste. Und wir werden beide herzhaft lachen. Vielleicht erscheint auf dem Bildschirm ein kleines Gesicht, das mir mit einem Auge zuzwinkert, ein „Smiley“, eben.

Aber das kann noch eine Weile dauern. Drei bis vier Jahre, mindestens…

2 Antworten

  1. ich will nicht auch noch mit meinem Handy reden müssen.
    Es reicht schon dass ich mit den Menschen reden muss, die mich anrufen
    Ein wirklich gutes Handy ist eines, was mich in Ruhe lässt und weiss mit wem ich reden will und mit wem nicht …

  2. schon zaphod beeblebrox verzweifelte seinerzeit, als er in einem aufzug mit sprachinterface nach oben fahren wollte, dieser ihn wohl verstand, aber elend lang versuchte die vorzüge einer fahrt nach unten zu erläutern:

    ————
    „“Hello,“ said the elevator sweetly, „I am to be your elevator for this trip to the floor of your choice. I have been designed by the Sirius Cybernetics Corporation to take you, the visitor to the Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy, into these their offices. If you enjoy your ride, which will be swift and pleasurable, then you may care to experience some of the other elevators which have recently been installed in the offices of the Galactic tax department, Boobiloo Baby Foods and the Sirian State Mental Hospital, where many ex-Sirius Cybernetics Corporation executives will be delighted to welcome your visits, sympathy, and happy tales of the outside world.“

    „Yeah,“ said Zaphod, stepping into it, „what else do you do besides talk?“

    „I go up,“ said the elevator, „or down.“

    „Good,“ said Zaphod, „We’re going up.“

    „Or down,“ the elevator reminded him.

    „Yeah, OK, up please.“

    There was a moment of silence.

    „Down’s very nice,“ suggested the elevator hopefully.

    „Oh yeah?“

    „Super.“

    „Good,“ said Zaphod, „Now will you take us up?“

    „May I ask you,“ inquired the elevator in its sweetest, most reasonable voice, „if you’ve considered all the possibilities that down might offer you?“

    Zaphod knocked one of his heads against the inside wall. He didn’t need this, he thought to himself, this of all things he had no need of. He hadn’t asked to be here. If he was asked at this moment where he would like to be he would probably have said he would like to be lying on the beach with at least fifty beautiful women and a small team of experts working out new ways they could be nice to him, which was his usual reply. To this he would probably have added something passionate on the subject of food.

    One thing he didn’t want to be doing was chasing after the man who ruled the Universe, who was only doing a job which he might as well keep at, because if it wasn’t him it would only be someone else. Most of all he didn’t want to be standing in an office block arguing with an elevator.

    „Like what other possibilities?“ he asked wearily.

    „Well,“ the voice trickled on like honey on biscuits, „there’s the basement, the microfiles, the heating system … er …“

    It paused.

    „Nothing particularly exciting,“ it admitted, „but they are alternatives.“

    „Holy Zarquon,“ muttered Zaphod, „did I ask for an existentialist elevator?“ he beat his fists against the wall.
    ————–

    der aufzug war natürlich weder existentialistisch, noch neurotisch. er hatte nur eine ahnung von der zukunft und wollte zaphod einen ganzen haufen ärger ersparen. er verband also in gewisser weise die schlauheit des alexandrinischen handys mit der sprachkompetenz des timschen. wohin soll das alles führen? vermutlich einfach zum nächsten kommentar …

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