Herr Sarrazin und die Schalthebel der Macht

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Der wegen rassistischer Äußerungen in Ungnade gefallene Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin ist, wie die „Süddeutsche“ heute berichtet, „weitgehend entmachtet“ worden: Künftig sei er nur noch für die IT zuständig. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde diese Bewertung der Vorgänge etwas eigenartig. Wer, bitteschön, ist heute in der vernetzten Wirtschaft mächtiger als der Mann, der über die Computer herrscht? Mit einem Knopfdruck kann er sämtliche anderen Vorstände lahm legen oder mundtot machen. Er kann sie vom Internet abschneiden oder ihre Mail-Accounts sperren. Er kann die Gehaltsdatenbank aufrufen und ihre Bezüge kürzen oder sogar die bereits bezahlten Boni wieder zurückbuchen lassen. Er kann eine dicke Spende an den Türkischen Kulturverein in Berlin überweisen und damit zeigen, dass er in Wirklichkeit gar kein bornierter Xenophobe ist, sondern ein Mann von (Multi-)Kultur. Also, wenn Ihr mich fragt: Degradierung sieht anders aus!

2 Gedanken zu „Herr Sarrazin und die Schalthebel der Macht“

  1. Wunderbar. Ich werfe meinen Artikel weg, Deiner ist besser *gg*

    Aber bitte tut mir einen Gefallen: Wer ein Kopftuch anzieht, wechselt nicht seine Rasse. Türke zu sein ist eine Nationalität. Deutscher zu sein auch. Wird ein Türke eingebürgert, wechselt er nicht die Rasse. Auch nicht nach ein oder zwei oder drei Generationen – es gibt keine Rassen. Das gilt auch für alle eingebürgerten Polen, die man heute höchstens an ihren Familennamen erkennt. Es gibt auch keine arabische Rasse. Arabisch ist eine Sprache und die arabischen Länder sind die, wo arabisch gesprochen wird.

    Somit sind die Äußerungen des Herrn Sarrazin vielleicht undiplomatisch, vielleicht unerträglich populistisch, vielleicht sachlich richtig und dennoch verkehrt, vielleicht einfach nur dumm, aber eines sind sie nicht: Rassistisch.

    Anyway: Dein Artikel trifft ins Schwarze. Entmachtet, hihi.

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