Das Internet hat gewonnen!

Barack Obama / DC Examiner
Quelle: The DC Examiner

Der Sieg Barack Obamas ist auch ein Sieg des Internet.

Während Politologen und Wahlstrategen noch monate- oder jahrelang darüber debattieren werden, wie es der schlacksige Nobody mit den abstehenden Ohren geschafft hat, sich in kürzester Zeit bis zum wohl mächtigsten Mann der Welt empor zu boxen, ist eines klar: Ohne die Macht der Neuen Medien wäre er niemals so weit gekommen.

Obama und seine Berater sind vielleicht die ersten echten Vertreter einer ganz neuen Politikergeneration die verstanden hat, dass Politik in Zukunft nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben funktionieren wird. Ja, es gab schon lange den Begriff „Graswurzelbewegung“, aber das war ungefähr so ehrlich gemeint wie die Floskel „König Kunde“. In Wahrheit haben die Politiker dem Bürger gesagt, was er zu wollen hat. Dafür bekommen ja bei uns jetzt insbesondere die SPD-Oberen ganz deutlich die Quittung. Man stelle sich vor, Frau Ypsilanti hätte ihre Parteibasis erst mal online diskutieren lassen, bevor sie sich auf das Abenteuer mit den Linken einließ…

Das Internet erlaubt es der Politik, den Bürger auf eine Art und Weise zu mobilisieren, wie man es sich in seinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt hätte. Zwischen 70 und 80 Prozent Wahlbeteiligung in den USA – und in Deutschland schickt sich der Block der Nichtwähler an, die dritt- und vielleicht demnächst sogar die zweitstärkste Partei zu werden.

Die Lektionen aus dieser US-Wahl müssen in den kommenden Monaten gezogen und gelernt werden. Klar ist, dass sich Wähler online in hohem Maße mobilisieren lassen, vorausgesetzt man müllt sie nicht mit dem üblichen herablassenden Bonzengeseiere zu, sondern lässt sie tatsächlich mitmachen. Das heißt aber auch wirklich: mehr Demokratie wagen! Und zwar indem man die politische Diskussion ins offene Internet verlagert und ihr dort freien Lauf lässt. Parteien müssen Wähler aktiv ansprechen und durch ernstgemeinte Dialogangebote ködern. Nur, wenn Wähler das Gefühl bekommen, dass man ihnen zuhört, werden sie ihre Apathie abstreifen und sich ernsthaft beteiligen.

Konkrete Maßnahmen?

Wie wär’s, wenn schon mal die Parteien online abstimmen lassen würden? Und ich meine nicht nur bei der Wahl des Kreisvorstands, sondern bei der Kandidatenaufstellung für Landes- und Bundestagswahlen.

Ich würde die Wähler aber auch in Sachfragen abstimmen lassen. Online-Meinungsumfragen gibt es nicht erst seit gestern. Aber dann erwarte ich als Stimmbürger auch, dass ich anschließend erfahre, was die Politiker daraus gemacht haben. Sie sollen Rede und Antwort stehen – klar, auch online. Dafür ist das Internet ja schließlich da.

Und wir müssen endlich Ernst machen mit dem Thema eGovernment – nicht nur, weil wir die Kosten für unseren aufgeblähten Verwaltungsapparat in den Griff bekommen müssen, sondern weil sich auf der ganz praktischen Alltagsebene echtes Bürgerbewußtsein bilden lässt.

Es heißt übrigens „politischer Dialog“, weil es in beide Richtungen funktioniert. Das müssen unsere Politiker noch lernen. Die Wähler aber auch.

23 Gedanken zu „Das Internet hat gewonnen!“

  1. ja: obama hat erstmals das internet als eine zentrale kommunikationsplattform in einem wahlkampf genutzt. ja: die deutsche politik kann und muss hiervon lernen. ja: das internet ist teil eines paradigmenwechsels in der politik: von der repräsentanz hin zur stärkung direkter partizipation.

    aber wir sollten bei unserer einschätzung das wahlergebnis nicht als „sieg des internet“ überinterpretieren; genaus so, wie es falsch wäre, dieses ergebnis als sieg der politischen intelligenz des amerikanischen wahlvolkes anzusehen. hier kam einfach wirklich alles zusammen:

    – obama als natürlicher hoffnungsträger, der nicht durch eine vorgeschichte belastet ist (im gegensatz zu hillary etwa)
    – obama als schwarzer aufsteiger, dem es offensichtlich gelingen konnte, unglaublich viele schwarze erstwähler zu gewinnen
    – der junge obama, der gegen den alten wie-heisst-er-noch-gleich die jungwähler mobilisieren konnte
    – eine völlig gescheiterte neokonservative wirtschaftspolitik, die auch keine alternativen ansätze und ideen mehr im köcher hatte
    – eine desaströse aussenpolitik in einer unheilvollen melange aus intervention und isolationismus

    das internet ist nicht der zentrale „erfolgsfaktor“ für die demokraten gewesen. aber weil die demokraten in diesem wahlkampf die modernere politik verkörperten, nutzten sie auch das internet. ich will sagen: nur weil ein spd-geschäftsführer das bloggen lernt, ist die krise der sozialdemokratie noch lange nicht überwunden. und eine virtuelle csu wird weder viraler, noch vitaler.

    das internet hat schon vor dieser wahl gewonnen. und obama hat nicht in erster linie wegen dem internet gewonnen. und welche elemente einer direkten demokratie wir wirklich wollen, sollten wir noch diskutieren. es wurden auch schon viele despoten direkt vom volk gewählt. und eine internet community, die mehrheitlich die todesstrafe wünscht – geschickt nach irgendeinem kindsmord hierzu aufgerufen – wäre mir nicht geheuer. das internet wird es aber erlauben, die grenzen zwischen repräsentativer und direkter demokratie zu optimieren. das wäre wohl zu diskutieren.

  2. Eigentlich ist mir die amerikanische Politik fast genauso gleichgültig wie die hessische, aber als Fan des Microblogging Tools Twitter, freue ich mich natürlich für Obama.

    Er, respektive sein Wahlkampfteam, twittern unter: http://twitter.com/BarackObama

    Ihm folgen aktuell 117.189 Menschen in aller Welt. Das ist der absoluter Rekord und wäre zumindest bei der einen oder anderen Kommunalwahl die Absolute Mehrheit.

    Zum Vergleich eine Auswahl der Parteien/Politiker die mir „folgen“

    CSU: http://twitter.com/csublogger 71 Follower
    Die Grünen: http://twitter.com/Die_Gruenen 1036 Follower

  3. Ob über´s Web oder anders. Erst einmal finde ich gut, dass Obama gewonnen hat und nicht McCain. Ich glaube nicht, dass das Web ursächlich damit zusammen hängt. Allerdings hat es den vielen Obama-Supportern die Möglichkeit gegeben, besser gehört zu werden. Sie haben witzige, tiefschürfende oder einfach nur emotionale Dinge gebloggt oder getwittert. Sie waren aktiver als die Konservativen. Das wären Sie ohne Netz auch gewesen, aber durch das Netz waren sie viel sichtbarer.
    Natürlich hat sich die öffentliche Meinung durch das Web verändert. Sie ist vielschichtiger geworden und beschränkt sich nicht mehr auf die klassischen Medien, aber das war auch schon vor Obama so. Interessant ist die Frage, ob sich diese öffentliche Web-Meinung besser manipulieren lässt als die klassische veröffentlichte Meinung?
    Also sprich zahl eine Menge Blogger und Microblogger und lass sie deine Botschaft in die Welt blasen und du wirst gewählt.

  4. Nun ja, Tim, das Internet hatte schon VOR Obama gewonnen. Die Frage im Zusammenhang mit der US-Präsidenten-Wahl 2008 müsste also lauten: Hat Obama wegen oder trotz des Internets gewonnen. Sicher hat er souverän auf der Social-Media-Klaviatur des Web 2.0 gespielt. Andere taten es auch. Aber sieh selbst:
    http://www.youtube.com/watch?v=sA-451XMsuY

    Ob ihm so was geschadet oder genutzt hat? Egal. Jedenfalls hat er (und nicht das Internet!) den Amerikanern eine Hoffnung zurück gegeben: Nicht bis in alle Ewigkeit die „Arschkarte“ der Weltpolitik gezogen zu haben.

  5. @christoph ich wage zu bezweifeln, dass man Blogger und Microblogger kaufen kann, um sie für den Wahlkampf zu instrumentalisieren. Vielmehr muss man mit Interesse wecken und mit interessanten noch besser mit emotionalen Inhalten ihr Herz und ihren Verstand gewinnen. Ich glaube das ist nicht sehr viel anders geworden, seit die Journalisten nicht die einzigen Meinungsmacher mehr sind.

  6. So sehr ich mich über den Sieg Obamas freue, ich bin mir nicht so ganz sicher, dass ich die Konsequenzen für den Wahlkampf in allen Facetten gut finde. Mein Eindruck ist, dass das Internet vor allem der Mobilisierung diente; dass eine inhaltliche Diskussion stattgefunden hätte, konnte ich nicht feststellen. (Lass mich hier aber gerne eines besseren belehren, denn so genau habe ich den Online-Wahlkampf dann auch nicht verfolgt.)

    Als Folge befürchte ich nun, dass Wahlkampf noch stärker personengeprägt wird und Sachfragen auf oberflächliche Ja-Nein-Vielleicht-Diskussionen herunter gebrochen werden. Auf der Strecke blieben dann fachlich versierte Politiker, die heute als Fachleute über die Parteilisten in die Parlamente einziehen und auf der Strecke bliebe auch die fachlich oftmals sehr fundierte (Vor-)Diskussion komplexer Themen in den Parteien. Sicherlich gibt es das Problem, dass sich Parteifunktionäre von der „Wirklichkeit“ entfernen und jeden Dialog sofort als Angriff auf ihre Autorität betrachten; oder die jetzt in der hessischen SPD sichtbare Wagenburgmentalität: Wer ausschert, ist ein Feind!

    Andererseits aber ändert auch das Internet nichts an der Tatsache, dass unsere politischen Themen hochkomplex sind. Und um komplexe Dinge zu diskustieren, muss man Zeit und Mühe aufwenden, egal über welchen Kanal die Diskussion stattfindet. „Change“ und „Yes we can“ lassen sich prima über Twitter transportieren, eine Debatte über die künftige Ausgestaltung des deutschen Steuerrechts möchte ich aber nicht in 140-Zeichen-Happen führen müssen.

  7. Ob Obama trotz oder wegen des Internets gewonnen hat, ist doch gar nicht die Frage. Er hat wegen Neil Young gewonnen. Hab ich doch heute im tazblog auf meiner Website erklärt:

    Zum ersten Mal …

    … gehört habe ich den Namen Obama im Jahr 2006, als Neil Young seine CD „Living with War“ herausbrachte. Da war der schöne Agitprop-Song drauf „Let’s impeach the President (for lying)“, lasst uns den Präsidenten seines Amts entheben wegen seiner Lügen. Und dann war da noch ein Song, den ich sehr mochte, und in meinem kurzen Artikel über Neil Young und seine Rückkehr zum politischen Protest schrieb ich in der Gazette:
    „In „Looking for a Leader“ hofft Young, dass es irgendjemand geben wird, der aufsteht und gegen die Korruption im politischen System der USA ankämpft. Wer das sein könnte? Der neue Führer sollte nach Youngs Vorstellung ein Mann sein, der jetzt noch „unter uns herumläuft … vielleicht ist es Obama, aber der hält sich für zu jung … vielleicht wird es eine Frau sein, oder doch ein Schwarzer, vielleicht sogar Colin Powell – um das gutzumachen, was er verbockt hat.“ Barack Obama, der junge Senator von Illinois, Jurist, Absolvent der Elite-Uni Harvard und erster schwarzer Herausgeber der Harvard Law Review, ist mit seinen 45 Jahren die große Hoffnung der liberalen Öffentlichkeit. Bei der Anspielung auf Exaußenminister Colin Powells Rolle in der Bush-Regierung darf man sich Neil Young getrost mit einem Augenzwinkern vorstellen. Und dann singt er noch:

    America is beautiful
    but she has an ugly side,
    we’re looking for a leader
    with the Great Spirit on his side

    Der Große Manitu möge ihm beistehen!“

    Das hab ich im April 2006 geschrieben. Jetzt ist er gefunden, der neue Führer, nach dem Neil Young in seinem Song gesucht hat, und tatsächlich, es ist Obama. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, kann man Barack Obama nur wünschen, dass ihm der Große Geist auch weiterhin beisteht.

  8. @Alexander
    Nur die Steuererklärung sollte auf den Bierdeckel passen. Die Diskussion dazu wurde aber meiner Erinnerung nach auch in 140-Zeichen-Happen (vulgo 30-Sekunden-TV-Statements) geführt und war entsprechend oberflächlich.

  9. hallo hans,
    ich habe den song auch wieder und wieder gehört. und ich habe den auf obama bezogenen satz „and he thinks he is to young“ gehasst. und heute bin ich froh, dass er es sich dann doch noch anders überlegt hat.

    aber mich hat dieser song auch immer verstört. natürlich wegen dem wunsch nach dem neuen „leader“. dieser erlösungsgedanke, der sich in der suche nach dem neuen „führer“ ausdrückt, ist mir völlig fremd. eine solch irrationale hoffnung auf politische einzeltäter hat es hierzulande zuletzt vor zwei jahrzehnten in der linken gegeben: bei der wahl mitterands in frankreich. und sie hat wieder einmal in einem emotionalen desaster geendet.
    ansonsten füchten wir im alten europa – zurecht wie ich meine – den „verführer“ immer eher, als wir auf einen „führer hoffen“.
    die überzogenen hoffnungen und anforderungen könnten für obama wirklich gefährlich werden. denn soviel mist, wie bush hinterlassen hat, kann ein ehrlicher mann – auch mit einem guten team – nicht so einfach wegräumen. lasst uns hoffen, dass die begeisterung des amerikanischen volks lange erhalten bleibt. dass sie nicht in politikverdrossenheit umschlägt, wie hierzulande. politik und gesellschaftliche partizipation sind zu wichtig, als dass man sie frustriert anderen überlassen könnte.

  10. Ja freilich, Michael Kausch, wir haben da ein spezifisch deutsches Problem mit dem Führer, aber die Amis und Neil Young sehen das anders. Wenn du dich in unbekanntes Gelände aufmachst, vertraust du dich besser einem Führer an, der sich besser auskennt als du. Das kennen wir Deutschen auch noch, beim Bergführer, beim Touristenführer, bei der Stadtführung. Ich weiß nicht mehr, aus welchem Popsong ich die Zeilen im Gedächtnis habe: People need leaders but have gamblers instead (sogar das kann ich nur sinngemäß zitieren, ich hol‘ mir die Bildung, wo ich kann): Eigentlich bräuchte man Anführer, aber es gibt halt nur Spieler. Bush war das beste Beispiel für den Spieler, so im Sinne von Alfred E. Neumann vom Mad-Magazin. Bush hat ja keinen Gedanken daran verschwendet (vielleicht mangels Intelligenz), welche Folgen seine Politik haben könnte, Hauptsache den Reichtum von unten nach oben verteilen und den „militärisch-industriellen Komplex“ (Eisenhower) stärken. War ja spitzenmäßig erfolgreich, und den Leuten, die ihn als Dummkopf abstempelten, kann er jetzt den Finger zeigen.
    Das Neue an Obama: Er steht nicht für die Ölindustrie oder den militärisch-industriellen Komplex oder für Big Business ganz allgemein, er steht für Politik im Namen der Nichtbeteiligten. Für die Politik eigentlich zuständig ist.

  11. @Hans: Also die Sache mit den „Führern“ – ob in die Berge oder in die Kriege – siehst Du wirklich ein wenig zu simpel für meinen bescheidenen Geschmack: 1. hat der amerikanische „Leader“ im Wortsinn nur wenig gemein mit dem deutschen „Führer“ – und das nicht erst seit Hitler. Der „GröFaz“ hat diesen feinen, wortsinnigen Unterschied nur geschickt für seine Zwecke genutzt. Während der „Leader“ doch nur die Richtung weist (den Weg findet hingegen der „Scout“), soll der deutsche Führer „befehlen“, damit wir alle folgen können.

    Übrigens hat sich ein österreichischer Bergführer auf einer Tour in Tibet, als er auf seine „Führungsfunktion“ verwies mal den Kommentar eines deutschen Touristen eingehandelt: „Lass gut sein, das hatten wir schon mal, das brauchen wir nicht wieder.“ Ein bisserl Differenzierung möcht schon sein.

    @Tim: Ich weiß ja nicht, woher Du deine apodiktische Sicherheit nimmst, aber wenn schon, dann hat nicht das Internet das „Phänomen Obama“ hervor gebracht, sondern Obama hat das Phänomen „Web (2.0)“, bzw. die dahinter aufscheinende „Schwarm-Intelligenz“ intelligent eingesetzt. Dass er es damit zumindest ernst meint, und die Interaktion mit den Menschen, den Austausch von Ideen, als Basis zukünftiger Politik begreift, zeigt seine neue Website:
    http://change.gov/

    Und dazu fällt mir nicht Neil Young, sondern die alte Reggae-Hymne aus den Zeiten des Kampfes gegen die Apartheit in Süd-Afrika ein: „Gimme Hope, Joanna!“

  12. Sag ich doch! Mir war völlig schleierhaft, dass etwa die Hälfte der US-Wähler nicht mitbekommen hat, dass Bush diese dummdreiste Physiognomie von Alfred E. Neumann hatte. Und sich als Präsident genauso aufgeführt hat. Marionettendummbeutel. Höchst erfolgreich, ohne zu kapieren warum und für wen. Ich bin sicher: Er war genauso verblüfft wie denkende Menschen, dass er mit seinem bescheuerten Bockmist ohne nennenswerten Widerstand durchkam. Waaas? Die lassen das zu? Wassn das für ein System? Ich fass es nicht: „Who? Me? Worry?“

  13. @Ossi – „apodiktische Sicherheit“: Du kannst nicht verknappen, ohne die Schattierungen wegzulassen 😉

    Aber im Ernst: Amerika ist zwar angeblich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber nicht einmal dort hätte es ein unbekannter dunkelhäutiger Lokalpolitiker geschafft, mit konventionallen Mitteln binnen vier Jahre 52 Prozent der Wählerstimmen bei einer landesweiten Wahl auf sich zu vereinen. Es muss eine neue Qualität im Spiel sein – das Internet, respektive die neue Macht sozialer Interaktion in „cyber-speed“.

    Unser Freund Norbert Bolz sagte am Donnerstag in Kassel auf dem Deutschen Tourismustag einen schlauen, aber natürlich auch extrem verknappten Satz: „Kommunikation ist Informationsübertragung.“ Wie recht er doch hat: Die Leute haben gebloggt, gechattet, gepostet und geflamed. Und am Ende wird der Schlacksige mit den abstehenden Ohren ins Weiße Haus einziehen. Wenn das nicht phänomenal ist, dann weiß ich nicht, was heutzutage noch ein Phänomen sein soll!

  14. @Ossi. Danke für den Hinweis auf und den Link zu change-gov. – da holt sich offenbar auch tagesschau.de inzwischen die Top-Meldungen des Tages!
    Was die Kontroverse zwischen Tim und Ossi Urchs angeht: Welche Kontroverse?
    Ich hab den unbestimmten Eindruck, dass Obama von guten Leuten beraten wird und alles richtig macht. Das ist phänomenal, und daran muss man sich erst gewöhnen – vor allem, wenn man Politiker so skeptisch sieht wie ich.

  15. @Tim: Ja, so kommen wir der Sache, meinethalben auch dem Phänomen schon näher: Ohne das Internet hätte es Obama nicht geschafft. Klar. Aber eben: nicht das Internet wählt den amerikanischen Präsidenten, sondern es sind Menschen.

    Das Internet verhilft ihnen zu der Möglichkeit, nicht nur Informationen zu übertragen, sondern zu kommunizieren – und zwar in Echtzeit. Wir sind dabei, bzw. bei einander. Und dieses Gefühl hat Obama vielen Menschen zum ersten Mal vermittelt, das hat sie begeistert, hat sie veranlasst, dieses Gefühl selbst weiter vermitteln zu wollen, indem sie die Kommunikation nicht nur empfingen, sondern selbst weiter trugen. Das Web 2.0 und seine „Tools“ haben ihnen das in vorher unvorstellbarem Ausmaß ermöglicht.

    Sie haben den „Netzwerk-Effekt“ (Eine Anwendung wird umso besser und wertvoller, je mehr Menschen sie nutzen) in die Politik gebracht. Sie. Die Internet-Nutzer. Nicht das Web. Und auch nicht Obama. Der weiß das übrigens ganz genau: „The story of this campaign is your story“ heißt es folgerichtig auf der bereits genannten Website http://change.gov

  16. Moin, Moin,

    hier noch eine kleine Ergänzung
    zur interessanten Diskussion:

    Obama im Web,
    jetzt auch sein Fotoalbum
    aus der Wahlnacht in Chicago –
    „Hochgeladen von Barack Obama“.

    Nicht als exklusive Zeitungsstory,
    sondern für alle bei „flickr.com“.

    http://www.flickr.com/photos/barackobamadotcom/

    Schön auch die Bild-Kommentare
    von Surfern aus aller Welt.

    Hoffentlich hat dieser Modus
    „Senden und empfangen“
    auch weiterhin Gültigkeit
    für die Obama-Regierung.

  17. @Globo Klaus – Heh, schönen Dank, dass Sie darauf hinweisen. Iss doch schön zu wissen, dass auch Obama wie alle anderen vorm Fernseher gesessen ist, um zu gucken, wer die Wahl gewinnt. Und was seine Frau betrifft: Ich finde, sie sollte Vizepräsident sein, nicht Joe Biden. Kein Wunder dass Obama auf die abgefahren ist – man muss sich nur mal ihren Werdegang als Juristin angucken. Da kann man den McCain-Anhänger gut verstehen, der meinte: „Ich hab keine Angst vor Obama, ich hab Angst vor seiner Frau!“
    Was soll ich denn jetzt machen? Nochn Fanclub gründen? Oder einfach den Vornamen austauschen: „1. Michelle-Obama-Fanclub Bogenhausen“?
    What a woman: http://change.gov/

  18. lieber tim,

    bitte tu mir den gefallen und lösche deinen letzten beitrag möglichst schnell. wenn das der hessen-koch liest … nicht weil koch dann webgestützt die wahl gewinnen würde. koch gewinnt ja eh. aber wenn es dann alle auf das internet schieben, kommt das große ypsilon zurück und koch macht hessen zur erbmonarchie nach bayerischem vorbild.

    im ernst: dass das internet eine wichtige rolle im wahlkamp für obama gespielt hat wird noch niemand ernstlich bezweifeln. aber dass die zeit reif war für einen wechsel vor allem auch in ehemals konservativen staaten war eben auch entscheidend. ich glaube – trotz des von dir angeführten artikels – nicht, dass das web in staaten wie nevada letzlich entscheidend war und dass es ursächlich war, für die enorme wahlbeteiligung der schwarzen.

    gibt es eigentlich eine studie, die die rolle des internet in abhängigkeit von sozialstrukturen (land-stadt, mittel-/unterschicht, schwarz-weiss-hispano) untersucht?

    du siehst: das thema ist noch lange nciht duch 😉

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