Die Grenzen von Web 2.0

Müllmann wider Willen?

Der Name „Gesellschaft der Freunde Czyslanskys“ ist schwer zu toppen, aber die Einwohner von Austin, Texas, wollen es versuchen. Die städtische Müllabfuhr, die bislang den Titel „Austin Solid Waste Services Department“ trug, möchte nicht mehr so heißen, sondern sucht einen Namen, der „besser reflektiert, was die Abteilung tut“.

Normalerweise setzen sich in einem solchen Fall die Bürokraten zusammen und stimmen ab, aber irgendjemand im Rathaus von Austin hat wohl etwas von Web 2.0 und Social media gehört, also beschloss man, mit der Zeit zu gehen und die Bevölkerung zu fragen.

So, und nun haben sie ein Problem. Der beliebteste Vorschlag lautet nämlich „Fred Durst Society of the Humanities and Arts“. Und zwar mit Abstand: Als ich soeben meine Stimme abgab, hatten 26,693 Wähler für diesen Vorschlag votiert. Der Zweiteplatzierte („Department of Neat and Clean“) kam dagegen nur auf lächerliche 1.936 Stimmen. Wenn sich also nicht dramatisches ändert, werden die Müllwagen von Austin künftig den Namen des Leadsängers der Nu-Metal-Gruppe „Limp Bizkit“ tragen.

Fred Durst, der per Twitter von der Abstimmung erfuhr, ist angeblich begeistert. Sollte sich sein Name am Ende durchsetzen, wird er vermutlich zur Einweihung eingeladen. Das heißt: Wenn es dazu kommt.

Ich weile gerade zufällig in Austin, und ich habe deshalb die Pressesprecherin der Stadtverwaltung angerufen, eine gewisse Jennifer Herber. Sie meinte:  „Die potenziellen Namen werden wir in Erwägung ziehen, aber wir sind nicht gezwungen, den Sieger zu nehmen.“ Danach gefragt, ob sie denn überrascht sei, sagte sie: „Austin ist eine einmalige und eine sehr künstlerische Stadt. Wir wußten also, dass wir auch ein paar exotische Einsendungen bekommen würden.“

Anders ausgedrückt: Web 2.0 ja, aber nur, wenn am Ende das Ergebnis rauskommt, was wir haben wollen. Und das dürfte wohl ein Beispiel sein, dass Schule machen wird…

2 Gedanken zu „Die Grenzen von Web 2.0“

  1. Wenn man das Volk befragt und es abstimmen lässt, dann kommt eben so etwas heraus.

    Dann hat man ein totales Rauchverbot, einen totalen Krieg, eine Müllabfuhr, die wie ein Sänger heisst, ein Covergirl das eigentlich ein Mann ist …

    Die Intelligenz der Gruppe entspricht immer der des dämlichsten Mitglieds. (Sorry, Czslansky-Gesellschaft)

    Basisdemokratie ist, wenn man die Kinder fragt, wo man zum Essen hin gehen soll und ab sofort nur noch bei McDonalds isst.

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