Lohnt sich die ganze Bloggerei überhaupt?

Heute schon gebloggt? Nein? Na, dann aber hurtig! So wie Tausende von Durchschnittsdeutschen auch. Gut, es gibt immer noch ein paar Ewiggestrige, die keinen Sinn darin sehen, ein öffentliches Tagebuch zu führen. Mein Freund Fritz, zum Beispiel, der sieht mich immer ganz mitleidig an. Als Schwabe ist es für ihn unvorstellbar, jahrelang Zeit und Gehirnschmalz in ein Projekt zu investieren, das keinen Gewinn abwirft.

Er hat ja recht. Ich versuche zwar, die Bloggerei wenigstens vor mir selbst irgendwie zu rechtfertigen, aber wenn ich ehrlich bin, ist das Bloggen für mich erst einmal ein Laster wie Rauchen oder Thomas Gottschalk. Was nicht heißen soll, dass ein Blog nicht auch wirtschaftlich Sinn machen kann. Der Kanadier John Chow macht mit seinem Blog oft mehr als 30.000 Dollar im Monat, behauptet die Analystengruppe „Selbständig im Netz“. Deutscher Spitzenverdiener soll übrigens Matthias Bachor aus Düsseldorf sein, der es mit seinem Meinungs-Blog angeblich auf rund 800 Euro im Monat bringt.
Im Vergleich zu Sternen am Blogger-Himmel wie Chow und Bachor bin ich ein ganz kleines Licht, aber immerhin sind auch zu mir schon Neukunden gekommen, die durch Bloglesen auf mich aufmerksam wurden. Und mein geschätzter Kollege Peter Steinmüller, der früher bei der Zeitschrift ProFirma meine regelmäßige Monatskolumne einfühlsam betreute, hat sich dort auch schon mal zu der einen oder anderen Themenidee inspirieren lassen, die ich dann gewinnbringend umsetzen durfte.

Das schöne am Bloggen ist ja, dass man auch als ganz normaler Amateur-Blogger nach den Sternen greifen kann. Man muss es nur in die Charts schaffen. Ja, die gibt es wirklich, nämlich Blogcharts. Spitzenreiter ist dort Robert Basic von Basicthinking, der Nachrichten und Meinungen aus der Blogosphäre veröffentlicht. Er bloggt also über andere Blogs und Blogger, und die danken es ihm, indem sie auf ihn verlinken. 1.831 solcher digitalen Verbindungsstränge hatte er schon gesammelt, als ich das letzte Mal reinschaute. Damit hat er keinen Geringeren als BILDblog.de auf Platz zwei verbannt, eine Website, die immer wieder die Tageszeitung mit den ganz großen Buchstaben aufs Korn nimmt. Die haben es bislang nur auf 1.355 Links gebracht.

Auch Beispiel wie der Berliner Johnny Häussler machen Mut, der auf www.spreeblick.de ohne ein großes Verlagshaus im Rücken ein äußerst erfolgreiches Online-Magazin über Pop, Politik und Produkte herausgibt und es damit auf Platz vier gebracht hat. Oder Udo Vetter, seines Zeichens Fachanwalt für Strafrecht, der mit seinem Law Blog auf Platz sieben liegt und damit natürlich auch kräftig Werbung für sich und seine Kanzlei macht. Und nicht zu vergessen einer meiner absoluten Libelinge, Shopblogger Björn Harste aus Bremen auf Platz 22, der aus seiner „Spar“-Supermarktfiliale über Biobutter,, Rezepte für Zuckershoten und die Urlaubsvertretung seiner Putzfrau berichtet, womit er sich inzwischen eine treue Fangemeinde aufgebaut hat, nicht nur an der Weser.

Geben wir also zu: Bloggen macht Spaß! Es ist auch gut fürs Geschäft. Laut einer Studie des IT-Branchenverbands BITKOM setzt über die Hälfte der deutschen Unternehmen bereits auf „Web 2.0“, also auf Blogs, Wikis oder soziale Netzwerke, um mit ihren Kunden zu kommunizieren. Die Zahl wird wachsen, auch wenn sich der Return on Investment nicht immer sofort rechnen lässt.

Aber Sie lesen hier ja noch, statt selbst zu bloggen. Worauf warten Sie eigentlich noch?

Ein Gedanke zu „Lohnt sich die ganze Bloggerei überhaupt?“

  1. lieber tim,

    ich weiss zwar nicht, was du meinst, wenn du schreibst, dass das rauchen für dich ein laster sei – dann hättest du speditionskaufmann werden sollen – aber dein beitrag gibt mir doch anlass auf einige schöne tools zu verweisen, die es erlauben sich im dschungel der blogs ein wenig besser zurechtzufinden. dass es solche tools gibt, ist ein hinweis darauf, dass die ganze bloggerei aus dem stadium der binnenkommunikation zug um zug heraustritt und zu einem gängigen massenkommunikationsmittel wird, in dem sich auch alte zöpfe wie wir bewegen wollen oder müssen. hier also die tipps:

    1. ziemlich neu und wirklich spannend ist wohl das blogverzeichnis http://www.blogoscoop.net. man kann blogs suchen (und finden), dabei nach tags und regionen recherchieren und erhält auch hinweise auf die popularität von blogs. die maschine ist noch nicht ganz fertig und wird auch noch ständig umgebaut.

    2. auch nicht schlecht ist die http://www.bloggerei.de, wie blogoscoop als erweitertes verzeichnis für deutsche blogs angelegt. die bloggerei gibt es schon ein wenig länger und deshalb ist auch schon mehr drin, als auf blogoscoop.

    3. last und nicht geleast sei noch auf http://www.blogato.net verwiesen. blogato basiert sowohl auf einer sowohl maschinellen als auch einer manuellen Einschätzung der Blogqualität. suchergebnisse lassen sich per rss abonnieren.

    ach ja: czyslansky muss dort noch angemeldet werden. werde ich in kürze mal machen 😉 damit die welt uns finde …

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