„Die hard, Kendall Jones…“

Sie wünschen ihr den Tod an den Hals. Verrecken soll sie. Am besten langsam und qualvoll. Die hard.  Vielleicht – so schlägt ihr jemand vor – erschießt sie sich selbst, das ginge am schnellsten. Oder, so schlagen einige vor: In einer Arena sollen Löwen auf sie gehetzt werden, ganz wie bei den Gladiatorspielen. Andere hoffen auf einen schweren Autounfall mit ihrem Jeep, am besten von einem Nashorn gerammt. Wieder andere wünschen ihr eine tödliche Tropenkrankheit an den Hals. Ebola… Mindestens.
Kaum jemand hat in den vergangenen Wochen so viele unverholen brutale und aggressive Beschimpfungen und Verwünschungen über sich ergehen lassen müssen wie Kendall Jones.

Kendall wer?

Kendall Jones, ist eine 19jährige Amerikanerin aus Texas. Bis vor kurzem war sie der Weltöffentlichkeit nahezu unbekannt, obwohl ihr Facebook-Fanseite sie als eine öffentliche Person ausweist. Und die ist sie jetzt auch. Immerhin bringt sie es auf mittlerweile knapp 500.000 likes. Die Tendenz rasant steigend – denn je mehr Hass ihr entgegenschlägt, umso mehr Begeisterung weckt sie bei anderen Menschen.

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Kendall Jones polarisiert und bedient alle Klischees, die man sich denken kann. Damit stehen für alle Vorurteile Tür und Tor sperrangelweit geöffnet:

  • Sie ist 19, also ein Teenager. Man wirft ihr vor, unreif und unerfahren zu sein. Naiv… und dumm. Wie eben alle Teenager so sind.
  • Sie ist Amerikanerin, noch dazu aus Texas. Was wohl heißt, dass sie eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Welt hat. Texaner kennen nur Texas und das texanische Way of Life. Und das reicht ihrer Meinung nach. Was anderes gibt es nicht, was besseres sowieso nicht.
  • Sie ist blond und war bis vor kurzem Cheerleader. Noch Fragen?

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Verbrochen hat Kendall Jones nichts. Jedenfalls hat sie nichts getan, was gegen geltendes Gesetz verstößt. Und doch mutet im Vergleich zu ihr der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un wie ein Waisenknabe an, zumindest, was die Hasstiraden gegen seine Person betrifft. Kendall punktet auf ganzer Linie, obwohl sie im Gegensatz zum Regierungschef in Pjönjang bisher keinem Menschen etwas zu Leide getan hat.
Nein. Menschen nicht.
Aber Viechern.
Kendall Jones hat ein sehr merkwürdiges Hobby: Sie ist Großwildjägerin. Und sie präsentiert sich der Weltöffentlichkeit via Facebook und Twitter so, wie man es aus Kolonialzeiten, Gutsherrenart, Standesdünkel und den Hollywood-Filmen der 60er Jahre kennt: Das erlegte Wild zu ihren Füßen, in stolzer Pose mit der Waffe im Arm. John Wayne, Clint Eastwood, Hard Krüger und co haben das auch gemacht. Aber das war Film. Kendall Jones aber ist Real Life, und das mögen weder Tierschützer noch Tierrechtsdogmatiker. Also schießen sie zumindest verbal im Namen der ermordeten Kreatur zurück. Mit Kanonen.

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Man erinnere sich: Als 2012 ein älteres Foto des spanischen Königs Juan Carlos in ähnlicher Pose vor einem erlegten Elefanten ausgegraben und kreuz und quer durchs Netz verbreitet wurde, warf man dem Monarchen Prunk- und Geltungssucht vor, mangelnde Sensibilität und Geldverschwendung. So ein Abschuss kostet rund € 20.000 laut damaligem Sternartikel. Der WWF fürchtete um seine Glaubwürdigkeit, denn der König war Ehrenpräsident.
Bei Kendall Jones liegt der Fall nicht anders. Nur ist es dieses Mal nicht der WWF, der sich empört. Es sind wie erwähnt Tierfreunde in aller Welt, die sich durch diese Bilder provoziert und zutiefst verletzt fühlen und sich deshalb zu den bizarrsten Äußerungen und Verwünschungen versteigen. Den  vereinsmäßig organisierten Tierrechtlern kommt das sehr gelegen. Ein paar Tropfen Öl ins Feuer, das reicht schon, um dank Feindbild Kendall und dem Thema Großwildjagd die Spendengelder wieder munter fließen zu lassen. Das Ganze ist nicht weiter verwunderlich, vielleicht nicht mal erwähnenswert. Geht es irgendwelchen Tieren an den Kragen, dann kochen die Emotionen sofort – vor allem, wenn es um die steiftiertauglichen Wildtiere mit den süßen Knopfaugen geht.
Die Online-Aktivisten toben sich aus. Und wie es sich für hochemotionale Streitereien gehört, beschimpfen sie sich gegenseitig auf’s Allerheftigste und ziehen dabei das ganze Themenrepertoire durch: Von Massentierhaltung, veganer Ernährung, Umweltverschmutzung und Zerstörung der Lebensräume bis zur Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Pelzmänteln. Irgendwie hat das ja alles mit Tieren zu tun. Das kann man dem Gesprächspartner schon mal um die Ohren schlagen. Alles andere ist ja egal…

Kendall Jones wurde nicht müde, zu posieren und fotografieren zu lassen und hat sich selbst mit viel Engagement und wenig Weitsicht zu einer Ikone stilisiert. Jetzt ist sie tatsächlich eine öffentliche Person, eine enorm gehasste. Ihre Anfeindungen sind längst zum Thema in allerlei Medien geworden. Folglich hat sie mittlerweile reagiert, ihren Facebook Kanal vorübergehend geschlossen und bereinigt wieder geöffnet. Eine Menge Fotos, die sie dort hochgeladen hatte, sind wie von Geisterhand verschwunden, als könne sie so ihr ramponiertes Image wieder gerade rücken. Das aber beweist schon mal, dass die amerikanische Jägerin doch einigermaßen naiv ist… als wenn das Netz je vergessen würde, als wenn Google nicht alles, was irgendwo veröffentlicht und seitdem geteilt wurde, wiederfinden würde. Das Ruder jetzt herumzureißen, sich als Tierschützerin neu zu stilisieren („Abschuss bedeutet Stabilität der Tierbestände“) dürfte wenig erfolgversrpechend sein. Sie hat ihren Ruf weg. Natürlich hilft Google bei der Suche der auf Facebook verschwundenen Bilder weiter, dazu braucht es nur ihren Namen als Suchbegriff. Schon verweist die Maschine treffsicher zu Seiten wie zum Beispiel von Africageographic.com. Dort sind die Bilder der großwildtötenden Amazone nach wie vor zu sehen… Und die Kommentare, die sie zu den Bildern hinterlassen hat und den tödlichen Abschuss bestätigt, sind ebenfalls vorhanden:

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Ebenso hilflos wirken weitere Versuche um Schadensbegrenzung. Als sie beispielsweise zu einem Foto erwähnt, dass das Nashorn, mit dem sie zu sehen ist, nicht tot ist, sondern es betäubt, untersucht und gechippt wurde, bevor es wieder in die Wildnis entlassen wurde, glaubt ihr das kaum noch einer. Auch dieser Schuss ging nach hinten los Der Hass geht weiter.

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Als gottesfürchtige Amerikanerin (auch so ein Klischee) hätte es ihr vielleicht besser geholfen, mal öfter über die Heilige Schrift nachzudenken, die den Amerikanern doch so ans Herz gewachsen ist. Dort steht im Buche Jesus Sirach im dritten Kapitel zu lesen:
Liebes Kind, tu deine Arbeit in Demut; das ist besser als alles, wonach die Welt trachtet.

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Mit dem, was dich nichts angeht, gib dich nicht ab; denn dir ist schon mehr gezeigt, als Menschenverstand fassen kann; schon viele hat ihr Denken irregeleitet, und gefährliche Vorstellungen haben sie gestürzt. Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um, und ein starrköpfiger Mensch nimmt zuletzt ein schlimmes Ende.

Schaut nicht danach aus, als ob Kendall Jones darüber schon mal nachgedacht hätte. Warum sollte sie auch? Sie ist ja noch jung, ein Teenager… aus Texas. Und blond.

Screenshots von den angegebenen Seiten

2 Gedanken zu „„Die hard, Kendall Jones…““

  1. Als ich noch sehr jung und ganz arg blond war, da habe ich gelegentlich mit Steinen nach Fröschen geworfen. Und wenn ich einen getroffen hatte war ich mindeestens so stolz wie Kendall mit ihrem Löwen. Du brauchst aber keine Angst zu haben, obwohl du als Autorenbild offenbar neuerdings einen Frosch „benutzt“. Die Jagdleidenschaft legt sich mit den Jahren.
    Im Übrigen erinnert mich der ganze Trubel um das Urwaldmädchen arg an den Treibauf, den die Web Community um die Sponsoren der Fußball EM und die Hundetötungen in der Ukraine vor zwei Jahren machten. Wenn’s um ihre Tierliebe geht werden viele Tierfreunde schnell zu durchgeknallten Trollen und schlichte Schweinsbratenesser werden von militanten Veganern schon mal mit KZ-Aufsehern verglichen.

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