In dubio pro Medienhype?

Wann wurde das mit dieser Unschuldsvermutung eigentlich abgeschafft? Und wieso habe ich das schon wieder nicht mitbekommen?
Was ich jedoch heute mehrfach gelesen habe ist, dass Monsieur Strauss-Kahn in jedem Fall fertig hat, wie Trappatoni gesagt hätte. Egal, ob er wirklich so blöd gewesen ist, zu glauben er könne straf- und skandalfrei ein Zimmermädchen vergewaltigen. Ungeachtet dessen, ob er wirklich so ein Schwein ist, oder ob er hereingelegt worden ist.

Tauss, Kachelmann, Türk, Strauss-Kahn uvm. … Die Medien warten nicht, bis ein unabhängiges Gericht, nach solider und professioneller Ermittlung ein Urteil gesprochen hat, sie hetzen den Pöbel zur Reputations-Lynchjustiz auf.

Und alle machen begeistert mit und feixen und spotten … Facebook, Twitter … überall werden Witze gerissen und wird verhöhnt … Klar ist das lustig und einige der Kalauer sind auch wirklich witzig, aber wer macht sich denn dann nach ein paar Monaten die Mühe und rehabilitiert denn den, dessen Unschuld erwiesen wurde? Ich erinnere mich nicht an eine Onlinekampagne: Wir wollen Andreas Türk wieder haben?

Warum kann ein Politiker – wenn seine Unschuld von einem Gericht eindeutig erwiesen worden ist – nicht Präsident von irgendwas werden oder bleiben können? Warum soll ein Moderator nicht wieder ins Fernsehen dürfen, wenn er von der Vorwürfen freigesprochen wurde?

Dieses retro-moralische Lästern begünstigt die, die an jemandem Rufmord betreiben wollen, denn das ist verdammt einfach geworden!
Was brauche ich denn um einen Politiker zu stürzen? Eine Frau die lügt und einen Twitteraccount … wie schwer ist das zu bekommen?

2 Gedanken zu „In dubio pro Medienhype?“

  1. @alexander
    also ein twitter-account ist leicht zu bekommen …

    im ernst: was mich ungemein geärgert hat war die berichterstattung am ersten abend im heute journal: ausgerechnet die rechtsradikale le pen durfte dort ein statement zu strauss-kahn ablassen. bislang haben die öffentlich-rechtlichen sich bei den rechtsextremen eigentlich immer mustergültig verhalten: bekämpfen wo möglich, ignorieren wenns nicht anders geht! ich erinnere an die wahlkampfrunden, wenn die dvu oder die npd in den landtag gewählt wurde und deshalb mit an den runden tisch durfte. sie wurden immer so weit möglich ignoriert. aber dass man die französische adolfine nun völlig unnötig zu wort kommen lässt zeigt, dass man im zuge öffentlich-rechtlicher schnellhinrichtungen auch schon mal vergisst, wem man da das micro hinhält.
    das zdf als sprachrohr für die französischen rechtsradikalen: da fallen schranken, die man mit journalistischer sorgfaltspflicht wegen fallender politikerhosen nicht legitimieren kann.

  2. Die Journaille schreibt, was der Pöbel hören will und nicht, was er wissen soll. So einfach ist es heute in der ach so illustren Medienlandschaft. Der Publizist prostituiert sich und dazu bedarf es noch nicht einmal einer erkennbaren Intelligenz, da die Beweggründe der konsumierenden Mittelmasse der Gaußschen Normalverteilung allzu leicht einzuschätzen sind.

    Und warum steht der hirnretardierte Durchschnittsbürger auf so einen widerwärtigen Scheiß? Ich glaube ganz einfach deswegen, weil es angenehmer ist sich einen dabei runter zu holen, wenn ein anderer in die Pfanne gehauen wird, als selbst in eben jener zu landen.

    Ich könnte angesichts dieser immer mehr zunehmenden Menge an Vollpfosten und Wasserträgern eigentlich nur noch kotzen.

    Mahlzeit!

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