In die Röhre schauen…

Wer macht das schon gern – also in die Röhre schauen?

Aber wenn, dann möchte man wenigstens, das Licht in der Röhre ist, wenn man einen Braten, einen Kuchen oder einen Auflauf in selbige schiebt. Das ist jetzt durchaus ernst gemeint. Die Backofeninnenbeleuchtung ist ein Segen der modernen Zivilisation. Und im Gegensatz zum Kühlschrank lässt sich selbige im Ofen auf seine Funktionalität hin überprüfen. Oder eben auf seine Dysfunktion. Dann nämlich bleibt es dunkel in der Röhre. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es auch kalt bleibt. Oder: Um es kurz zu machen: So ein Birnchen brennt gerne mal durch. Auch im Backofen. Aber der heizt dann trotzdem weiter.

Nun ist das Birnchen in einem AEG (Mod.: BP 5014321M) Einbauofen gar kein Birnchen sondern ein Halopin; genauer gesagt: Eine OSRAM Halogen Backofenlampe EEK D G9 bis 300 Grad Special Oven T-Kolben / 40 Watt / Stecksockel / warmweiß – 2700K.
halopinUnd ein solches Teil gibt im heimischen Herd seinen Geist auf – also kein Licht mehr ab. Und damit beginnt eine merkwürdiges Wiederbeschaffungsodyssee.

Da mehrere Leuchtmittel ihre Mitarbeit in unserem Haus hartnäckig verweigern, begebe ich mich auf Einkaufstour in den nächstgelegenen Baumarkt. Der hat – so denke ich – alles. Na ja fast.
Und so sammeln sich in meinem Warenkorb eine neue Monstera fürs Wohnzimmer nebst neuem Übertopf, Futter für meine Terrarientiere, neue Haarsiebe fürs Bad, eine neue Lampe für die Außenleuchte vor der Haustür, ein weiteres Leuchtmittel für die Dunstabzugshaube und noch ein wenig mehr.
Aber so sehr ich vor dem Angebot an geschätzt 2.735 verschiedenen Glühbirnen stehend nach der Halopin suche: Ich habe kein Glück. Halopins gibt es natürlich: Aber sie sind nicht hitzebeständig, also nicht für den Ofen geeignet.
Ofenlampen gibt es auch – die aber haben einen anderen Sockel. Was ein Mist.
Also springe ich über meinen Schatten, wende mich der Information zu und frage im Hilfe. Ein freundlicher Fachverkäufer erklärt mir, dass man diese spezielle Lampe nicht habe.
„Die ist ja auch total selten“, sagt er, als ich ihm ein Foto von der Birne zeige, die ich zu kaufen gedenke. „Die werden ja gar nicht verbaut.“
Da irrt er. AEG vebaut die. Und AEG ist nicht gerade irgendeine skurrile Herstellermarke aus Mittelfernsüdost, kein Grauimport und schon gar kein Billig-Gelump.
Hilfreich, wie der Fachverkäufer ist, bemüht er sich, die Halopin zu bestellen. Er wälzt Katalog um Katalog. die Zeit verrinnt. Aber wird nicht fündig.
Damit weiß ich: Wenn nicht in diesem Baumarkt, werde ich wohl auch im nächsten (gleicher Franchisenehmer) nicht fündig. Na gut.
Ich gebe mich geschlagen und bedanke mich freundlich trotz unterlassener Hilfeleistung.
„Fragen Sie doch mal dort, wo Sie den Herd gekauft haben“, meint der Mann zum Abschied.

Genau das machen wir.
Meine Frau ruft im Elektrofachgeschäft im Nachbarstädtchen an. Dort haben wir vor ein paar Jahren den Herd gekauft, vielleicht können die uns helfen.

„Selbstverständlich“, bestätigt die ebenfalls freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin am Telefon. „Wir haben alle gängigen Birnchen im Geschäft, kommen Sie doch einfach vorbei. Am besten bringen sie das ausgebaute Birnchen mit, dann wissen wir gleich, was wir brauchen.“
Das klingt höflich, kompetent, wohltuend. Mit dem guten Gefühl den lokalen Handel wieder mal zu unterstützen beendet meine Frau das Telefonat.

Ein paar Tage später kommt ein hilfreicher Mensch, der sowieso zu dem Geschäft wollte, um etwas abzuholen, unverrichteter Dinge wieder zurück. Zwar hatte er, nachdem er angeboten hatte, uns das Birnchen mitzubringen, das kaputte mitgenommen, aber vor Ort schüttelt ein anderer Mitarbeiter des Geschäfts verwirrt den Kopf. Es reiche nicht, das Birnchen mitzubringen, er müsse schon wissen, für welchen Herd das sei. Die Modellnummer sei wichtig und so weiter und so weiter.
Das nun will mir wieder nicht in denKopf. Auf dem Birnchen steht doch alles drauf – genau das gleiche und gut ist das. Und wenn nicht, dann hätte es lediglich eines kurzen Blicks in die Kundenkartei bedurft und der gute Mann hätte ja sehen können, welchen Ofen er für unsere Küche damals erst bestellt und dann verbaut hatte.

Eingedenk des tee-dramatischen Problems von Czyslansky-Freund Cole und seiner überaus pragmatischen Lösung habe ich Nämliches probiert: Nämlich geschaut, ob ich das Birnchen nicht irgendwo bestellen kann.
Die Google-Suche Osram Backofenlampe bestellen führt mich zunächst zu einem Leuchtmittelversender. Alle Spezifikationen zu der Birne studiere ich, damit es eben auch ganz sicher eine für die Röhre ist. Außerdem lerne ich, dass das Ding Halopin heißt, aber momentan nicht vorrätig ist.
Also weiter:
Google-Suche die zweite: Osram Halopin Backofen bestellen
Und das führt mich wohin?
Richtig: Zu Amazon. Im Marketplace bietet Leuchtmittel Hartmann genau das Lämpchen an, das wir brauchen: 4,91 Euro das Stück – versandkostenfrei.
Lieferung in 2-3 Werktagen.

Was weder die Fachverkäufer im Baumarkt noch im Elektrogerätefachhandel schaffen, kann ich also mühelos selbst online machen: Eine Halopin bestellen, die auch 300°C aushält. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch Geschäfte betrete. Man schaut doch sowieso nur in die Röhre…

4 Gedanken zu „In die Röhre schauen…“

  1. Was ich deiner Halopin-Odysee bemerkenswert finde, ist dass du am Ende doch bei einem ganz normalen mittelständischen Händler gekauft hast, nämlich der Firma Leuchtmittel Hartmann. Diese gehört einer gewissen Elena Hartmann aus Hünstetten, einem Kaff im Hessischen irgendwo bei Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis. Unter der gleichen Adresse ist eine Firma Matthias Hartmann UG eingetragen, die sich als Großhändler für Elektroinstallationsgeräte und -Zubehör abezeichnet. Er betreibt aber auch die Deutschland-Niederlassung der Firma Shada N.V. im niederländischen Apeldoorn, die wiederum in China LEDs und andere Leuchtmittel produziert. Elena, so ist zu vermuten, ist seine Frau oder vielleicht seine Tochter. Auf Google Earth ist ein geräumiges Anwesen im Dorfzentrum von Hünstetten zu sehen mit einem großen Hof und einer noch größeren Scheune oder Lagerhalle, wo vermutlich die aus China eingeführten Leuchtmittel lagern. Ein ländlicher Handelsbetrieb, also, der nur eben auf die geniale Idee gekommen ist, im Fernost einzukaufen und den Vertrieb auf Amazon auszulagern. In der Fachsprache nennt man das ein „hybrides“ Geschäftsmodell, nämlich online und offline geschickt miteinander verzahnen. Immer mehr Firmen entdecken gerade die Vorteile eines solchen Modells. Du brauchst also gar kein schlechtes Gewissen zu haben: Du hast nicht den Moloch Amazon gefüttert, sondern ein richtiges deutsches Mittelstandsunternehmen unterstützt!

  2. Amazon lässt sich für seine Marketplace Dienste allerdings bezahlen. Zu Recht übrigens.
    Interessante Blitzrecherche mein Lieber.

    Was mich in der Angelegenheit allerdings eben verwirrt hat, ist, dass ich innerhalb von fünf Minuten etwas bestellt und gekauft habe, was der eine in seinen durch und durch analogen Katalogen nicht finden konnte und der andere nicht mal versucht hat zu finden…
    Der Punkt geht also klar an Online. Wieder einmal.

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