Der Dürer Skandal

Wenn man mit einer Fränkin, genauer noch mit einer Nürnbergerin verheiratet ist, erlebt man hin und wieder überraschende Ausbrüche von Nationalstolz. So schlenderten wir vor ein paar Wochen durch Wien und beschlossen doch auch mal in die Albertina reinzuschauen. Kaum betreten wir das Gebäude, da reisst mich ihr Aufschrei aus den Gedanken:
Der Hase gehört doch uns!“ ruft meine Gattin plötzlich fassungslos und bleibt wie angewurzelt vor dem Plakat des Kunst-Merchandising-Laden stehen. Dann fällt sie sogar – für sie untypisch – in ihren Heimatdialekt. Das klang dann in etwa so: „Was machd denn unser Dürer-Haaas in der Alberdina?“

Der neueste Schock den die Franken und damit auch meine geliebte „Beutebayerin“ verkraften müssen ist, dass das berühmte Selbstbildnis des grossen Nürnbergers, wohl in der Münchner Pinakothek bleiben wird, wenn die Nürnberger dieses Jahr ihren größten Sohn der Stadt mit einer umfassenden Ausstellung ehren wollen. Angeblich ist das Bild zu fragil und kostbar, um quer durch den Freistaat transportiert zu werden.

Aber die Mittelfränkische Kultur-Junta vermutet dahinter eine böswillige Diskriminierung einer ethnischen Minderheit und ist zum Letzen bereit. Sogar aus Oberfranken erklären sich verschiedene Freischärlergruppen inzwischen solidarisch und es sind erste Stimmen zu hören, die sogar einen religiösen Hintergrund vermuten. Die Worte Geiselnahme und Reformationskrieg werden geraunt. Mit dem fränkisch-evangelischen Ministerpräsidenten hätten die Katholiken sich das nicht getraut, meint man.

Ob der Hase zur Ausstellung einen Heimaturlaub antreten wird, weiss ich noch nicht, aber sowohl München, als auch Wien haben genug eigene Künstler, da kann man den Franken doch ihren Dürer lassen, oder?

NACHTRAG: Hier findet sich eine sehr schöne fränkische Zusammenfassung zum Thema: Bayern wolln mer net
(Unglücklicherweise gibt es wohl keine Top-Level-Domain .ned deshalb muss der Autor mit haddem D schreiben.)

8 Gedanken zu „Der Dürer Skandal“

  1. Interessant! Wusste nicht dass dort noch mehr als Dreiinamweggla und die innovative Bayrischvariante ohne Hartkonsonanten erfunden wurde. Kannst mal sehen!

  2. Spotten Sie nicht, werter Chronist. Die Lage ist ernst.
    Karl Freller, Fraktionsvize der CSU im Landtag ließ verlauten, er sehe wenig Möglichkeiten, dass sich in Zukunft fränkischer CSUler für altbaierische Kulturprojekte engagieren würden. Damit deutete er an, seine Franken könnten sich einer Abstimmung über einen neuen Münchner Konzertsaal verweigern. So vermeldete es der BR.
    Als Erpressung will er das nicht gewertet wissen, nur als Gedankenspiel…
    Gerüchteweise sind derweil erste fränkische Separatisten in Trainingslagern im Baskenland eingetroffen. Man darf Schlimmes erwarten.
    Da mit einer Restitution fränkischer Beutekunst (es gibt noch viel mehr in München als nur den Dürer) auch nicht zu rechnen ist, suchen die Franken nun nach einem Ausweg.
    Wunderwaffe Karl-Theodor hat bereits begonnen, das Pelzrockportrait von Dürer nachzumalen (er versteht sich auf solche Dinge). Ein Thomas Crown wird wohl beauftragt, in einer Geheimaktion das Original aus der Pinakothek zu holen und die Fälschung zu platzieren. Der tumbe Bayer merkt den Unterschied sowieso nicht…
    Da kommt ein spöttelnder Ton zur Unzeit. Der gebeutelte Franke wird zurückschießen.
    Derweil lehnt sich der zugroaste Saupreiß behaglich zurück und beobachtet das Spektakel mit Wonne…

  3. Dem Vernehmen nach soll das weltberühmte Dürer-Bild „Betender Haase“ außer verschollenen Czyslansky Collection aufmdem Pariser Märchen Au pues aufgetaucht sein und sich Gera einer umfangreichen Restaurierung unterziehen, um die Lagen von Essensreste und Bierpfützen (das Bild diente dem großen Vordenker des Digitalen zeitweilen als Essens- und Arbeitstisch) zu beseitigen. mit etwas Glück werden die Arbeiten Bistum Beginn der Nürnberger Ausstellung abgeschlossen sein, so dass man dort doch noch mit einem echten Highlightbwirdbaufwarten können.

  4. Dim, du Dödl!
    Aber um deine audomadische Rechdschreibgorregdur beneid ich dich, die wo so schöne Sachn sogd wie „werden die Arbeiten Bistum Beginn der Nürnberger Ausstellung abgeschlossen sein“. Do werd aus am „bis zum“ glei a Bisdum, a kadolisches. Mer mechd greiner for Freid …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .